Ärzte fordern mehr Personal im Kampf gegen Ebola

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Panik in USA (noch) nicht angebracht
Panik in USA (noch) nicht angebracht
Die internationale Gemeinschaft muss dringend mehr Hilfskräfte in die Ebola-Gebiete von Westafrika schicken. Das fordert Hugues Robert von Ärzte ohne Grenzen (MSF). Finanzielle Hilfe allein könne die Epidemie nicht besiegen. Die Schweiz hat angekündigt, militärisches Personal zu entsenden. Im Kampf gegen Ebola sind für MSF 294 internationale und etwa 2.800 lokale Mitarbeiter in Afrika.


Viele Staaten hätten ausgebildete Teams für Notfalleinsätze, die beispielsweise bei Naturkatastrophen mobile Spitäler errichteten, sagte Robert. Diese Teams würden allerdings nicht in die von Ebola besonders stark betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone geschickt. “Die Staaten haben Angst, dass sich Mitarbeiter mit Ebola anstecken”, so Robert. Zwar würden viele Länder finanziell helfen, doch das allein nütze nichts. “Die betroffenen Länder brauchen Infrastruktur für die vielen Patienten”, sagt er. Nötig seien Helfer an Ort und Stelle: Krankenpfleger, Ambulanzfahrer und Personal, das die Häuser von Kranken desinfiziere.

Die Ankündigung der Schweiz, militärisches Personal in die betroffenen Länder zu entsenden, begrüßte Robert. Ein Patentrezept, wie die Regierungen zu mehr Engagement bewegt werden könnten, kenne er nicht. Die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mit verschiedenen Staaten bilaterale Gespräche führe, würden sicher helfen. Auch MSF leiste viel Lobby-Arbeit. “Hilfreich wäre zudem, wenn sich die Bevölkerung in Europa im Kampf gegen Ebola einsetzen und die Regierungen unter Druck setzen würde”.

Die Angst vor Ebola sei ein großes Problem für die Gesundheitsversorgung in den betroffenen Gebieten, sagte Robert. In Sierra Leone seien viele Pflegestationen in kleinen Dörfern verlassen, weil das Pflegepersonal Angst vor einer Ansteckung mit Ebola habe. In der liberianischen Hauptstadt Monrovia seien in einem großen Spital derzeit nur zwölf von 200 Betten belegt, weil kein Personal da sei. “Viele Kranke sterben, obwohl ihre Krankheit eigentlich heilbar wäre. Wenn sie Ebola-ähnliche Symptome wie Fieber zeigen, will sie niemand sie pflegen.” Auch Schwangere seien gefährdet, weil kein Pflegepersonal bei der Geburt helfen wolle.

Im Kampf gegen Ebola sind für MSF derzeit 294 internationale und etwa 2.800 lokale Mitarbeiter in Sierra Leone, Liberia, Guinea und dem Kongo im Einsatz. MSF hat laut Robert eine Kapazität von 540 Krankenbetten. 4.600 Patienten werden oder wurden auf Stationen der Organisation gepflegt, wobei 1.020 die Krankheit überlebten. MSF konzentriert sich in den betroffenen Gebieten hauptsächlich auf die Ebola-Patienten. Dies umfasse einerseits die Pflege der Erkrankten, sagte Robert. Andererseits versuche die Organisation, die Übertragung zu stoppen. Sobald jemand Symptome zeige, werde die Person isoliert und abgeklärt, ob es sich tatsächlich um Ebola handelt.

Der Madrider Flughafen Barajas hat unterdessen am Donnerstag wegen eines Ebola-Verdachts entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. In Zusammenhang mit einem Air-France-Flug bestehe die Befürchtung einer Ebola-Infektion bei einer Person, sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Aena.

US-Präsident Barack Obama hat indes die Gefahr eines umfassenden Ebola-Ausbruchs in den USA als gering eingeschätzt, zugleich aber vor einer weltweiten Verbreitung der lebensgefährlichen Epidemie gewarnt. Sollte die Krankheit in Afrika außer Kontrolle geraten, könne sie sich wegen des Reiseverkehrs auf dem ganzen Globus verbreiten.

Obama kündigte ein “viel aggressiveres” Vorgehen seiner Regierung bei neuen Erkrankungen. In den USA soll ab sofort eine schnelle Eingreiftruppe der CDC dafür sorgen, dass auch schlecht vorbereitete Krankenhäuser bei neuen Ebola-Fällen richtig handeln.

In den USA hat sich eine zweite Krankenschwester mit Ebola angesteckt. Sie habe sich – ebenso wie eine Kollegin zuvor – in einer Klinik in Dallas bei der Versorgung eines aus Liberia eingereisten Mannes infiziert, teilte die Gesundheitsbehörde von Texas am Mittwoch mit. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Der Fall sei sehr besorgniserregend, sagte Frieden. Wenige Stunden vor den ersten Symptomen hatte die Krankenschwester nach CDC-Angaben einen Inlandsflug von Cleveland nach Dallas absolviert. Alle 132 Passagiere sollen nun vorsichtshalber ausfindig gemacht werden.

Tausende Menschen in Westafrika, die Ebola überlebt und jetzt gegen das Virus immun sind, sollen im Kampf gegen die Seuche helfen. Entsprechende Pläne werden bei der ersten Konferenz von Ebola-Überlebenden erörtert, die an diesem Donnerstag und Freitag mit Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) in Sierra Leone stattfindet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor eine neue Prognose veröffentlicht. Sie erwartet bis Dezember pro Woche zwischen 5.000 und 10.000 neue Ebola-Fälle in Westafrika. Fast 9.000 Menschen sind nach WHO-Angaben mittlerweile an Ebola erkrankt. Die Zahl der Todesfälle ist auf 4.493 gestiegen, die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen.

Für den Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, ist die Ebola-Krankheit eine “Epidemie von globaler Größe und Gefahr”. “Die Ebola-Krise wird noch zunehmen”, sagte er in einem Interview mit dem Portal “Yahoo Nachrichten”. “Noch immer sind keine Impfstoffe vor Ort, es sterben immer mehr Menschen”, sagte Maurer. “Damit steigt auch das Risiko einer Eskalation.”

Regional lässt sich die Krankheit laut Maurer nicht eindämmen. “Es ist in unserer globalisierten Welt eine Illusion zu glauben, dass sich solch eine Krankheit lokal begrenzen lässt”, sagte er. “Jeder lokale Zusammenbruch eines Systems, wie wir ihn jetzt in Liberia erleben, birgt in sich die Gefahr einer globalen Gesundheitskatastrophe. Genau das riskieren wir gerade.”

Maurer kritisierte die Reaktion der internationalen Gemeinschaft scharf. Die Lage sei anfangs völlig falsch eingeschätzt worden, sagte er. “Bis heute hat man auf diese globale Epidemie nicht ausreichend geantwortet.” Der IKRK-Präsident rief zu größeren Anstrengungen auf: “Es gibt viele Ankündigungen. Aber wenn ich meine Kollegen vor Ort frage, was an Hilfe schon angekommen ist, ist das weniger als die warmen Worte. Und vor allem zu wenig im Vergleich zur Geschwindigkeit, in der sich Ebola ausbreitet.”

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