95.000 Euro für energetische Reinigung: Causa schwappt nach Salzburg

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Die Affäre rund um die “energetische Reinigung” des Wiener Krankenhauses Nord zieht immer weitere Kreise und schwappt jetzt auch nach Salzburg: Denn bei jenem Energetiker, der für seine Dienste 95.000 Euro bekommen haben soll, handelt es sich um einen Flachgauer.

Wie berichtet, wurde im Zuge des Baus des Wiener Krankenhauses Nord ein “Bewusstseinsforscher” für 95.000 Euro engagiert, der am Grundstück u.a. “Energieflüsse gereinigt” hat. Bei dem Energetiker handelt es sich laut Medienberichten um einen ehemaligen Autohändler aus dem Salzburger Flachgau.

Hartinger-Klein reagiert

Am Sonntag reagierte auch Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Die ärztliche Leiterin des Wiener Krankenhauses Nord, Sylvia Schwarz, die als Initiatorin der “energetischen Reinigung” des Spitals vermutet wird, ist nämlich auch Präsidentin des Obersten Sanitätsrats (OSR), der das Ministerium berät. Dieser habe den Auftrag aber nicht vergeben, betonte die Ministerin. Der Auftrag für den 95.000 Euro teuren “Energie-Schutzring” sei nicht vom Obersten Sanitätsrat veranlasst worden, erklärte Hartinger-Klein: “Die Verantwortung für diesen Skandal ist an anderer Stelle zu suchen.” Die Ministerin verwies auf die Funktion Schwarz’ als interimistische Leiterin des Wiener Spitals. Festzuhalten sei auch, dass Krankenanstalten in die Zuständigkeit der Länder fielen und die Vergabe von Aufträgen nicht durch Gremien des Bundes erfolgen könne.

“Es gilt aufzuklären wie diese Initiative genau zustande gekommen ist und müssen in diesem Zusammenhang dann auch entsprechende Konsequenzen gezogen werden”, forderte Hartinger-Klein abschließend.

Reinigung und Schutzring um 95.000 Euro

Aus dem Leistungsprotokoll, aus dem die „Krone“ zitierte, wurde der Salzburger unter anderem mit folgenden Aufgaben betreut: “Sämtliche natürliche am Grundstück vorhandene Energieflüsse wiederherstellen und reinigen”, “Alle nicht natürlichen Energieflüsse neutralisieren” oder “Anhebung der Schwingungen auf das höchstmögliche Niveau”. Der Energetiker hielt darin außerdem fest, dass man einen Schutzring um die Gebäude legen habe können, “der verhindert, dass negativen Energien des Umfelds Einfluss auf das Haus und die Menschen darin nehmen”.

Der Flachgauer, der vor einigen Jahren unter anderem auch ein Forschungszentrum für Bewusstsein gründete, wollte bislang keine Stellungnahme zum Fall abgeben, er sei seinen Auftraggebern zur Verschwiegenheit verpflichtet, wird er vom ORF zitiert. Auf Twitter findet die Causa jedoch regen Anklang:

Untersuchungen ausgeweitet

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hat inzwischen die Untersuchung auf zwei weitere Personen ausgeweitet. Konkret geht es um die beiden Personen, die die Rechnung für den Auftrag unterschrieben haben, gab KAV-Direktor Herwig Wetzlinger in einer Aussendung am Freitag bekannt.

Dabei handle es sich um einen Stellvertreter der Programmleiterin und eine weitere Person aus dem Krankenhaus Nord-Team. Die Betroffenen werden vorläufig nicht ihrer Funktionen behoben, da zum derzeitigen Zeitpunkt nicht klar sei, ob mit den getätigten Unterschriften lediglich eine formale Prüfung, wie z. B. eine vergaberechtliche Prüfung oder etwa die Prüfung der Einhaltung der Rechnungslegungsvorschriften getätigt wurde, heißt es in der Aussendung. “Hier handelt es sich seitens der MitarbeiterInnen um keinen Vertrauensbruch, es geht mir darum, alle möglichen Vorwürfe lückenlos und transparent untersuchen zu lassen”, stellte Wetzlinger klar.

FPÖ will U-Kommission zu Energetiker-Affäre

Die Wiener FPÖ fordert die Offenlegung aller Direktvergaben für das Großvorhaben. “Ich fordere den Krankenanstaltenverbund auf, alle Vergaben unter 100.000 Euro bekannt zu geben”, sagte der geschäftsführende Landesparteiobmann Johann Gudenus zur APA.

Die “Hokus-Pokus-Affäre” sei nur die Spitze des Eisbergs, zeigte sich Gudenus überzeugt. Die FPÖ werde – voraussichtlich kommende Woche – eine Sachverhaltsdarstellung wegen Untreue einbringen, bekräftigte Gudenus. Der Energetik-Auftrag werde auch in der U-Kommission zum Krankenhaus Nord Thema sein, die die FPÖ initiieren will, sobald der Endbericht des Rechnungshofs zu dem Großprojekt vorliegt.

Für den KAV besteht kein Anlass, alle Direktvergaben zu überprüfen. Die Problematik des betreffenden Auftrags liege im Inhalt des Auftrags, unabhängig von der Auftragssumme, sagte eine Sprecherin.

(SALZBURG24/APA)

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