Acht Jahre Kampf um Schadensersatz nach Komplikationen bei OP

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Dem nun neunjährigen Mädchen wurde Schadenersatz zugesprochen
Dem nun neunjährigen Mädchen wurde Schadenersatz zugesprochen - © APA
Das Landesgericht Innsbruck hat einem nach einer Leistenbruch-Operation schwerbehinderten Mädchen mehr als acht Jahre nach dem folgenschweren Eingriff Schadenersatz zugesprochen. Zusätzlich zu den bereits bezahlten 120.000 Euro erhält die bald neunjährige Nadina weitere 567.000 Euro plus Zinsen. Zudem müssen die “tirol kliniken” für alle weiteren Schäden aus dem Eingriff haften.

150.000 Euro davon seien Schmerzensgeld, rund 360.000 Euro ergeben sich aus dem Pflegeaufwand, erklärte Rechtsanwalt Thomas Juen bei einem Pressegespräch am Montag:

Eines der höchsten Schmerzensgelder

“Zusammen mit den insgesamt 100.000 Euro Schmerzensgeld, die der Haftpflichtversicherer der ‘tirol kliniken’ bereits im Voraus bezahlt hat, handelt es sich um einen der höchsten in Österreich bisher zugesprochenen Schmerzensgeldbeträge”. Juen, der von der AK beauftragt wurde, die Familie zu vertreten, zeigte sich von der Dauer der gerichtlichen Auseinandersetzung “betroffen”. “Das ist absolut eine unbefriedigende Situation und stellt unserem Sozial- und Rechtsstaat kein gutes Zeugnis aus.” Es dürfe nicht sein, dass man fünf Jahre unter großem finanziellen Risiko prozessieren müsse, bis man zu seinem Recht kommt.

Baby erlitt bei Leistenoperation einen Hirnschaden

Das damals sechs Wochen alte Mädchen wurde im Jänner 2008 in der Innsbrucker Klinik an einer Leiste operiert. Dabei kam es zu schweren Komplikationen, und die kleine Nadina erlitt einen massiven Hirnschaden. Seitdem kann das Kind weder gehen, noch frei sitzen oder zielgerichtet handeln. Sie kann auch nicht sprechen, und ihre Motorik ist schwer beeinträchtigt. Zudem leidet sie unter epileptischen Anfällen.

“Was ist mit den Fällen, die zuhause sitzen und weinen?”

“Damals haben wir als Antwort bekommen, dass es sich um einen schicksalhaften Verlauf handelt”, schilderte die Mutter: “Wir haben aber gleich vermutet, dass etwas schiefgelaufen ist.” Ohne Hilfe der AK, die der Familie Rechtsschutz gewährte und jahrelang alles finanzierte, wären sie jedoch nicht zu ihrem Recht gekommen. “Es wurden viele Fragen beantwortet, wenn zum Teil auch schmerzlich”, meinte die Frau, die selbst den Beruf der Kinderkrankenschwester ausgeübt hatte. Betroffen mache sie aber die Vorstellung von Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleiden, aber ohne Hilfe nicht zu ihrem Recht kommen: “Was ist mit den Fällen, die zuhause sitzen und weinen?”

Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl forderte daher von der Politik “grundlegende Konsequenzen”. Es dürfe nicht sein, dass die Abwicklung derart lange dauere und eine Familie acht Jahre lang “sekkiert” werde. “Wir hoffen, dass ein derartiger Fall nicht mehr vorkommt, bei dem Behandlungsopfer jahrelang kämpfen müssen”, so Zangerl: “Vor allem gegen einen Gegner, wo du eigentlich keine Chance hast.” Das zu verändern, sei Aufgabe der Politik.

(APA)

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