2.500 junge Menschen suchen Unterstützung bei Kinder- und Jugendanwaltschaft

Die kija ist für junge Menschen eine wichtige Stütze.
Die kija ist für junge Menschen eine wichtige Stütze. - © kija/Carina Czak
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) verzeichnete im Vorjahr wieder einen starken Anstieg bei den jungen Menschen, die dort um Rat suchen. Mobbing und andere Krisen sind die Hauptthemen. Vor allem am Land ist die Nachfrage groß. 

Im Jahr 2016 suchten 2.544 junge Menschen zum ersten Mal bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) Salzburg Rat. Das sind um 46 Prozent mehr als im ohnehin schon starken Jahr 2015. Der Anstieg lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen:

  • Für die Funktion der kinderanwaltlichen Vertrauensperson fürs “Großwerden außerhalb der Familie” bekam die kija Salzburg einen zusätzlichen Mitarbeiter.
  • Im Juli 2016 eröffnete die kija Salzburg einen Bürostandort in Bischofshofen, der zweimal die Woche besetzt ist.
  • Im Herbst 2016 folgte die Aufstockung der regionalen Beratungsstunden in den Gebirgsregionen auf eine Vollzeitstelle.

Ein weiterer Grund für die hohe Zahl an Anfragen sind die Aushöhlung von sozialen Netzen und der Mangel an leistbarem Wohnraum bei gleichzeitigem Spardruck bei psychosozialen Einrichtungen. Mitunter seien die Wartefristen auf Unterstützung einfach zu lange, heißt es in einer Aussendung. Insbesondere Alleinerzieherinnen trifft das doppelt hart. Denn wenn Hilfssysteme nicht mehr greifen, zeigt sich das als erstes bei den Kindern und Jugendlichen, deren Familien nicht mehr die Ressourcen haben, ihre Kinder bei Problemen aufzufangen.

Kija: Vor allem am Land großer Zulauf

Besonders stark genutzt wurde das Beratungsangebot der kija Salzburg im vergangenen Jahr in den regionalen Bezirken. Vergleicht man die Beratungszahlen, wird deutlich, dass dort die Zahl der Neufälle sehr hoch ist, während in der Stadt Salzburg und Umgebung die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die schon zuvor in der kija Salzburg zur Beratung waren, überwiegt. Viele Schülerinnen und Schüler aus den Gebirgsregionen nutzten die Möglichkeit, nach einem Workshop in der Klasse einen Beratungstermin auszumachen. Die Vielfalt an Themen, die dann von den Kindern und Jugendlichen abgefragt wurde, zeigt, dass der Informationsstand am Land aufgrund weniger kinder- und jugendspezifischer Angebote deutlich geringer ist als in der Stadt.

Zahlreiche Einzelfälle im Tennengau

Der Bezirk mit den meisten Einzelfällen war 2016 der Tennengau. Einerseits kamen sehr viele Anfragen aus dem Lammertal, einer immer noch stark abgeschiedenen Region mit allen damit verbundenen Problemen für junge Leute. Auf der anderen Seite kam es im Tennengau zu Jahresbeginn 2016 zu einem Teenagersuizid, der in Folge viele Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Freundinnen und Freunde in eine Krise stürzte. Eine zeitintensive Krisenintervention konnte zum Glück weitere Kurzschlusshandlungen verhindern.

“Wichtig ist, dass Hilferufe von Kindern und Jugendlichen frühzeitig erkannt und auch beantwortet werden – und zwar auch außerhalb der Amtsstunden, denn Krisen halten sich nicht an Öffnungszeiten”, so Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. “Die kija Salzburg hat dazu im vergangenen Jahr dem Landtag ein Suizidpräventionskonzept vorgelegt. Dieses sieht neben der integrativen Versorgung einen Ausbau der psychosozialen Angebote auf verschiedenen Ebenen, insbesondere in der Region, vor.”

Kinder nicht schwieriger – aber Umgang schlechter

Eines der gravierendsten Probleme für Salzburger Kinder und Jugendliche heißt nach wie vor Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt, und zwar sowohl im Internet als auch in der Schule. Das ist zwar seit Jahren bekannt, flächendeckende schulinterne und nachhaltige Lösungen abseits des Einzelfalls wie Schulsozialarbeit an allen größeren Schulstandorten oder eine Mobbinginterventionsstelle nach dem Vorbild Oberösterreichs fehlen aber noch immer.

Mobbing auch in Volksschule schon Thema

Die kija Salzburg kommt mit der Bearbeitung von Anfragen verzweifelter Schülerinnen und Schüler jedenfalls kaum nach. Zwar kommen die meisten Anfragen immer noch von der Gruppe der Elf- bis 14-Jährigen, gleichzeitig konnte die kija Salzburg beobachten, dass auch immer mehr Volksschulkinder betroffen sind. Je früher das Mobbing einsetzt, desto nachhaltiger wird das Vertrauen in soziale Beziehungen beschädigt. Wird in diesem frühen Stadium nicht richtig reagiert, beginnt für die Schülerinnen und Schüler in der Regel ein langer Leidensweg.

Konflikte können nicht mehr so gut gelöst werden

Dabei sind die Schülerinnen und Schüler 2016 nicht unbedingt schwieriger als früher. Was jedoch anscheinend abgenommen hat, ist die Fähigkeit, mit sozialen Reibereien umzugehen. Viele sind schlicht nicht in der Lage, die Grenzen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zu erkennen. Manchmal trägt auch das Verhalten der Eltern zur Eskalation eines Konflikts bei, beispielsweise wenn nach einer altersüblichen Auseinandersetzung der Anwalt eingeschaltet wird.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt, den die kija Salzburg auch 2016 fortführte, betraf die Unterstützung von Flüchtlingskindern. Sie haben laut UN-Kinderrechtskonvention Anspruch auf besonderen Schutz und Förderung, die Realität sieht in vielen Bereichen jedoch anders aus. 326 Anfragen (12,8 Prozent der Fälle) kamen im vergangenen Jahr aus dem Themenbereich Flucht und Migration.

Die Beratungen sind aber nur ein Teil der Arbeit der kija Salzburg. Unterstützung bekommen Kinder und Jugendliche auch durch Patenschaften und Mentorenschaften, die die kija Salzburg vermittelt. 2016 bekamen insgesamt 85 Kinder und Jugendliche eine ehrenamtliche Person zur Seite, die sie durch die Zeit des Erwachsenwerdens begleitet. Außerdem fanden rund 150 kija-Workshops in Schulklassen statt. Dabei erfuhren mehr als 4.600 Schülerinnen und Schüler, dass die Kinderrechte für alle Kinder gelten, ganz egal, woher sie kommen und wie sie aussehen.

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