20 Tote bei Luftangriff auf Dorf bei Raqqa

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Bei einem Luftangriff der Anti-IS-Koalition auf ein Dorf nahe der syrischen Jihadisten-Hochburg Raqqa (Rakka) sind nach Angaben von Aktivisten 20 Zivilisten getötet worden. Unter den Toten in Al-Heisha seien neun Frauen und zwei Kinder, teilte die “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” am Mittwoch mit.

32 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Die auf Raqqa vorrückenden Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) dementierten die Angaben. Ein Sprecher der von den USA geführten Anti-IS-Koalition, John Dorrian, bestätigte Angriffe in dem Gebiet rund 40 Kilometer nördlich von Raqqa. Nach ersten Ermittlungen sei aber noch unklar, ob diese Angriffe zum Tod von Zivilisten geführt hätten. Die Koalition bemühe sich, die Risiken für Zivilisten gering zu halten, erklärte er.

Eine SDF-Sprecherin dementierte die Angaben zu getöteten Zivilisten in Al-Heisha. In dem Dorf sei “nichts derartiges passiert”, sagte die Sprecherin Jihan Scheich Ahmed der Nachrichtenagentur AFP. Die Behauptung stamme von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Das von der US-geführten Koalition unterstützte kurdisch-arabische Rebellenbündnis SDF hatte am Sonntag eine Offensive zur Rückeroberung von Raqqa begonnen. Am Dienstag nahmen die SDF-Kämpfer nach eigenen Angaben zwei weitere Dörfer ein und rückten weiter Richtung Raqqa vor. Viele Zivilisten flohen aus den vom IS kontrollierten Gebieten.

Die SDF teilten weiter mit, dass sechs IS-Kämpfer bei Luftangriffen auf das Dorf Al-Heisha getötet worden seien. Zudem warfen sie den Jihadisten vor, Zivilisten an der Flucht aus dem Ort zu hindern und sie als “menschliche Schutzschilde” zu missbrauchen.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die israelische Armee teilte unterdessen mit, einen Militärposten der syrischen Armee im syrischen Teil der Golanhöhen angegriffen zu haben. Zuvor sei ein Projektil in Israel eingeschlagen, durch das jedoch niemand verletzt worden sei. Es habe sich offenbar um Streufeuer von Kämpfen in Syrien gehandelt.

Israel hatte die Golanhöhen im Sechs-Tage-Krieg 1967 zu zwei Dritteln besetzt und 1981 annektiert. Die Annexion wird von der Staatengemeinschaft nicht anerkannt, das gesamte Gebiet gilt weiter als syrisches Territorium. Syrien und Israel befinden sich offiziell bis heute im Kriegszustand.

Die USA räumten unterdessen ein, dass bei 24 Luftschlägen im Irak und in Syrien im Laufe des vergangenen Jahres vermutlich 64 Zivilisten getötet wurden. Wie das Zentralkommando am Mittwoch in Tampa mitteilte, wurden zudem weitere acht Menschen verletzt.

Menschenrechtsbeobachter hatten der US-geführten Koalition mehrmals vorgeworfen, bei Angriffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat auch Zivilisten getötet zu haben. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach allein im Juli von mehr als 50 Toten. Die USA prüfen solche Berichte, veröffentlichen aber meist erst nach mehreren Monaten Informationen dazu.

“Wir haben Teams, die rund um die Uhr damit beschäftigt sind, unbeabsichtigte zivile Opfer zu verhindern”, sagte der Sprecher des Zentralkommandos, John Dorrian. Die Untersuchungen der 24 Luftschläge hätten ergeben, dass das Prozedere befolgt wurde und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden.

Die USA führen ein internationales Bündnis zur Bekämpfung der Terrormiliz in Syrien und im Irak an.

(APA/dpa/ag.)

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