A4-Flüchtlingsdrama: Auch Fahrer von Begleitauto verweigerte Aussage

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Die Schlepper stehen in Ungarn vor Gericht.
Die Schlepper stehen in Ungarn vor Gericht. - © APA/GEORG HOCHMUTH
In der ungarischen Kleinstadt Kecskemet ist am Freitag der Prozess gegen die Schlepperbande fortgesetzt worden, die für den qualvollen Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Kühl-Lkw im August 2015 verantwortlich sein soll. Deren Leichen wurden im Fahrzeug an der Ostautobahn (A4) im Burgenland gefunden. Im Mittelpunkt stand am dritten Verhandlungstag die Rolle des Fahrers des Begleitautos.

Der als Drittangeklagter geführte Bulgare verweigerte wie schon der mutmaßliche Kopf der Organisation und dessen Stellvertreter an den ersten beiden Prozesstagen die Aussagen. Richter Janos Jadi verlas deshalb die Protokolle der Aussagen des 39-Jährigen im Vorverfahren aus dem Jahr 2016.

Organisierte Schlepperei und Mord

Als Lenker des sogenannten Vorläuferautos war es laut Anklage seine Aufgabe, den eigentlichen Schleppertransport zu begleiten und vor allfälligen Polizeikontrollen zu warnen. Von der Tragödie in dem Kühl-Lkw hat der Beschuldigte eigenen Aussagen zufolge nichts mitbekommen und auch nicht davon erfahren, als er den Chauffeur des Lasters auf dessen telefonische Aufforderung von der A4 im Burgenland abholte. “Er sagte nichts, da wusste ich nicht, dass Menschen in dem Lkw tot waren”, gab der Angeklagte zu Protokoll.

Dem 39-Jährigen werden organisierte Schlepperei und mehrfacher Mord unter besonders grausamen Umständen vorgeworfen. “Ich bitte um Verzeihung, doch ich kann nichts dafür”, beteuerte der Bulgare bei der Einvernahme im Vorverfahren.

39-Jähriger in Bulgarien angeworben

Angeworben und nach Ungarn gebracht worden war er nach eigenen Angaben in Bulgarien von einem Mann, dem er 600 Euro schuldete. Dieser hätte ihm Arbeit und Geld versprochen und behauptet, dass alles legal sei. Er sei nur für einige Schlepperfahrten nach Österreich und Deutschland geholt worden und habe so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren wollten, weil er ein kleines Kind habe.

Offenbar dauerte der “Job” länger als angenommen. Auf die Frage, wann er nach Bulgarien zurückkehren könne, habe “Toni” – in dem Verfahren nicht angeklagt – nur gesagt: “Bald, bald” und ihn mit 1.000 Euro bestochen, sagte der 39-Jährige aus. “Toni” selbst sei heimgefahren, habe ihn aber mit dem Versprechen in Ungarn zurückgelassen, ihn zwei Tage später abzuholen, hatte der Fahrer des Vorläuferautos berichtet. Genau in diesen Tagen kam es zu der Tragödie, bei der 71 Flüchtlinge im Kühl-Lkw auf dem Weg nach Österreich erstickten.

“Habe nur die Brösel bekommen”

“Toni hat uns betrogen. Ich habe nur die Brösel bekommen”, meinte er in der Einvernahme offenbar in Anspielung auf die enormen Gewinne der Schlepperorganisation. “Toni” sei es egal gewesen, wenn Chauffeure gefasst wurden, meinte der 39-Jährige. Denn in einem solchen Fall hätte er die 500 Euro, die für einen Fahrer bestimmt waren, für sich behalten können. Den mutmaßlichen Kopf der Schlepperorganisation habe er nur zwei Mal gesehen, sagte der Fahrer des Vorläuferautos in seiner Einvernahme 2016.

Die Verhandlung wurde am Freitag zu Mittag beendet. Nächster Termin ist der 29. Juni. Für diesen Tag ist die Einvernahme des bulgarischen Fahrers des Kühl-Lkw geplant. Ihm werden Schlepperei und Mord zur Last gelegt. Außerdem soll der bulgarisch-libanesische 52-Jährige aussagen, der für die Organisation Fahrzeuge besorgt haben soll. Er muss sich wegen organisierter Schlepperei verantworten.

(APA)

 

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