10. Elevate-Festival in Graz eröffnet

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Mit einem beinahe nostalgischem Einführungsabend hat das zehnte Elevate-Festival im Grazer Dom im Berg am Donnerstagabend sein diesjähriges Programm vom Stapel geschickt. Als Eröffnungsredner fungierte der in Mexiko lebende und unterrichtende Kapitalismuskritiker John Holloway.


Holloway, der bereits beim ersten Elevate-Festival im Jahr 2005 dabei war, hielt einen flammenden Appell gegen die Massenverblödung und die Allmacht des Geldes. Dass er die Rede zur allgemeinen Freude des Publikums auf Deutsch hielt, begründete der 67-jährige, aus Irland stammende Soziologieprofessor damit, dass er ein Zeichen setzen wolle “gegen die Anglifizierung der Welt und die soziale Verengung, die das mit sich bringt”.

Anschließend kam mit dem “digitalen Bodyguard” des Guardian-Starjournalisten Glenn Greenwald, Micah Lee, ein weiterer prominenter Gast des Jubiläumsausgabe des mittlerweile etablierten Grazer Festivals für Musik, Kunst und politischen Diskurs zu Wort. Auf der Eröffnungsbühne beschränkte sich Lee auf einige relativ selbstverständliche Sicherheitsratschläge für Internetnutzer. Lee soll im Laufe des Festivals bei einem Workshop im Forum Stadtpark allerdings auch konkretere Hilfestellung für Interessierte anbieten

Im anschließenden Gespräch mit der APA räumte Lee ein, dass die sicherste Weise, geheim zu kommunizieren auch angesichts aller komplexer Verschlüsselungstechnologien immer noch ein diskretes persönliches Gespräch fern jeglicher Elektronik oder zumindest mit vollkommen ausgeschalteten Mobiltelefonen sei.

Die indische Slow-Food-Pionierin Vandana Shiva schickte eine exklusive Videobotschaft an das Grazer Publikum. Dem Vernehmen nach laufen Bemühungen, die Umweltaktivistin, die auch Trägerin eines alternativen Nobelpreises (Right Livelihood Award) ist, im kommenden Jahr als Live-Gast in die steirische Hauptstadt zu bringen.

Am deutlichsten trat das immer wieder paradox anmutende Spannungsfeld der postmodernen Protestbewegung, die eine Art inhärentes Leitmotiv des Festivals ist, im Musikblock der Eröffnungsveranstaltung zutage. Hier trafen durchaus konträre Welten aufeinander, die vom seltsam passiven, vorwiegend jungen, uniform gekleideten und sich ebenso verhaltenden Publikum scheinbar aber nicht als konträr empfunden wurden.

Einerseits waren da die gewitzte Sounddesignerin Mimu Merz und ihr Cello spielender Mitstreiter Lukas Lauermann, die mit dezent “gebjörktem” Gesang und an Sigur Ros gemahnenden atmosphärischen Klängen mehr als nur auf eine Weise an die innovative Nordatlantik-Insel Island denken ließen. Oder die britisch-kosmopolitische Word-Artistin Deanne Rodger, deren beherzte, engagierte Lyrik-Kaskaden so etwas wie einen modernen Hippiegeist heraufbeschworen.

Auf der anderen Seite geriet das solide, aber wenig einfallsreiche DJ-Set von Marcello Basstrojani zum belanglosen Pausenfüller. Noch schlimmer fiel der Auftritt des US-amerikanischen Musikers und Video-Klempners Torn Hawk aus, der mit langatmigem Gitarre-Elektronik-Brei und öden Porno- und Trash-Horror-Loops auf dem Videoschirm – eine Art Bildschirmschoner aus der Hölle – um fast eine Stunde überzog und so den nächtlichen Auftrittsfahrplan völlig aus dem Lot brachte.

Einen ersten musikalischen Höhepunkt erreichte das Elevate-Festival mit dem Auftritt der österreichischen Techno-Aushängeschilder Elektro Guzzi. Das als Jazz-Profis ausgebildete Trio aus Gitarre (Bernhard Hammer), Bass (Jakob Schneidewind) und Schlagzeug (Bernhard Breuer) überzeugte mit seinen kompromisslosen und dabei trotzdem beseelten Beats, dass Musiker aus Fleisch und Blut auch in einem von der Elektronik geprägten Genre wie dem Techno unverzichtbar sind.

Mit ihrem neuen Album “Observatory” liefert das international etablierte Wiener Trio einen verkappten Meilenstein ab. Der Kalimba-betriebene Closer “The Grist” etwa hat das Zeug zum progressiven Techno-Klassiker. Damit gelang es am Eröffnungsabend wohl am besten, den Anspruch der geerdeten, aber technologiefreundlichen Alternative zur elitären Turbokonsum- und Kapitalgesellschaft musikalisch zu illustrieren. Spätnachts stand noch Lokalmatadorin Clara Moto auf dem Programm.

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