69-Jährige verfolgte seit über 20 Jahren geliebten Mann

Eine 69-Jährige ist am Freitag im Landesgericht für Strafsachen vor dem Kadi gestanden, weil sie seit über 20 Jahren einen Mann verfolgt, mit dem sie 1990 eine kurze Affäre hatte. Über die Pensionistin wurde wegen Stalkings und Körperverletzung eine Bewährungsstrafe von vier Monaten verhängt und vor allem per Weisung jegliche Kontaktaufnahme mit dem 57-jährigen Wiener verboten.

Die Angeklagte und der Mann hatten in jüngeren Jahren ein intimes Verhältnis, das drei oder vier Monate andauerte. Dass er sich danach von ihr trennte, dürfte sie nie verwunden haben. Immer wieder suchte sie seine Nähe und wollte die Wiederaufnahme der Beziehung erzwingen. Als sie erfahren musste, dass er 2013 eine wesentlich jüngere Frau geheiratet hatte, wurde aus ihren gelegentlichen Belästigungen alltäglicher Terror.

Seit diesem Zeitpunkt taucht die Pensionistin mehrmals täglich vor der Wohnung des Mannes auf. “Sie läutet oder klopft und randaliert vor der Tür. Sie hat den Postkasten kaputtgemacht. Sie leert Mistsäcke vor der Tür aus und versteckt die Fußmatten”, schilderte der Betroffene im Zeugenstand. Und weiter: “Sie kommt pausenlos und versucht, mich und meine Frau auseinander zu bringen. Sie schreit ‘Ich liebe dich, du Trottel!’ Ich geniere mich, in so eine Situation gekommen zu sein mit fast 60.”

Die Körperverletzung bezog sich auf einen Zwischenfall vom Juli 2016, als die 69-Jährige die Ehefrau ihres Angebeteten auf der Straße abgepasst hatte. Unter heftigen Beschimpfungen versetzte sie der 45 Jahre alten Frau mehrere Faustschläge ins Gesicht und zerriss ihr die Bluse. Der Angriff ist teilweise auf Video dokumentiert, die Ehefrau hatte die gewalttätigen Szenen mit ihrem Smartphone aufgezeichnet. Das Paar, das aufgrund der allgegenwärtigen Unruhestifterin in eine Ehekrise schlitterte, erstattete im vergangenen Dezember Anzeige.

Die Angeklagte fühlte sich unschuldig, wie sie in ihrer ausführlichen Einvernahme immer wieder betonte. Sie gestand allerdings freimütig, den Mann bis zum heutigen Tag zu lieben: “Er hat mir die Ehe versprochen, hat aber eine andere geheiratet.” “Aber das ist 27 Jahre her”, warf Richter Thomas Spreitzer ein. “Ich liebe diesen Mann”, rief darauf die 69-Jährige mit lauter Stimme, wobei sie in Tränen ausbrach und mit gefalteten Händen Richtung Decke blickte. Sie könne nicht anders, am Weg zu ihrem Hausarzt komme sie zwangsläufig an seiner Wohnung vorbei: “Ich bin dort hin gegangen, weil ich Liebe in meinem Herzen gespürt habe. Ich muss dort hin gehen. Ich liebe diesen Mann! Gott soll eine Lösung finden.”

“Sie soll mich in Ruhe lassen. Ich habe genug davon”, machte der 57-Jährige deutlich, was er sich vom Strafverfahren wünschte. Ob das an sich rechtskräftige Urteil, das die 69-Jährige nach dramatischen, Tränen getränkten Äußerungen akzeptierte (“Holen Sie einen Polizisten! Er soll mich erschießen. Ich will sterben!”), dem Mann tatsächlich die ersehnte Ruhe verschaffen wird, ist jedoch fraglich. In ihrem Schlusswort hatte die Angeklagte erklärt: “Es müsste etwas ganz Arges passieren, dass ich aufhöre dort hin zu gehen und diesen Mann vergesse.”

Nach der Urteilsverkündung waren im Grauen Haus laute Verzweiflungsschreie der 69-Jährigen zu vernehmen. Am Weg zum Ausgang steigerte sich die Frau in eine derartige Aufregung hinein, dass die Sicherheitskräfte schließlich die Rettung verständigten.

(APA)

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