25 Jahre Salsa in Salzburg: “Du musst die Musik fühlen, um tanzen zu können”

Von Nicole Schuchter
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Claudia und Edwin im Interview mit SALZBURG24.
Claudia und Edwin im Interview mit SALZBURG24. - © SALZBURG24/Schuchter
Er ist das Urgestein der Salzburger Salsa-Szene und unterrichtet seit 25 Jahren in der Mozartstadt – Edwin Lasso Torres. Seit zehn Jahren führt er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Claudia Furtner das Salsa Studio und organisiert Feste und Tanzabende für die immer größere werdende Community. Wir haben uns mit den beiden zum schwungvollen Sonntagstalk getroffen.




SALZBURG24: Edwin, du hast Anfang der 90-er Jahre in Salzburg die Salsa-Szene gegründet. Wie kam es dazu?

EDWIN: Ich war ganz frisch in Salzburg und kannte kaum jemanden. Das war auch die Zeit, in der in Salzburg eine Salsa-Band recht bekannt war. Sie trat in der alten ARGE auf. Ich ging zum Konzert und sah, wie die Leute ausgelassen zur Musik tanzten und herumhüpften. Ich lernte dann bei dem Fest eine Salsa-Tänzerin aus Wien kennen und knüpfte erste Kontakte. Das Hobby entwickelte sich dann immer mehr zum Beruf. Ich habe langsam angefangen, mir in Salzburg etwas aufzubauen. Für eine Stunde Tanzunterricht in der Woche, den ich auf der Uni geben durfte, habe ich sogar meine Arbeit aufgegeben. Es ist dann immer mehr geworden. Heute ist Tanzen mein Leben.

Wie bist du zum Tanzen gekommen?

Ich bin in Quito in Ecuador aufgewachsen. Dort ist das Tanzen ganz normal. Man tanzt ständig, bei jedem Familienfest oder einfach so, wenn man sich trifft. Richtig gelernt habe ich Salsa dann in New York, wo ich sechs Jahre lang gelebt habe.

Claudia, wie war das bei dir?

CLAUDIA: Ich habe Edwin vor zwölf Jahren beim autofreien Tag in Obertrum kennengelernt. Er hat dort die Animation gemacht und getanzt. Seither komme ich weder von Edwin, noch von Salsa los (lacht). Salsa zu tanzen bedeutet für mich einfach abzuschalten und loszulassen. Auch wenn der Tag noch so stressig war, wenn ich abends tanze, geht es mir gut.  

Warum heißt der Tanz eigentlich wie die Sauce auf Spanisch?

EDWIN: (lacht). Das ist ganz einfach! Die Musik und der dazugehörige Tanz sind in New York bekannt geworden. Dort haben in den 70er-Jahren Kubaner, Puertoricaner und Leute vieler verschiedener Nationen zusammen Musik gemacht. Man suchte einen Namen für diese neue Musikrichtung und einigte sich auf “Salsa”, also Sauce auf Spanisch. Der Name steht für die Mischung der verschiedenen Nationalitäten – wie die Gewürze in der Sauce.

Was macht Salsa für euch aus? Beziehungsweise wie unterscheiden sich die lateinamerikanischen Tänze zu Standardtänzen?

EDWIN: Salsa ist ein lateinamerikanischer Gesellschaftstanz und verbindet afrokaribische und europäische Tanzstile miteinander. Das Wichtigste ist die Musik. Sie gibt den Takt vor und du musst sie fühlen, damit du tanzen kannst. Wenn wir unterrichten kommt zuerst die Musik und dann die Technik. Das versuchen wir in unseren Kursen auch zu vermitteln.

Der zweite Punkt, was Salsa zu Salsa macht, ist natürlich der erotische Faktor, den dieser Tanz mitbringt. Man tanzt meistens als Paar, die Bewegungen sind fließend, die Schönheit und Erotik der Frau stehen im Mittelpunkt. Und dann ist noch der Gesellschaftsfaktor: Man trifft sich zum gemeinsamen Tanzen und hat Spaß miteinander.

CLAUDIA: Der Spaß am Tanzen ist mir ganz besonders wichtig. Vor allem am Anfang sind viele der Schülerinnen und Schüler oft noch unsicher oder trauen sich nicht so aus sich heraus. Es gibt Bewegungen, die einem komisch vorkommen. Und genau deshalb steht bei uns der Spaß im Vordergrund. Die Unsicherheiten vergehen dann recht schnell. Die Leute merken: Bei Salsa ist alles erlaubt. Sicherlich gibt es Grundschritte und ein paar Bewegungsabläufe, aber es ist alles offen – im Gegensatz zu den Standardtänzen.

EDWIN: Ja, und man merkt, wie sich die Leute während eines Kurses immer lockerer und selbstsicherer werden. Es ist wirklich unglaublich beobachten zu können, wie sich die Leute entwickeln.

Welche Vorkenntnisse braucht man für Salsa? Kann das jeder lernen?

EDWIN: Ja, Salsa kann jeder lernen. Bei manchen geht es schneller, bei anderen dauert es etwas länger. Aber es hat bisher jeder geschafft. Ich habe auch schon Menschen mit Behinderung unterrichtet. Sie haben ein ganz besonderes Gespür für Musik. Das hat super geklappt.

Wer kommt zu euch zum Tanzen?

Wir haben sowohl Pärchen, als auch Frauen und Männer, die alleine kommen. Über die Jahre hinweg werden es auch immer mehr Männer. Manchmal haben wir sogar einen Männer-Überschuss. Und auch vom Alter her sind wir gemischt. Von Studenten über Berufstätige bis hin zu über 50-Jährigen. Es ist alles dabei.

Wer sind eigentlich die besseren Tänzer – Frauen oder Männer?

EDWIN: Definitiv die Frauen.

CLAUDIA: Absolut. Die haben einfach mehr Ehrgeiz.

EDWIN: Da sind wir Männer oft sehr faul. Ein paar Figuren und Schrittkombinationen, dann reicht es uns schon (lacht). Nein, im Ernst: Wir Männer tun uns beim Tanzen einfach doppelt oder dreifach so schwer wie Frauen. Die Männer müssen mehr motiviert werden, als die Frauen. Aber das schaffen wir meistens (grinst).

Wie läuft ein Kurs bei euch ab?

EDWIN: Wir achten zuerst darauf, dass in etwa gleich viele Frauen und Männer bei den Kursen sind. Gleich in der ersten Einheit starten wir mit dem Paartanz. Wir wollen keine Zeit verlieren, schließlich wollen die Leute bei uns ja auch etwas lernen. Wir fangen bei den Füßen an und arbeiten uns dann Schritt für Schritt nach oben. Nach dem Anfängerkurs haben die Leute schon die Basics, also die Grundbewegungen, gelernt und können gemeinsam tanzen.

CLAUDIA: Sie können ein paar Figuren und ein paar Drehungen. Und bei unseren Tanz-Abenden oder Salsa-Partys kann man das Gelernte dann regelmäßig vertiefen. Es ist uns auch wichtig, dass wir den Leuten abseits des Tanzstudios eine Möglichkeit bieten, wo getanzt werden kann. So machen wir zum Beispiel jeden Dienstag die Salsa Night im republic und organisieren größere Feste, wie jetzt das Cubanisìmo am 5. November im Pitter Event Center.

Was erwartet die Besucher des Cubanisìmo dieses Jahr?

CLAUDIA: Es gibt mehrere Samba-Shows, eine Lady-Style-Show, eine Bachata-Show von Tänzern aus Gran Canaria, viele Animationen und eine kubanische Liveband.

EDWIN: Und wir versuchen die Leute bei unseren Partys immer miteinzubinden. Wer kommt, wird sofort zum Tanzen animiert. Dabei ist es egal, wie gut oder schlecht jemand tanzt. Es geht um die Musik und die Lebensfreude. Das wollen wir in Salzburg auch weiterhin fördern.

Vielen Dank für das Gespräch. Ich darf euch jetzt noch zum einen Word-Rap bitten:

Süß oder sauer?

süß (beide)

Berge oder Meer?

CLAUDIA: Berge, EDWIN: momentan Meer

Lift oder Treppe?

Treppe (beide)

Fahrrad oder Auto?

CLAUDIA: Fahrrad, EDWIN: Auto

Bar zahlen oder mit Bankomat?

bar (beide)

Walzer oder Rock’n Roll?

CLAUDIA: Rock’n Roll, EDWIN: Walzer

 

Ab sofort veröffentlichen wir jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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