3. September 2010 08:36; Akt.: 3.09.2010 08:36

50. IFA für Publikum geöffnet

Zur Funkausstellung IFA ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. Zur Funkausstellung IFA ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. - © AP
Die 50. Funkausstellung IFA hat Freitag früh ihre Tore für das Publikum geöffnet. Hunderte Besucher strömten von 10.00 Uhr an bei strahlendem Sonnenschein in die Messehallen am Funkturm und begutachteten Neuheiten vom 3D-Fernseher bis zur intelligenten Waschmaschine.

Bis zum Mittwoch zeigen auf der weltgrößten Elektronikmesse mehr als 1.400 Aussteller ihre Produkte. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstagabend den offiziellen Startschuss gegeben. Sie warnte angesichts der immer rasanteren technischen Entwicklung, dass bei den Inhalten die Tiefgründigkeit verloren gehen könnte.

Kampf um Fernsehen der Zukunft

Zur Funkausstellung IFA ist der Kampf um die Zukunft des Fernsehens voll entbrannt. Das Internet stürmt die letzte Bastion der Medienbranche, die es noch nicht umgekrempelt hat: Den klassischen Fernsehempfang. Die Vision ist, dass der Zuschauer sich nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Video bewegen kann.

Über die Verschmelzung von Fernsehen und Online-Video wurde seit Jahren gesprochen, doch jetzt kommt auf einmal richtig Schwung in die Entwicklung. Die Anbieter überschlagen sich mit Angeboten, jeder will sich sein Stück Neuland sichern. Für den Zuschauer bedeutet das mehr Auswahl im TV – und er wird sich wieder einmal neue Geräte besorgen müssen.

In Deutschland geht zunächst das ZDF mit dem Hybrid-Fernsehen HbbTV an den Start. Der Sender will damit die Fernsehübertragungen mit Inhalten aus der Online-Mediathek verknüpfen. Der Zuschauer soll dabei mit einem Gerät und einer Fernbedienung auskommen. HbbTV ist ein neuer europäischer Standard, mit dem Sender und Gerätehersteller ein Formatchaos vermeiden wollen.

Der Schauplatz des Zukunftskampfes liegt jedoch vor allem in den USA, dem Land, in dem die meisten international verkauften TV-Serien produziert werden – und jährlich 70 Mrd. Dollar (55,2 Mrd. Euro) in Fernsehwerbung fließen. Letztlich wird es um die Neuverteilung dieser gewaltigen Geldströme gehen.

Neueste Nachricht: Auch der weltgrößte Online-Händler Amazon.com soll an einem eigenen Internet-TV basteln. Amazon verhandle mit mehreren Medienkonzernen, um Fernsehsendungen, Filme und Serien online auf Sendung bringen zu können, berichtete das “Wall Street Journal” am Mittwoch.

Für Mittwoch wird auch ein weiterer Vorstoß von Apple in diese Richtung erwartet. Gerüchten zufolge will Konzernchef Steve Jobs eine neue Version der Wohnzimmerbox Apple TV und erweiterte Deals mit US-Fernsehsendern präsentieren. Auch Google will im Herbst auf einer eigenen Plattform Fernsehen und Internet verschmelzen – und zu dem Konzern gehört schließlich die führende Onlinevideo-Website YouTube.

Auf der IFA wird auch noch eine weitere Fernsehneuheit im Mittelpunkt stehen: 3D-TV. Nach dem überragenden Erfolg von dreidimensionalen Kinofilmen wie “Avatar” will die Industrie die Technik auch schnell in die Wohnzimmer bringen. 3D-taugliche Fernseher sind bereits im Handel, nur das Angebot an entsprechenden Filmen ist noch sehr dünn. Auf der Messe wird man die Technik an vielen Ständen ausprobieren können. Dann können die Zuschauer auch entscheiden, ob sie tatsächlich bereit sind, für das 3D-Erlebnis mit einer Spezialbrille im Wohnzimmer zu sitzen. Laut Umfragen jedenfalls stört das viele nicht.

Die Schau unter dem Berliner Funkturm gilt als weltgrößter Treff der Unterhaltungselektronik-Branche. In diesem Jahr werden zehn Prozent mehr Aussteller erwartet. 2009 waren es 1164. Vor allem der TV-Absatz boomt: Im Schnitt wird sich Branchenschätzungen zufolge jeder vierte deutsche Haushalt in diesem Jahr einen neuen Flachbild-Fernseher kaufen.



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