37. Jazzfestival Saalfelden: Vielfalt in Stil und Herkunft

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Heuer findet das Festival von 25. bis 28. August statt
Heuer findet das Festival von 25. bis 28. August statt
Eintöniges hat man hier wohl noch nie gehört: Das Jazzfestival Saalfelden gilt seit Jahrzehnten als Fixpunkt im internationalen Konzertkalender, bietet das Event in den Salzburger Bergen doch immer grenzenüberschreitende Performances. Auch die 37. Ausgabe, die von 25. bis 28. August stattfindet, steht diesem Anspruch in nichts nach. Neues aus heimischen Gefilden trifft auf internationale Finesse.

“Alles und nichts” verspricht Lukas Kranzelbinder angesichts seiner neuen Formation Shake Stew auf der dazugehörigen Homepage: Der österreichische Bassist und Bandleader wird am Freitag die Hauptbühne im Congress eröffnen. Unter dem Titel “The Golden Fang” sollte man von dem Septett durchaus Grooviges in der freien Form erleben. Die Intendanten Michaela Mayer und Mario Steidl folgen damit ihrer Tradition, den Auftakt auf der “Main Stage” einem heimischen Künstler mit einem aktuellen Projekt anzuvertrauen. Im Anschluss stehen Auftritte von Vincent Courtois mit einem atmosphärisch veranlagten Trio, der energetischen Gruppe Krokofant aus Norwegen sowie dem Marty Ehrlich Sextet an.

An den Folgetagen öffnet der Congress bereits am frühen Nachmittag seine Tore, wenn etwa das heimische Trio Edi Nulz seine “vulgäre Kante” vorstellt, oder Cellistin Tomeka Reid mit ihrem Quartett Moderne und Tradition zusammenführt und trotz entspanntem Grundgestus reichlich Forderndes serviert. Nachgeholt wird hingegen die Performance von Thomas de Pourquery, der im Vorjahr aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste. Der Saxofonist und Sänger hat sich mit dem Projekt Supersonic den Stücken von Sun Ra angenommen und eine pulsierende Hommage geschaffen, die nun auch im Pinzgau zu vernehmen sein wird. Er markiert den Höhepunkt Samstagnacht.

Multinationale Klänge beim Jazzfestival in Saalfelden

Portugal, Dänemark, Schweden: Multinational gestaltet sich die Einleitung zum Sonntag dank Trompeterin Susana Santos Silva, die begleitet von vier Kollegen zwischen ausformulierten Strukturen und dem spontanen Geistesblitz wandelt, Formen sowie Stile kreuzt und kombiniert, aber nichtsdestotrotz leichtfüßig ans Werk geht. Auf eine lange gemeinsame Geschichte können die Mitglieder von Human Feel zurückblicken, hat sich das US-Kollektiv doch bereits Ende der 1980er-Jahre zusammengefunden, um die Dringlichkeit einer kammermusikalischen Enge mit ausschweifenden Läufen und kurzen, harten, lärmenden Attacken zu konterkarieren. Saxofonist Chris Speed und seine Kollegen haben zudem eine neue, unbetitelte EP am Start – die ersten neuen Tracks von Human Feel seit zehn Jahren.

Und ganz zum Schluss gibt es auch eine Zeitreise zurück in scheinbar vergangene Zeiten: Henry Butler am Klavier, Steven Bernstein an der Trompete und die Hot 9 nutzen Standards aus dem New-Orleans- und Blues-Reich, um sich darin frohen Mutes einzunisten, den selbst gesetzten Rahmen immer wieder zu überschreiten und mit oft nur kleinen Mitteln großen Effekt zu erzielen. Hier wird eine Party gefeiert, zu der alle eingeladen sind, die sich auch nur ansatzweise mit diesen Referenzpunkten identifizieren können.

Short Cuts bereits ab Donnerstag im Nexus

Auch im Kunsthaus Nexus wird gerne gefeiert: Dort steigt bereits ab Donnerstag die noch eine Spur experimenteller angelegte Schiene Short Cuts, die bis inklusive Samstag täglich zwei Konzerte der jungen, stürmisch veranlagten Jazzgarde (im weitesten Sinne) liefert. Darunter etwa die heimische Band Namby Pampy Boy, die Akustisches mit Elektronischem vermengt und ihrem artifiziell anmutenden Klangkosmos eine Satte Portion Funk verpasst. Der Schlagzeuger Paal Nilssen-Love hat wiederum seine passend betitelte Large Unit im Gepäck, die als elfköpfiges Ensemble eine Soundwand von gehörigem Ausmaß aufzustellen vermag. Mal verzerrt und dissonant, mal harsch und schnell, dann aber auch gerne den Beinen verbunden und im groovigen Umfeld wildernd, ist hier alles erlaubt.

Wer Club- oder Congressluft lieber gegen Almfrische tauscht, den dürfte es Samstag und Sonntag auf Huggenberg, Vorderkühbühelhof und Stöcklalm ziehen: Libertango, das Kollegium Kalksburg und In Compagnia sind hier – bei hoffentlich angenehmen Temperaturen und trockenen Voraussetzungen – bei freiem Eintritt zu erleben. Selbiges gilt auch für die Konzerte am Rathausplatz, die am Donnerstag von Ostbeatbend eröffnet werden und in weiterer Folge Begegnungen mit der chinesischen World-Music-Partie Dawanggang oder der Mostar Sevdah Reunion aus Bosnien-Herzegowina ermöglichen. So scheint ein alles in allem multistilistisches und -kulturelles Fest vor der imposanten Kulisse des Steinernen Meers garantiert.

(APA)

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