Adelsmayr: “Im Nachhinein ist man immer gescheiter”

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Am 21. Oktober 2012 verurteilt der Richter Eugen Adelsmayr in dessen Abwesenheit zu lebenslanger Haft.
Am 21. Oktober 2012 verurteilt der Richter Eugen Adelsmayr in dessen Abwesenheit zu lebenslanger Haft. - © APA/Wolf
Bereut hat der oberösterreichische Mediziner seine Arbeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nie.

“Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Ich hätte mich bei Zeiten viel mehr für die Hintergründe interessieren sollen”, meinte Eugen Adelsmayr, der vor zwei Jahren von einem Dubaier Gericht wegen Mordes angeklagt wurde. “Ich hab’ mich zu einem gewissen Part blenden lassen, hab’ schon gewusst, dass da unten etwas nicht in Ordnung war. Aber jetzt, wo mich so viele (andere Betroffene, Anm.) kontaktieren, weiß ich, was da los”, sagte der 54-Jährige im APA-Gespräch.

Adelsmayr arbeitet in Salzburger Privatklinik

Adelsmayr, der nun in einem Salzburger Privatspital als Anästhesist arbeitet, würde niemanden mehr empfehlen, als Arzt in die VAE zu gehen. “Es hat einige Mediziner gegeben, die mich gefragt haben. Und alle, die mich kontaktiert haben, haben es bleiben lassen. Viele haben wegen mir Verträge auslaufen lassen oder gekündigt. Eine Notfallmedizinerin aus den USA hat mir per Mail sogar gedankt, ich hätte sie vor einem großen Fehler bewahrt.”

Das Medizinsystem in den Emiraten sei deren Achillesferse. “Da sind sie zu 100 Prozent auf ausländische Kräfte angewiesen”, so Adelsmayr. Durch die Konflikte im Umkreis würde das Land zwar im Übermaß billige Ärzte und Schwester etwa aus Syrien oder Ägypten bekommen, aber das Gesundheitssystem hängt von westlichen Ärzten ab. “Auch wenn die Ausrüstung toll ist, braucht man Menschen, die damit arbeiten können.” Daher sei man daran interessiert, dass westliche Mediziner ins Land kommen. “Wenn diese ausbleiben, dann haben sie eine sehr unterklassige medizinische Versorgung.”

„Geld regiert die Welt“

Die Emirate hätten aufgrund der finanziellen Lage eine perfekt funktionierende Propagandamaschine, meinte Adelsmayr. “Kein Wunder, dass die Weltöffentlichkeit einen fantastischen Eindruck erhält. Wenn man aber in die Tiefe geht, sieht man, wo die überall ihre Finger drinnen haben. (…) So läuft’s, Geld regiert die Welt”, meinte der Mediziner. “Mir und meinen Leidensgenossen kommt alles zugute, was die Emirate schwächt. Sie müssen realisieren, dass man Menschen menschenwürdig behandeln muss, wenn man sie braucht.” Dass erst vor kurzem 2.000 Bauarbeiter dort gestreikt haben, das hätte es früher nicht gegeben. “Das spricht Bände, dass sie sich das trauen”, sagte Adelsmayr.

Bereits eineinhalb Jahre wurde dem Mediziner die Lizenz entzogen. Das sei für Adelsmayr der entscheidende Wendepunkt in seinem Fall, weil er sich gegen die Abnahme gewehrt habe. “Sie haben damit gerechnet, dass ich ohne Lizenz nach Hause fahre.” Denn der Entzug der Arbeitserlaubnis für Mediziner in Dubai gilt für die gesamten Emirate. Doch das “Higher Commitee for Medical Liability” (HCML), die höchste Instanz für medizinische Fragen in den VAE, sprach den Mediziner von allen ihm gegenüber erhobenen Vorwürfen frei.

Fall Adelsmayr „eskaliert“

“Daraufhin haben sie scharf reagiert und mich angezeigt. Und dann ist es ein Kriminalfall geworden”, meinte Adelsmayr. “Wäre ich damals einfach ausgereist, wäre nie jemand zur Polizei gegangen und die Sache hätte sich nie so entwickelt.” Durch die bilateralen Verhandlungen und die Medien, die auf den Fall aufmerksam geworden sind, sei der Fall dann eskaliert.

Was den Mediziner wurmt, ist, dass Kollegen, mit denen es nie gröbere Reibereien gegeben habe, ihn mit einer Intrige nach dem Leben trachten wollten. “Streit gibt es überall, aber dass es jemand darauf anlegt, mich tot zu sehen, das ist tragisch. Sie haben es in Kauf genommen, dass ich dort unten exekutiert werde.” Das habe ihn für die Zukunft geprägt. “Ich bin vorsichtiger geworden. In der Arbeit war es früher fast eine familiäre Situation. Jetzt bin ich kühler und distanzierter.” An Österreich habe er schätzen gelernt, was Freiheit und ein funktionierendes Rechtssystem bedeuten.

„Schlimmste war der Tod meiner Frau“

“Doch das schlimmste war und ist, dass meine Frau in dieser Zeit verstorben ist. Das überschattet alles. Alles andere ist belanglos”, so Adelsmayr. “Ich will nicht sagen, dass sie noch am Leben wäre, wenn ich daheimgeblieben wäre. Aber die Krebserkrankung wäre dann nicht im Endstadium, sondern im Frühstadium erkannt worden und die letzten Jahre hätten anders ausgesehen.” Die Frau des Mediziners hat ihrer Familie die Krankheit verschwiegen. “Sie hat nichts gesagt und ihr Problem hintangestellt, weil meine Situation so dramatisch war. So sind wertvolle Monate ungenützt verstrichen.”

Zur Person – Eugen Adelsmayr wurde am 2. Juni 1959 in Geinberg geboren. Nach dem Studium der Medizin und der Gesundheitswissenschaften in Wien war er als Anästhesist und Intensivmediziner in Kitzbühel und Innsbruck tätig. Von 2006 bis 2009 leitete der die Intensivmedizin am Rashid Hospital Trauma Center in Dubai mit über 120.000 Notfallraumpatienten pro Jahr. 2009 ging er ans Al-Ain-Hospital in Al Ain in den VAE. Eugen Adelsmayr ist von zwei erwachsenen Söhnen und lebt in Bad Ischl.) (APA)

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