Aidshilfe Salzburg: “Immer mehr junge Menschen HIV-positiv”

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Am Welt-Aids-Tag rückt das Thema wieder mehr in den Mittelpunkt.
Am Welt-Aids-Tag rückt das Thema wieder mehr in den Mittelpunkt. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Rund 1.200 Menschen hat die Salzburger Aidshilfe in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits auf HIV getestet. Zwar steige die Zahl der Neuinfektionen nicht an, doch die Infizierten würden immer jünger, so Aidshilfe-Geschäftsführer Willi Maier im SALZBURG24-Interview anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages.




Bereits seit einigen Jahren stagniert die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Österreich. So weist das Gesundheitsministerium insgesamt 447 Neuinfektionen im vergangenen Jahr aus, 19 mehr als 2015. Vor zehn Jahren waren es noch 115, 2011 sogar 525. Ein Trend, den auch Willi Maier von der Salzburger Aidshilfe erkennt. „Das Thema Aids verschwindet immer mehr, weil die Therapie mittlerweile sehr, sehr gut ist. Menschen, die HIV haben und unter Therapie stehen, sind nicht mehr ansteckend“, sagt Maier im Gespräch mit SALZBURG24.

HIV-Neuinfektionen im Jahr 2016 in Österreich. Zahl der HIV-Neuinfektionen zwischen 1996 und 2016 in Österreich. ©

Aidshilfe: Betreuung, Beratung und Tests

Die Salzburger Aidshilfe hat sich in ihrer Arbeit drei Schwerpunkte gesetzt: Betreuung von HIV-positiven-Patienten, Beratung und Prävention (hier vor allem Aufklärungs-Workshops in Schulen) und Tests. Getestet werden kann die Infektion mit einer sexuell übertragbaren Krankheit, wie HIV, Hepatitis oder Syphilis. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres zählt die Aidshilfe insgesamt 2.265 Testungen, das sind etwa 8,3 pro Tag. Der Großteil, nämlich 1.197 davon waren HIV-Tests, danach folgen Hepatitis C (486 Testungen) Hepatitis B (383) und Syphilis (200).

“Diagnose HIV kein Weltuntergang mehr”

Die Salzburger Aidshilfe geht von mindestens 400 HIV-positiven Menschen im Bundesland Salzburg aus. “Wahrscheinlich sind es aber mehr, da der Großteil der HIV-Positiven erst sehr spät von der Diagnose erfährt, meistens drei bis fünf Jahre nach der Ansteckung”, so Maier. Die Diagnose HIV sei heute aber kein Weltuntergang mehr, daher dürfe das Thema auch nicht aufgebauscht werden. Dennoch sei es dringend notwendig, das Thema weiter zu enttabuisieren, vor allem bei den jungen Menschen, ist Maier überzeugt. Er erkennt seit rund drei Jahren einen deutlichen Anstieg von HIV-Infektionen bei den 20- bis 25-Jährigen. „Das Alter der Neudiagnostizierten ist massiv am Sinken. Wenn die Betroffenen es mit 20 Jahren durch einen Test erfahren, haben sie sich wahrscheinlich schon mit 17/18 Jahren angesteckt. Meistens reicht ein Fehltritt“, warnt der Experte.

Beratungsgespräch in der Aidshilfe Salzburg./Aidshilfe Salzburg Beratungsgespräch in der Aidshilfe Salzburg./Aidshilfe Salzburg ©

Kondom als wichtigster Faktor

Die häufigste Übertragungsart von HIV ist Sex. Daher sei es heute wichtiger denn je, jungen Menschen die Notwendigkeit eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr deutlich zu machen, so Maier. Eine aktuelle Studie zur Jugendsexualität, die die Aufklärungsinitiative „Jugend gegen AIDS e.V.“ gemeinsam mit der Dating App Lovoo durchgeführt hat, bestätigt diesen Ansatz. Demnach geht ein Viertel der befragten Jugendlichen in Österreich beim Sex das Risiko ein, sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren. Die Jugendlichen geben außerdem an, im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren aufgeklärt worden zu sein, 31 Prozent der Befragten in der Schule, 13 Prozent durch Pornos und der Rest übers Internet. Damit löst das Internet mit rund 56 Prozent die Schule als Aufklärungsquelle ab.

Das Büro der Aidshilfe Salzburgin der Linzer Bundesstraße/Aidshilfe Salzburg Das Büro der Aidshilfe Salzburg in der Linzer Bundesstraße/Aidshilfe Salzburg ©

Aidshilfe vor 26 Jahren ins Leben gerufen

Die Aidshilfe wurde vor 26 Jahren als kleiner Verein gegründet. Heute zählt der Verein sieben Mitarbeiter, vier Ärzte und drei bis vier ehrenamtliche Helfer. Finanzielle Unterstützung kommt von Stadt, Land, Bund und Sponsoren. Gerade in der Stadt Salzburg scheint über alle Parteifarben hinweg ein Grundkonsens über die Wichtigkeit der Sozialeinrichtung zu bestehen. „Wir unterstützen die Salzburger Aidshilfe mit 45.000 Euro jährlich, weil es wichtig ist, dass es die Aidshilfe gibt. Durch ihre Information und Aufklärung trägt die Einrichtung dazu bei, dass die Zahl der Infizierten nicht wieder ansteigt“, so Bürgermeister-Stellvertreterin Anja Hagenauer (SPÖ) auf SALZBURG24-Anfrage. Ähnlich dazu NEOS-Gesundheitssprecher Klubobmann Sebastian Huber: „Die Aidshilfe braucht unsere politische Unterstützung, allein schon um Aufklärung und Prävention weiter voranzutreiben. Schaut die Politik weg, dann signalisiert sie, dass das Problem rund um Aids und HIV nicht mehr bestünde.“

Vom Land Salzburg kommen auch für das Jahr 2018 wieder 57.500 Zuschuss und vom Bund 160.000 Euro. Wie berichtet, hat der Bund seit 2016 seine Unterstützung halbiert, was zu enormen Einsparungen und Umstrukturierungsmaßnahmen geführt hat. So musste etwa die seit 1991 erfolgte Wohnungsvergabe für HIV-Positive durch den Verein aufgegeben werden. Außerdem kann das hauseigene Informationsmagazin „PlusMinus“ nur noch in einer abgespeckten Version und mithilfe externer Unterstützung und Sponsoren produziert werden.

Tipp: Heute am Welt-Aids-Tag bietet die Salzburger Aidshilfe in der Gebietskrankenkasse von 9 bis 12.30 Uhr kostenlose und anonyme Tests und Beratung an.

Antidiskriminierungsarbeit immer wichtiger

Wichtiger denn je sei heute die Antidiskriminierungsarbeit, weiß Maier. “Bedauerlicherweise hat sich in Österreich nämlich nur der medizinische Fortschritt gravierend verbessert, der Umgang mit HIV in der Gesellschaft ist ähnlich stigmatisierend wie vor 20 Jahren. So berichten HIV-positive Menschen, dass sie in verschiedenen Bereichen – etwa bei medizinischen Untersuchungen oder im Arbeitsleben – schwere Diskriminierungen erfahren.” Dies stelle ein Problem in der Früherkennung von HIV-Infektionen dar, weil befürchtete oder reale Diskriminierungen dazu führen, dass Menschen das Thema HIV nicht offen ansprechen, sich nicht testen lassen und die Therapie nicht in Anspruch nehmen.

Um Menschen, die diskriminiert werden, zu unterstützen, bietet die Aidshilfe Salzburg anonyme Beratungsgespräche sowie psychologische, biopsychosoziale und juristische Unterstützung an. Zudem arbeitet sie mit anderen Menschenrechtsorganisationen und NGOs (Diakonie, Caritas, HOSI Salzburg) zusammen, die sich gegen Diskriminierung und Stigmatisierung einsetzen.

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