Russland verhindert UNO-Resolution über Feuerpause in Aleppo

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Menschen flüchten aus der umkämpften Stadt
Menschen flüchten aus der umkämpften Stadt - © APA (AFP)
In einer kurzfristig einberufenen Sitzung haben Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats über eine Feuerpause in der schwer umkämpften syrischen Stadt Aleppo diskutiert. Mehrere Länder forderten am Mittwoch, eine zehntägige Feuerpause mittels Resolution durchzusetzen, um humanitäre Helfer in die Stadt zu lassen. Russland lehnte dies jedoch ab.

Zivilisten müssten umgehend eine Pause vom Bombenhagel bekommen, sagte etwa Großbritanniens UNO-Botschafter Matthew Rycroft. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte dagegen, dass der Westen solche humanitären Fragen nur als Vorwand nutze, um seine politische Agenda für einen Regimewechsel in Syrien voranzutreiben. “Ohne unsere Sorgen zu berücksichtigen, wird keine Resolution verabschiedet werden”, sagte Tschurkin. Vertreter mehrerer Länder machten Russland allein für die Unfähigkeit des Rats verantwortlich, die Gewalt in Aleppo zu stoppen.

UNO-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien warnte in der Sitzung, dass Tausende Zivilisten aus betroffenen Stadtteilen fliehen würden. Er drängte das Gremium, sich zu einigen, um den Syrern zumindest einen “Halm der Hoffnung” zu geben.

Ein Rebellen-Anführer aus Aleppo forderte unterdessen einen humanitären Korridor zur Befreiung der Zivilisten. Der Ratspräsident des von Rebellen gehaltenen Ost-Aleppo, Brita Hagi Hassan, sagte nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault in Paris, rund 250.000 Menschen drohe der Tod.

Syrische Regierungstruppen versuchen derzeit, den Osten der Stadt zurückzuerobern. Die internationale Gemeinschaft müsse einen “sicheren Korridor einrichten”, um den Zivilisten den Abzug zu erlauben, sagte Hassan weiter. In den bereits von den Regierungstruppen eroberten Vierteln gebe es Massenexekutionen. “Das Regime verfolgt eine Politik der verbrannten Erde, um Aleppo zu massakrieren und anschließend zu besetzen”, betonte Hassan. Wegen der Kämpfe sind laut Aktivisten Zehntausende Menschen auf der Flucht.

Ein Beamter des russischen Verteidigungsministeriums erklärte unterdessen in Moskau, sein Land sei bereit, Hilfsorganisationen einen sicheren Zugang zu den von den Rebellen “befreiten” Vierteln Aleppos zu gewähren. Die Castello-Straße sei völlig frei von Rebellen, erklärte Sergej Rudskoi, damit sei der Weg nun frei für Hilfslieferungen. Allerdings habe Russland bisher keine Anfrage von den Vereinten Nationen oder anderen Organisationen erhalten, fügte er hinzu.

Moskau selbst habe bereits seit 44 Tagen keine Ziele mehr innerhalb Aleppos bombardiert. Russland unterstützt die Truppen von Syriens Machthaber Bashar al-Assad. Laut offiziellen Angaben ist das vorrangige Ziel der Kampf gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat”. Westliche Staaten werfen Moskau jedoch vor, auch Ziele gemäßigter Assad-Gegner zu bombardieren.

(APA/dpa/ag.)

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