6,7 Millionen Euro von Werbeagentur abgezweigt: Sechs Jahre Haft

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Vor dem Richter musste sich die Angeklagte am Donnerstag verantworten. (Archivbild)
Vor dem Richter musste sich die Angeklagte am Donnerstag verantworten. (Archivbild) - © APA/BARBARA GINDL
Eine Buchhalterin, die von 2008 bis 2015 durch Untreue und Betrug von einer Salzburger Werbeagentur rund 6,7 Millionen Euro abgezweigt haben soll, ist nicht rechtskräftig zu sechs Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Sie zeigte sich umfassend geständig. Sie habe ein “absolut größenwahnsinniges Leben” geführt und sei Schuld am Untergang der Firma, so die 52-Jährige.

“Es erfolgte ein Privatrechtszuspruch von rund 6,7 Millionen Euro an die Insolvenzmasse der ideenwerk GmbH”, informierte der Sprecher des Landesgerichtes Salzburg, Peter Egger. Erschwerend wog bei der Strafbemessung der lange Tatzeitraum, der hohe Schaden und vor allem die Verwendung der abgezweigten Gelder für Luxusgüter. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel. Die Angeklagte gab keine Erklärung ab.

Die Werbeagentur Ideenwerk GmbH schlitterte in den Konkurs. Das Insolvenzverfahren wurde im Mai 2015 am Landesgericht Salzburg eröffnet, es wurde die Schließung der im Jahr 1997 gegründeten Firma angeordnet. Vom Konkurs betroffen waren 28 Dienstnehmer und über 70 Gläubiger.

Angeklagte: “Sie haben mich nicht kontrolliert”

Die bisher unbescholtenen Angeklagte arbeitete als freie Buchhalterin, sie war bei der GmbH nicht angestellt. Das Geld abzuzweigen sei nicht schwierig gewesen, sagte sie zum Vorsitzenden des Schöffensenates, Richter Albrecht Mandl. “Ich habe den Job sehr geliebt und die Menschen dort gemocht. Sie hatten volles Vertrauen in mich gesetzt, sie haben mich nicht kontrolliert. Ich habe überhaupt nicht realisiert, dass ich Schuld am Untergang bin, ich habe mir damals überhaupt nichts gedacht.”

Firmengeld für private Zwecke verwendet

Die Frau verfügte bei mehreren Banken über Kontovollmachten des Unternehmens. Durch Vortäuschung von Tatsachen und wahrheitswidrigen Angaben habe sie Firmengelder abgehoben und diese nicht für betriebliche, sondern für private Zwecke verwendet, zitierte Staatsanwalt Alexander Winkler aus der Anklageschrift der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).

Bei zahlreichen Zahlungsanweisungen soll die Deutsche getrickst haben – was sie auch zu gab. So soll sie beispielsweise auf einer – vom Firmenchef unterschriebenen – Barauszahlung in Höhe von 1.000 Euro die Ziffer drei davor gesetzt und dann 31.000 Euro abgehoben haben. Die Differenz von 30.000 Euro soll in ihre eigene Tasche geflossen sein. Allein bei einem Geldinstitut wurden durch falsche Zahlungsanweisungen über zwei Millionen Euro abgehoben.

Banken haben Abhebungen nicht hinterfragt

Die Angeklagte gab auch zu, zur Verschleierung der Geldabflüsse zwei Buchhaltungen geführt zu haben, “eine realistische und eine mit falschen Zahlen”. Den Vorgesetzten der Firma habe sie auch falsche Mahnungen vorgelegt. Die Forderungen, die sie kreierte, habe es in Wirklichkeit nicht gegeben. Die größten Barabhebungen umfassten 30.000 bis 50.000 Euro, die Banken hätten das nicht hinterfragt, erklärte die Beschuldigte. In der Werbebranche sei es üblich gewesen, dass Models bar bezahlt werden.

Angeklagte: “Es ist nichts mehr da”

Was den vorsitzenden Richter vor allem interessierte, war: Wie kommt man auf die Idee, so viel Geld abzuzweigen, bis zu 80.000 Euro im Monat in sieben Jahren? Laut Gutachter hätte die gut gehende GmbH überlebt, wenn im letzten Jahr keine Gelder mehr abgezweigt worden wären. “Wofür gibt man so viel Geld aus und wo ist das Geld jetzt?”, fragte Mandl. Das Luxusappartement, das sie gemietet hatte, kostete 4.000 Euro im Monat. “Es tut mir unendlich leid. Es ist nichts mehr da”, antwortete die Frau. Sie habe Geld für alles Mögliche ausgegeben, für Reisen, Kleidung und für Freunde, die etwas brauchten. Ihnen habe sie das Geld geschenkt und gemeinsame Reisen mit ihr finanziert, auch um Anerkennung zu finden. “Ich habe gelogen und gesagt, ich hab viel geerbt.” Sie wollte auch eine Jacht bestellen, “daraus ist nichts geworden”.

Unterstützung der Familie fiel weg

Angefangen habe der Schwindel im Jahr 2008, nachdem Ende 2007 familiäre Bande der Deutschen zerbrochen waren und die großzügige finanzielle Unterstützung wegfiel. Vielleicht sei es die Sorge gewesen, die Anerkennung von Freunden, den “Nutznießern”, nicht mehr genießen zu können, meinte sie. Denn die Freunde seien eine Art Ersatzfamilie für sie geworden. Ihrem ehemaligen, spielsüchtigen Lebensgefährten, der hohe Schulden hatte, habe sie hohe Barbeträge übermittelt, insgesamt mehr als zwei Millionen Euro. “Er sagte, er nimmt sich das Leben wenn ich die Spielschulden nicht bezahle.” Später habe er Selbstmord begangen.

Psychischer Zusammenbruch 2015

“Ich habe damals viele Tabletten genommen und aufgrund meiner Schlafstörung angefangen Cannabis zu rauchen”, rechtfertigte sich die Beschuldigte. Für die Werbeagentur habe sie 60 Stunden in der Woche gearbeitet, zunächst habe sie dort 450 Euro Brutto, dann 850 Euro verdient. Im Jahr 2015 sei sie schließlich psychisch zusammengebrochen. Seither werde sie psychotherapeutisch betreut.

Angeklagte hat 2,8 Millionen Euro Schulden

Verteidiger Stefan Hornung verwies auf die schwierige Kindheit der Angeklagten, sie habe unter der Trennung ihrer Eltern gelitten und sei als ungeliebte Stieftochter in ein Internat abgeschoben worden. Im Jahr 2015 sei bei ihr eine bipolaren Störung festgestellt worden, verschärft durch Medikamenten- und Suchtgiftmissbrauch. Dadurch sei auch die Schuldfähigkeit gemindert, was eine Strafmilderung bewirken könnte, sagte Hornung. Die derzeit arbeitslose Mutter von zwei minderjährigen Kindern hat bisher rund 33.000 Euro Schadenswiedergutmachung geleistet. Laut einem Notariatsakt hat sie 2,8 Millionen Euro Schulden.

(APA)

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