Zwölf-Stunden-Arbeitstag: So stehen Salzburgs Parteien dazu

Von Florian Gann
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Mehr Flexibilität oder Ausbeutung der Arbeitskräfte - was steckt hinter dem 12-Stunden-Arbeitstag. (Symbolbild)
Mehr Flexibilität oder Ausbeutung der Arbeitskräfte - was steckt hinter dem 12-Stunden-Arbeitstag. (Symbolbild) - © APA/Hertel/Archiv
Der Vorschlag um einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag erreichte am Donnerstag auch Salzburg. Die ÖVP ist dafür und sieht einen Gewinn in Sachen flexiblerer Arbeitszeit. Doch die kritischen Stimmen sind in der Überzahl. Die Arbeiterkammer sieht darin “moderne Sklaverei”.




Vizekanzler Reinhold Mitterlehner brachte in dieser Woche den Zwölf-Stunden-Arbeitstag nach Jänner erneut auf den Tisch. Der Vorschlag sieht eine tägliche Höchstarbeitszeit von zwölf Stunden in Unternehmen mit Gleitzeit vor. Eine Verringerung der Überstundenzuschläge soll es nicht geben, sagte Mitterlehner am Dienstag im Zuge der Landeshauptleutekonferenz in Graz.

Der Vorschlag wurde auch in Salzburg schnell aufgegriffen. Während die Salzburger ÖVP auf Linie mit der Bundespartei ist, gibt es Kritik aus der Opposition, von der Arbeiterkammer und den Gewerkschaften. SALZBURG24-User sind zwar mehrheitlich gegen den Vorschlag, doch einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten können Einige etwas abgewinnen (Stand Freitag, 11 Uhr). Was sind die Argumente für und gegen den Zwölf-Stunden-Arbeitstag? Wir haben uns das angesehen.

Drei-Tage-Woche mit Zwölf-Stunden-Arbeitstag?

Der Salzburger ÖVP-Landtagsabgeordnete Hans Scharfetter könnte sich eine Regelung vorstellen, nur an drei Tagen zu arbeiten und danach zwei Tage frei zu haben. „Wir wollen Arbeitnehmern und Arbeitgebern mehr Freiheit bei der Zeiteinteilung geben“, meinte Scharfetter im Gespräch mit SALZBURG24. Wünsche dazu seien von beiden Seiten vorhanden. Es ginge dabei nicht um mehr Arbeit. Obergrenzen für die Wochenarbeitszeit sollen bleiben (bei 50 Stunden, Anm.), auch Zuschläge für Überstunden verspricht man nicht anzugreifen.

Lange Pendlertage, geschädigte Gesundheit und Familienprobleme

Bei SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaften lassen diese Vorschläge die Alarmglocken schrillen. Der Salzburger Arbeiterkammerpräsident Siegfried Pichler sieht darin „moderne Sklaverei“. „Da steht ausschließlich Profitdenken im Vordergrund, der Mensch wird in den Hintergrund gedrängt“, meinte Pichler in einer Aussendung. Dass die Arbeitszeiten wirklich selbst gewählt werden könnten, sei nicht gegeben. Flexible Arbeitszeiten würden im Sinne der Unternehmer gelebt und könnten im Großteil der Fälle nicht von Arbeitnehmern selbst bestimmt werden – mit Tendenz zu stärkerer Fremdbestimmung. Neben gesundheitlicher Belastung und höherer Unfallgefahr bei längeren Arbeitszeiten tauchen auch andere Probleme auf. Pendler aus den Landbezirken seien bei einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag dann bis zu 16 Stunden unterwegs, so SPÖ-Verkehrssprecher Gerd Brand. Seine Parteikollegin Ingrid Riezler-Kainzner sieht auch Probleme für Eltern, derart lange Arbeitszeiten mit dem Familienleben zu vereinbaren.

Gewerkschaft fürchtet Lohndumping

Beim Österreichischen Gewerkschaftsbund ortet man indes eine Lohnkürzung durch die Hintertür. Die Unternehmerseite bezwecke „nichts anderes als Abschaffung von Überstundenzuschlägen“, so Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler. Auch bei den Grünen, Koalitionspartner der ÖVP im Land Salzburg, ist man skeptisch. Ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag sei „grundsätzlich nicht in unserem Sinne“, meinte Grünen-Sprecherin Anna Schiester auf Anfrage von SALZBURG24.

Trotz Kritik sieht sich Hans Scharfetter im Vorschlag für die Zwölf-Stunden-Woche bestätigt: “Die Arbeitswelt verändert sich und das erfordert Flexibilität”.

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