15 Anrainer setzen Alkoholverbot in Gstättengasse durch

Von Moritz Naderer
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Das Alkoholverbot in der Gstättengasse tritt mit Anfang Oktober in Kraft.
Das Alkoholverbot in der Gstättengasse tritt mit Anfang Oktober in Kraft. - © FMT-Pictures/MW/Archiv
Gerade einmal zwei Monate hat es gedauert, bis das Alkoholverbot in der Fortgehmeile Gstättengasse in der Stadt Salzburg unter Dach und Fach war. Wie sich nun herausstellte, sollte das wegen 15 Anrainern passieren.




Im Vorfeld wurden stets “massive Beschwerden der Bewohner” über Lärmbelästigung und Kleinkriminalität, die jegliches “tolerierbare Ausmaß überschritten hätten” als Grund für das Alkoholverbot angeführt. Genaue Zahlen zu den Beschwerden konnte man seitens der Stadt Salzburg gegenüber SALZBURG24 jedoch nicht vorlegen.

Gstättengasse: Beschwerden von 15 Anrainern

Lediglich 15 Anrainer sollen sich immer wieder über Belästigungen aller Art beschwert haben, vor allem jedoch ab Mai dieses Jahres mit Einsetzen der wärmeren Jahreszeit: “Es sind dort ungefähr 15 Anrainer, die immer wieder bei uns vorstellig wurden. Es sind nicht sprunghaft mehr Beschwerden geworden, sie haben aber so ein Ausmaß angenommen, dass man einfach nicht mehr zuschauen konnte”, gab Bernd Huber, Mitarbeiter im Büro von Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) im Gespräch mit SALZBURG24 an. Hinzukommen laut Huber zudem Vorfälle wie etwa Körperverletzungen, die ein Einschreiten der Polizei forderten.

Lokalbesitzer sind um Image bemüht

Gegen die Negativschlagzeilen über die Fortgehmeile in der Gstättengasse wehren sich nun auch die Lokalbesitzer. Mehrere Wirte wollen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen um so das Image zu verbessern und mit der Verwaltung besser zu kooperieren. Dazu wurde auch versucht, zu einem runden Tisch mit Politik und Anrainer zusammenzukommen. “Das ist aber nicht passiert, da das Alkoholverbot schon beschlossene Sache war”, so Heinz Russ, Inhaber der “Russ Bar” bei einem Pressegespräch am Freitag.

gstäga2 Sind um positives Image bemüht: Birgitt Ursprunger, Franz Grubinger, Siegfried Ursprunger und Heinz Russ. /SALZBURG24 ©

Über die vielen Beschwerden wundert sich auch Franz Grubinger, Inhaber von “Flip” und “Soda Club” in der Gstättengasse: “Bei einem ersten Anrainergespräch Mitte April erschienen genau fünf Anrainer. Dabei ging es jedoch nicht um Lärmbelästigung oder ähnliches, sondern darum, einen Gassenverkauf im eigenen Haus zu verhindern.” Siegfried und Birgitt Ursprunger, die gerade eine Bäckerei mit Nachtimbiss in der Gstättengasse eröffnet haben, betonen zudem, dass ihr “Imbiss keine Party-Meile” werde.

Preuner: Anrainer sollen Verstöße melden

Vizebürgermeister Harald Preuner will die Lokalbesitzer dennoch härter in die Pflicht nehmen. Dazu soll etwa die Betriebsanlagenbehörde keine weiteren Betriebe mehr mit einer Sperrstunde von 4 Uhr genehmigen. Hier zeigte sich Preuner schon früher verärgert über die Behörde unter der Führung von Stadtrat Johann Padutsch (GRÜNE): “Ich frage mich daher schon, wie ein Alkoholverbot exekutiert werden soll, wenn eine Stelle der Stadt massiv in eine andere Richtung arbeitet.” Außerdem bittet Preuner die Anrainer darum, sämtliche Übertretungen der Sperrstunde festzuhalten, zu dokumentieren und der Stadtgemeinde Salzburg mitzuteilen.

Anrainer: Gutes Auskommen mit Lokalbetreiber

Von einer solchen “Bespitzelung” der Betriebe hält Eva Möseneder von der Anrainerinitiative in der Gstättengasse wenig: “Das ist eine Blockwartmentalität. So jemanden möchte ich nicht als Nachbar haben.” Auch das Verhältnis zu den Wirten sei laut Möseneder ein sehr gutes. “Es ärgert mich, dass das nun so rüberkommt, als würde man gegen die Wirte vorgehen wollen. Dabei ist es die Situation in der Gasse an sich. Hier werden Drogen verkauft und es riecht wie in einem Pissoir.” Für lautstarke Zwischenfälle würden zudem die “Völkerwanderungen zum Ursulinenplatz” sorgen, gab Möseneder im Gespräch mit SALZBURG24 an.

Alkoholverbot ab Anfang Oktober

Das Alkoholverbot in der Gstättengasse soll jeweils an Samstagen und Sonntagen sowie an Feiertagen von 24 Uhr bis 6 Uhr gelten. Überwachung und Vollziehung liegt in der Verantwortung der Stadtgemeinde und dem Amt für Öffentliche Ordnung. Übertretungen können mit Geldstrafen von bis zu 300 Euro geahndet werden, das Alkoholverbot tritt mit Anfang Oktober in Kraft.

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