2017 mehr als 10.000 Vermisstenanzeigen in Österreich

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In Österreich werden jedes Jahr Tausende als vermisst gemeldet. (Symbolbild)
In Österreich werden jedes Jahr Tausende als vermisst gemeldet. (Symbolbild) - © APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner
2017 sind in Österreich 10.000 Vermisstenzeigen erstattet worden – rund 27 pro Tag. Mit Stichtag 1. Mai 2018 waren insgesamt 1.267 Personen abgängig gemeldet – der Großteil davon war männlich und mit 746 Kindern und Jugendlichen minderjährig. Und mehr als die Hälfte der vermissten Menschen (762) stammt aus Nicht-EU-Staaten.

“Fast drei Viertel der als vermisst gemeldeten Personen sind Minderjährige, die aus Betreuungseinrichtungen abhauen”, sagte Stefan Mayer, Leiter des Kompetenzzentrums für abgängige Personen (KAP) im Bundeskriminalamt (BK). Die Abgängigen werden im Elektronischen Kriminalpolizeilichen Informationssystem (EKIS) gespeichert, nach ihnen wird Schengen-weit gefahndet.

Zehn Fälle pro Jahr ungelöst

“Wir finden sie fast alle wieder, ungefähr zehn Fälle pro Jahr bleiben ungelöst”, erläuterte Mayer. Dabei handle es sich großteils um Unfälle, etwa am Berg oder in Flüssen und Seen, oder auch Suizide. Demenzfälle resultieren jährlich in ungefähr 300 Anzeigen, sagte Mayer. Viele der Senioren sind dabei auch “schnell unterwegs, mit dem Zug oder mit einem Auto”. Von den im Vorjahr als vermisst gemeldeten Personen wurden rund 100 tot aufgefunden – darunter waren viele Suizide und Unfälle.

AbgŠngige Personen in …sterreich

Polizei muss nach Vermissten suchen, auch unter 24 Stunden

Am 1. Mai waren 521 Erwachsene als vermisst gemeldet. Hier kommt es auch vor, dass Menschen freiwillig verschwinden. Mayer schilderte beispielsweise den Fall eines jungen Mannes, der “unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter stand” und in Großbritannien untertauchte. “Manche gehen weg und kommen erst dann drauf, was es für die Verwandten eigentlich bedeutet”, sagte der Chefinspektor. Werden als vermisst gemeldete Erwachsene gefunden, wird ihr Aufenthaltsort nur mit ihrem Einverständnis an die Verwandten weitergegeben. Prinzipiell gilt: “Die Polizei ist verpflichtet, jemanden zu suchen, der abgängig ist”, sagte Mayer. “Dass dafür 24 Stunden vergangen sei müssen, stimmt nicht”, ergänzte sein Kollege Gerhard Brunner.

Bub mehr als 100 Mal als vermisst gemeldet

Von den abgängigen Minderjährigen waren 563 im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, 183 unter 14 Jahren und damit unmündig. Die meisten von ihnen tauchen nach wenigen Tagen wieder auf oder werden gefunden, 90 bis 95 Prozent innerhalb eines Monats. Rund 75 Prozent der Kinder und Jugendlichen waren bereits mehr als dreimal abgängig, einige bis zu 50 Mal. “Ein Bub war bereits 100 Mal als vermisst gemeldet”, sagte Brunner. Bei Heimkindern ist oftmals “ein starkes Motiv, dass sie zu den Eltern zurückwollen”, sagte Mayer. Viele hätten auch kein Verständnis dafür, dass sie fremduntergebracht sind, dazu kommen Langeweile und Neugierde, ergänzte Brunner.

Polizisten schulen Heimkinder vor Ort

Um die Zahl abgängiger Jugendlichen aus Betreuungseinrichtungen zu reduzieren, startete das Bundeskriminalamt im Vorjahr das Präventionsprojekt “Heimvorteil”. Fünf Einrichtungen in Wien, Kärnten, Niederösterreich und Oberösterreich wurde ausgewählt, Polizisten arbeiteten dort mit den Pädagogen zusammen und machten Workshops mit den Jugendlichen, um sie zu sensibilisieren. In drei Einrichtungen – dort, wo mit den zuständigen Betreuern ein vertrauensvoller Kontakt hergestellt wurde und wo die Minderjährigen noch zugänglich waren – wurde die Zahl der Abgängigkeitsanzeigen um bis zu 50 Prozent gesenkt. Im sozialpädagogischen und therapeutischen Zentrum Josefinum in Kärnten gab es sogar eine Reduktion um 80 Prozent, berichtete Brunner.

Mayer: “Gibt ein paar hoffnungslose Fälle”

Die Jugendlichen hätten in den Projekten durchwegs positiv reagiert, viele hatten erstmals Kontakt mit der Polizei, wenn sie “nicht mit erhobenem Zeigefinger kommt”, sagte Brunner. Eine weitere Erkenntnis des Pilotprojekts war, dass bei tatsächlich verhaltensauffälligen Minderjährigen Präventionsarbeit nichts mehr bringt. “Es gibt ein paar hoffnungslose Fälle”, sagte Mayer. An ihnen scheitern oft auch Sozialpädagogen. Das Pilotprojekt habe jedenfalls gut funktioniert, nun soll bis Jahresende ein Plan ausgearbeitet werden, um das Projekt österreichweit auszudehnen.

Eigene Hotline für vermisste Kinder

Das Kompetenzzentrum für abgängige Personen im BK wurde 2013 geschaffen. Es unterstützt ermittelnde Polizisten als internationale und nationale Drehscheibe, ist für Ausbildungen zuständig und sammelt und bereitet Daten auf. In Einzelfällen werden auch Ermittlungen durchgeführt. Rasche Unterstützung gibt es bei der Hotline für vermisste Kinder. Unter der Rufnummer 116-000 wird kostenlos und rund um die Uhr vertrauliche Hilfe für Jugendliche, die von zu Hause ausgerissen sind und auch für deren Angehörige und Bezugspersonen geboten.

(APA)

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