95-Jähriger verlor bei RLB Tirol mit riskanten Alpine-Bonds

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Die RLB Tirol sieht sich mit einer Klage konfrontiert
Die RLB Tirol sieht sich mit einer Klage konfrontiert - © APA
Die Pleite des Baukonzerns Alpine hat für viele Banken ein Nachspiel vor Gericht. Aktuell läuft in Innsbruck ein Verfahren gegen die Raiffeisenlandesbank (RLB) Tirol. Ein 95-Jähriger hat die Bank geklagt, weil sie 60 Prozent seines Vermögens von einem Fonds namens “Sicher” in riskante Alpine-Anleihen umgeschichtet hat. Zumal die RLB wissen hätte müssen, wie schlecht es um die Alpine bestellt war.

Die Argumentation des Klägers ist ähnlich wie die vieler anderer Alpine-Anleger, die mit den zwischen 2010 und 2012 begebenen Anleihen des Baukonzerns ihr Erspartes verloren haben. Die Bonds wurden von vielen Geldhäusern als relativ sichere Anlage verkauft.

Die Alpine legte jedoch vor drei Jahren mit Schulden von 2,9 Mrd. Euro die größte Pleite der Zweiten Republik hin, 7.000 Privatanleger sind betroffen.

Dem heute 95-jährigen Kläger aus Tirol hat seine Bank, die RLB Tirol, 2011 Alpine-Anleihen in Höhe von 42.000 Euro verkauft. Zuvor hatte er das Geld in Staatsanleihen und den Raiffeisen-Dachfonds “Sicher” veranlagt, erzählt sein Anwalt Michael Poduschka.

Dann habe ihm sein Raiffeisen-Berater die Alpine-Anleihen mit dem Satz “Da brauchen Sie keine Angst zu haben, es handelt sich um ein florierendes österreichisches Unternehmen” ans Herz gelegt. Der Dachfonds wurde zur Gänze verkauft, “fast 60 Prozent seiner Ersparnisse wurden in ein hochriskantes Produkt investiert, obwohl der damals 90-jährige Mandant laut Anlegerprofil nur ein geringes bis mittleres Risiko eingehen wollte”, so der Rechtsvertreter zur APA.

Alles auf ein Pferd zu setzen und das noch dazu bei einem Mann im Alter von 90 Jahren, sei an sich schon ein Beratungsfehler, meint der Anwalt. Die Bank äußerte sich zu dem Fall auf APA-Anfrage nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Laut Poduschka waren Alpine-Anleihen stets mit sehr hohem Risiko behaftet, es habe sich um sogenannte Junk-Bonds gehandelt. Daher hätten sie niemandem mit geringer oder mittlerer Risikobereitschaft verkauft werden dürfen.

Darüber hinaus sieht der Anwalt einen Interessenskonflikt der RLB Tirol. Dies, weil die RLB Tirol über die Raiffeisen-Kundengarantiegemeinschaft (jede Raiffeisenbank haftet für die anderen) mit der RLB Oberösterreich verbunden sei.

Die RLB Oberösterreich namentlich war mit rund 100 Mio. Euro die Hauptgläubigerin der Alpine und hat laut Poduschka bereits 2009 beschlossen, sich aus der Finanzierung des Baukonzerns sukzessive zurückzuziehen.

Das legt auch ein mit 29. Mai 2013 datierter Prüfbericht der Nationalbank (OeNB) nahe. “Bereits im September 2009 wurde vom Vorstand der RLB OÖ beschlossen, das Finanzierungsrisiko gegenüber der Bauholding nicht mehr zu erweitern, sondern graduell zu reduzieren. Seitdem wurden keine neuen Kredite oder Garantien mehr vergeben und der Gesamtsaldo … der RLB OÖ gegenüber der Bauholding wurde von 106 Mio. per Juni 2010 auf derzeit 98 Mio. Euro reduziert. Die Reduzierung der Salden erfolgte unter anderem durch die Nicht-Verlängerung von Rahmen und durch Zeichnung von 5 Mio. Euro der letzten Bondemission der Bauholding im Mai 2012 (die in Folge im Kundenhandel an Dritte weiterverkauft wurden), mit der gleichzeitigen Reduktion von Betriebsmittelkreditrahmen in gleichem Ausmaß. … Das unbesicherte Risiko der Bauholding betrug per Ende 2012 67,8 Mio. Euro”, schreiben die Prüfer der Nationalbank.

Zudem hat sich das Rating der Baugruppe seit 2009 schrittweise verschlechtert, wie es im OeNB-Bericht, der der APA vorliegt, weiter heißt – von w 2,5 (2009) auf w 3,2 im ersten Halbjahr 2012. “Nachdem die kritische Liquiditätssituation der Baugruppe mit der Folge des Standstills evident wurde, erfolgte ein Downgrading auf w 4,0. … Nach Bekanntwerden des zu erwartenden Haircuts wurde das Rating Anfang Februar 2013 auf die seit Jänner 2013 geltende Ausfallsklasse w 4,5 herabgestuft.”

Dass das Rating erst im Herbst 2012 auf w 4,0 herabgestuft wurde, war laut den Bankenaufsehern zu spät, man hätte “Warnsignale” berücksichtigen müssen. “Im Rating der Alpine Bau vom 22.6.2012 fanden die zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegenden, kritischen Vermerke des Wirtschaftsprüfers zur Bilanz 2011 keinen Niederschlag”, kritisieren die Prüfer.

Die Wirtschaftsprüfer hatten der Alpine für 2011 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk ausgestellt, obwohl sie im Kommentar zur Bilanz auf strittige Forderungen aus Projekten in Deutschland, Polen und Griechenland in Höhe von 150 Mio. Euro hingewiesen haben, “für die in der Bilanz keine oder nur geringe Vorsorgen getroffen wurden”, wird in dem Bericht an anderer Stelle festgehalten.

Die RLB Oberösterreich hat sowohl 2010 als auch 2012 Alpine-Anleihen gezeichnet. Im Juni 2010 wurde im Gegenzug dazu der Kreditrahmen der Alpine Bau GmbH um 7,5 Mio. Euro, den Betrag der Anleihezeichnung, gekürzt.

Von der Emission 2012 zeichnete die RLB OÖ Anleihen in Höhe von 5 Mio. Euro. Zu diesem Zeitpunkt, so die OeNB, “war die angespannte wirtschaftliche Situation der Alpine Holding, insbesondere der Alpine Bau, bei der RLB OÖ bereits bekannt”. So sei die erneute Teilnahme an der Anleihe-Emission im Mai 2012 nur unter der Bedingung genehmigt worden, Kreditlinien um die Kaufsumme zu kürzen und die Anleihen an Kunden weiterzuverkaufen.

“Beide von der RLB OÖ gezeichneten Anleihenemissionen wurden vollständig an private und institutionelle Kunden weitervertrieben”, heißt es in dem als “vertraulich” titulierten Bericht.

In den Augen von Anlegeranwalt Poduschka hätte das nicht geschehen dürfen. An der RLB Tirol kritisiert der Anwalt speziell, dass die Bank mit aller Vehemenz gegen seinen Mandanten vorgehe. Morgen, Dienstag, findet am Landesgericht Innsbruck die nächste Verhandlung statt.

Die RLB Tirol äußerste sich inhaltlich nicht zu dem Fall. “Da es sich hierbei um ein laufendes Verfahren handelt, bitte ich um Verständnis, dass wir dazu nicht Stellung beziehen können”, teilte eine Sprecherin der APA am Montag mit.

(APA)

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