Ärztekammer für Abschaffung der Chefarztpflicht

Akt.:
Ärztekammer fordert Aufwertung des Hausarztes
Ärztekammer fordert Aufwertung des Hausarztes
Die Ärztekammer fordert die Abschaffung der Chefarztpflicht für teure Medikamente und Untersuchungen. Vizepräsident Johannes Steinhart plädierte am Montag für eine “Indikationenregelung”. Präsentiert wurde auch ein Umfrage, die die Forderung der Ärztekammer nach einer Aufwertung des Hausarztes unterstreicht. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wies die Forderung der Ärztekammer zurück.


Für den Ärztekammer-Vizepräsidenten macht es keinen Sinn, wenn ein Kassenarzt, der den Patienten weder kennt noch sieht, einem niedergelassenen Arzt, der den Patienten gut kennt und behandelt, eine spezielle Therapie bewilligt oder verwehrt. Eine profunde zweite Meinung oder eine Kontrolle sei damit ohnehin nicht gegeben, meinte Steinhart. Entweder der Patient brauche die Therapie oder nicht, eine Entscheidung des Kassen-Chefarztes “nach Gutdünken” sei nicht sinnvoll, sagte der Vizepräsident.

Steinhart glaubt nicht, dass eine Abschaffung der Chefarztpflicht “große finanzielle Auswirkungen haben muss”, konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht. Er stellt sich stattdessen die Erarbeitung eines Kataloges von Indikationen vor, bei denen die Kassen die Leistungen ohne Bewilligung erbringen müssten. Über die Indikationen müsste noch verhandelt werden.

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wies die Forderung der Ärztekammer hingegen zurück. Für die Versichertengemeinschaft werde durch die Chefarztpflicht ein wesentlicher Beitrag zu einem sorgfältigen und effizienten Einsatz von Beitragsgeldern erbracht, erklärte der Hauptverband in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Von den gut 113 Millionen auf Kosten der Sozialen Krankenversicherung abgegebenen Verordnungen waren im Vorjahr nur rund 3,1 Millionen oder 2,75 Prozent vorab bewilligungspflichtig durch den Chefarzt, teilte der Hauptverband mit. Die Einholung der Bewilligung erfolgte dabei durch die Vertragsärzte in der Regel über das elektronische sogenannte ABS-System, wobei dem Patienten keine zusätzlichen Wege entstehen. Heuer wurden laut Hauptverbands-Statistik bisher rund 1,84 Millionen ABS-Anträge binnen 5,74 Minuten beantwortet.

Nach der vom Institut ecoquest im Auftrag der Wiener Ärztekammer durchgeführten Umfrage (1.000 telefonische Interviews im Juni) unterstützen die Österreicher die Forderung der Ärztekammer, die Rolle der Hausärzte weiter aufzuwerten. Der Hausarzt solle eine “zentrale Säule” der Gesundheitsversorgung bilden. Die Österreicher seien mit ihm sehr zufrieden und möchten, dass die Ärzte bei Entscheidungen für das Gesundheitssystem einbezogen werden, fasste Meinungsforscher Peter Ulram die Ergebnisse zusammen.

Drei Viertel der Befragten wünschen sich, dass es mehr Hausärzte geben soll. 80 Prozent halten die Versorgung mit Hausärzten in ihrem Wohngebiet für ausreichend, allerdings ist sie für ein Viertel der Befragten in kleinen Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern nicht ausreichend. Mit den Leistungen ihres Hausarztes sind 76 Prozent sehr und weitere 20 Prozent eher zufrieden. Von ihrem Hausarzt wünschen sich gleich 98 Prozent, dass er sich für das Gespräch Zeit nehmen sollte und 92 Prozent, dass er auf ihre persönliche Situation eingehen und weniger auf Routineuntersuchungen setzen sollte. Und 86 Prozent wollen, dass die Politik bei gesundheitspolitischen Entscheidungen den Standpunkt der Ärzte berücksichtigen sollte.

Für Steinhart bedeuten diese Ergebnisse eine Absage an sogenannte Erstversorgungszentren, wie sie im Rahmen der Gesundheitsversorgung angedacht waren. Der Ärztekammer-Vizepräsident wandte sich auch dagegen, mit solchen Zentren einen Ärztemangel zu kaschieren. Er betonte neuerlich, dass immer mehr Jungmediziner ins Ausland abwandern und von den niedergelassenen Fachärzten zwei Drittel in der Altersgruppe 50 plus sind. Von den derzeit 1.800 niedergelassenen Landärzten werden in den nächsten zehn Jahren mehr als die Hälfte in Pension gehen. Steinhart bekräftigte deshalb die Forderung nach einem Bürokratieabbau und nach neuen Organisationsformen, wie Gruppenpraxen, Praxisnetzwerken, Time-Sharing-Ordinationen und Vertretungsregelungen.

Auch der ecoquest-Umfrage mit den sehr positiven Werten für die Hausärzte widersprach der Hauptverband. Er verwies auf eine GfK-Umfrage vom Mai 2014, wonach die Hausärzte bei der Bevölkerung ein “massives medizinisches Imageproblem” hätten. Demnach gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie bei gesundheitlichen Problemen direkt den Facharzt aufsuchen und weitere sieben Prozent die Ambulanzen. In Wien gehen sogar 54 Prozent gleich zum Facharzt und nur 43 Prozent zum Hausarzt.

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Wetter präsentiert sich ab Woc... +++ - Das war das Bartlmä-Fest in Pi... +++ - Landesfeuerwehrkommandant Leop... +++ - 22-Jähriger schlägt auf Kontra... +++ - Bischofshofen: Alkolenker über... +++ - NR-Wahl: Schnell-Partei droht ... +++ - Unbekannter Tourist stahl Geld... +++ - Leckereien beim European Stree... +++ - Die besten Bilder vom Roahax-T... +++ - Unfall in Parsch: Polizei such... +++ - Verkehr hat Salzburg fest im G... +++ - Leogang: Rot-Kreuz-Mitarbeiter... +++ - Frau stürzt bei Brand in Hallw... +++ - Unwetter: Chiemsee Summer und ... +++ - NR-Wahl: Schnell-Liste tritt m... +++
0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen