Luftangriffe auf Aleppo vor neuen Syrien-Gesprächen

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Allein in den vergangenen Tagen starben fast 150 Menschen in Aleppo
Allein in den vergangenen Tagen starben fast 150 Menschen in Aleppo - © APA (AFP)
Zwei Tage vor den neuen Gesprächen der USA und Russlands über eine Waffenruhe in Syrien ist die umkämpfte Großstadt Aleppo erneut zum Ziel heftiger Luftangriffe geworden. Syrische und russische Kampfflugzeuge flogen Donnerstag früh mehr als 20 Angriffe auf den von Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt, meldete die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Im Nordosten Aleppos hätten die Regierungstruppen zudem ihren Vormarsch fortgesetzt. Seit der Wiederaufnahme von Luftangriffen am Dienstag sind in Aleppo nach Angaben des Zivilschutzes 145 Menschen getötet worden. Die Bombardements seien sehr heftig gewesen, sagte Zivilschutz-Chef Ammar al-Selmo am Donnerstag.

Vier Kinder in Aleppo getötet

Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, wurden in einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel am Donnerstag vier Kinder getötet. Ihre Schule war demnach von einer Rakete der Rebellen getroffen worden.

Die russische und die syrische Luftwaffe fliegen seit dem 22. September massive Luftangriffe auf Aleppo. Die syrischen Regierungstruppen wollen mit ihrer Großoffensive die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen.

Gespräche abgebrochen

Nach dem Abbruch der Gespräche über eine Waffenruhe in Syrien wollen Russland und die USA am Samstag ihre direkten Gespräche wieder aufnehmen. An dem Treffen in Lausanne nehmen unter anderem der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry teil.

Russlands Außenminister Lawrow sprach sich vor den neuen Syrien-Gespräche für den Aleppo-Plan des UNO-Syriengesandten Staffan de Mistura aus. Der Vorschlag, Anhängern der radikalen Al-Nusra-Front den Abzug aus der umkämpften Stadt zu ermöglichen, verdiene eine neue Chance, sagte Lawrow in einem Interview des US-TV-Senders CNN. “Al-Nusra versucht, Zivilisten als menschliche Schutzschilder zu benutzen (…). Al-Nusra kann nicht toleriert werden”, betonte der Minister.

Russland und Frankreich bringen Syrien-Resolution ein

Die Al-Nusra-Front nennt sich heute Fatah-al-Sham-Front. Im Sommer sagte sie sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida los. Die USA und Russland stufen sie jedoch weiter als Terrororganisation ein.

Lawrow nannte als mögliche Teilnehmer der geplanten Verhandlungen in der Schweiz “die Türkei, Saudi-Arabien, Katar, vielleicht” und die USA. “Wir wollen ein Treffen mit Ländern, die direkten Einfluss haben auf das Geschehen – entweder, weil sie vor Ort sind, oder durch Finanzierung oder Waffenlieferungen”, unterstrich der Chefdiplomat.

Russland wolle in Lausanne “eine geschäftsmäßige Diskussion – nicht noch eine Debatte wie in der UNO-Generalversammlung”, sagte Lawrow. Bei der jüngsten Generalversammlung hatten Russland und Frankreich eigene Syrien-Resolutionen eingebracht und sich damit blockiert.

Kerry und Lawrow hatten Mitte September eine landesweite Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt, doch war die Feuerpause nach nur einer Woche wieder zerbrochen. In den darauf folgenden Tagen hatte die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die Großoffensive auf Aleppo gestartet.

Zivilisten in Aleppo zwischen den Fronten

Die syrische Armee versucht mit russischer Unterstützung, den Ostteil Aleppos zu erobern. Dies wäre für Präsident Bashar al-Assad ein wichtiger Sieg und könnte seine Gegner entscheidend schwächen. Die Rebellen und ihre Unterstützer, darunter Saudi-Arabien und auch westliche Staaten, wollen den Fall Ost-Aleppos daher unbedingt verhindern. Zwischen diesen Fronten werden die Zivilisten zerrieben, die unter den massiven Zerstörungen und der katastrophalen Versorgungslage leiden.

Russland unterstützt das syrische Regime seit einem Jahr militärisch. Der Westen wirft Moskau vor, dabei Zivilisten und unter anderem einen UNO-Konvoi getroffen zu haben. Russland weist dies zurück und fordert Beweise für Vorwürfe von Kriegsverbrechen in dem Bürgerkriegsland. Im Syrien-Krieg wurden seit 2011 nach Schätzungen mehr als 300.000 Menschen getötet, Millionen sind auf der Flucht.

(APA)

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