AK-Jugendmonitor 2015: Jugendarbeitslosigkeit auf Höchststand – über 3.200 ohne Job!

Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf dem Höchststand.
Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf dem Höchststand. - © Bilderbox
Junge Menschen in Salzburg verdienen immer weniger, arbeiten immer öfter prekär und immer weniger Betriebe bilden aus. Und: Noch nie waren so viele Jugendliche unter 25 Jahren ohne Beschäftigung. Über 3.200 an der Zahl. Die Jugendarbeitslosenquote hat sogar die Gesamtarbeitslosenquote in Salzburg überholt. Das ist das traurige Resümee des aktuellen AK-Jugendmonitors anlässlich des 12. August, dem Tag der Jugend. „Wir müssen alles tun, um diesen Abwärtstrend zu stoppen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler. „Unsere Jugend ist unsere Zukunft, wir sind auf motivierte und zufriedene junge Menschen angewiesen.“

Seit dem Jahr 2012 analysiert die Arbeiterkammer Salzburg jährlich – mit Hilfe des AK-Jugendmonitors – wichtige Bereiche des Lebens und Arbeitens junger Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Im aktuellen fünften Bericht zeigt sich deutlich: Der Abwärtstrend des vergangenen Jahres konnte nicht gestoppt werden. Im Gegenteil, alle Parameter zeigen weiterhin nach unten. Besonders problematisch sieht die Arbeiterkammer das Anwachsen der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen unter 25 Jahren.

Während sich der Arbeitsmarkt langsam erholt und sich Salzburg über generell rückläufige Arbeitslosenzahlen freuen darf, nimmt die Anzahl beschäftigungsloser Jugendlicher weiter zu. Im Vorjahresvergleich stieg die Jugendarbeitslosigkeit um 0,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen (ohne Schulungsteilnehmer) liegt somit bei sechs Prozent und hat somit Salzburgs Gesamtarbeitslosenquote (Juli 2016: 5,9 Prozent) überholt. In Summe sind über 3.200 junge Menschen im Bundesland Salzburg ohne Job – so viel wie noch nie!

„Wir müssen alles tun, um diesen Abwärtstrend zu stoppen“, sagt AK-Präsident Pichler. „Gelingt es nicht, diese jungen Menschen in das Erwerbsleben zu holen, verspielt unsere Gesellschaft eine Chance, denn die Jugend ist unsere Zukunft. Die Vorzeichen stehen nicht mehr so schlecht. Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung muss aber genutzt werden, um gute Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung zu schaffen. Anstelle einer Diskussion über Arbeitsunwillige zu führen, soll alles getan werden, um die Menschen und allen voran die Jugendlichen vor dem Schicksal Arbeitslosigkeit zu bewahren.“

Beschäftigungsrückgang bei jungen Menschen

Die Zahl der Jugendlichen in Beschäftigung ist gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Jahresdurchschnitt 2015 waren 16.730 Frauen und 19.464 Männer zwischen 15 und 25 Jahren unselbstständig beschäftigt. Im Vorjahresvergleich ist die Zahl somit um 1,7 Prozent gesunken – obwohl die Beschäftigung im Bundesland Salzburg insgesamt leicht gestiegen ist (im Vergleich zu 2014 um plus 0,9 Prozent).

Immer weniger Betriebe bilden aus

Ein trauriger Trend der letzten Jahre, nämlich dass immer weniger Betriebe Lehrlinge ausbilden, setzt sich fort. Von den rund 13.000 Betrieben in Salzburg bilden nur 2.890 (22 Prozent) einen oder mehrere Lehrlinge aus.

Im Vorjahresvergleich verlor das Bundesland Salzburg 115 Ausbildungsbetriebe. Am stärksten betroffen waren der Handel (minus 53 Betriebe) und der Tourismus (minus 18 Betriebe).

Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwischen 2005 – 2015 gingen 739 Ausbildungsbetriebe verloren (minus 20,4 Prozent). Den stärksten Rückgang erfuhren die Sparten Tourismus (minus 204 Betriebe), Handel (minus 204 Betriebe) und Industrie (minus 24 Betriebe).

Bei Betrachtung der Ausbildungsbetriebe nach Sparten gibt es gegenüber dem Vorjahr die stärksten Rückgänge in den beiden Sparten „Transport und Verkehr“ (minus 5 Betriebe) und „Banken und Versicherungen“ (minus 2 Betriebe).

Prekäre Jobs im Trend – besonders bei jungen Frauen

Atypische Beschäftigungsverhältnisse sind im Vormarsch, das zeigt der AK-Jugendmonitor. Im Jahresdurchschnitt 2015 waren 5.157 Jugendliche bis 25 Jahre geringfügig (maximal 415,72 Euro pro Monat) beschäftigt, gegenüber dem Vorjahr ist der Wert gleich (hoch) geblieben.

„Die unter 25-Jährigen machen immerhin ein Fünftel aller geringfügig Beschäftigten aus. Die Zahlen lassen darauf schließen, dass Jugendliche immer häufiger neben ihrer Ausbildung arbeiten gehen müssen“, berichtet Studienautorin Stephanie Posch. „Mit knapp 70 Prozent sind hier junge Frauen überproportional vertreten.“

Einkommen im Sinkflug

Die Reallöhne junger Menschen sind in den letzten zehn Jahren massiv gesunken. Der Blick auf die Entwicklung der Medianeinkommen in den Jahren 2004 bis 2014 zeigt, dass die 19-Jährigen fast zehn Prozent, die 20- bis 24-Jährigen 2,3 Prozent und die 25- bis 29-Jährigen 4,2 Prozent bei den Reallöhnen eingebüßt haben. „In diesem Alter ist man gerade dabei, sich eine Existenz aufzubauen. Jeder Euro, der hier fehlt, fällt ins Gewicht“, so AK-Präsident Pichler.

„Die Rückgänge der Reallöhne bei den jungen Salzburgern lassen sich vor allem durch einen Wandel am Arbeitsmarkt, hin zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen und Teilzeit, erklären“, so Stephanie Posch. Gerade in den Branchen, wo die Löhne traditionell niedriger sind und immer mehr Teilzeit gearbeitet wird, wie etwa Handel und Tourismus, sind bereits fast 40 Prozent der Jugendlichen beschäftigt.

Junge Frauen hinken beim Einkommen hinterher

Neben dem Reallohnverlust wird der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern immer größer: Während junge Männer bis 19 Jahren ein Bruttomedianeinkommen von 1.198 Euro erzielen, beträgt jenes der jungen Frauen in derselben Altersgruppe um 181 Euro brutto monatlich weniger (1017 Euro). In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen beträgt der Unterschied 328 Euro brutto.

AK-Forderungen zur Verbesserung

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Über 3.200 Beschäftigungslose unter 25 Jahren machen es deutlich: Die aktive Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit hat höchste Priorität. Junge Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, am Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen. Dafür braucht es verstärkte Qualifikationsmaßnahmen und bessere Betreuungs- sowie Beratungsangebote für arbeitslose Jugendliche.“

Um die Rahmenbedingungen für junge Menschen zu verbessern, fordert die AK:

  • Maßnahmen zur Erhöhung der Qualität in der Lehrlingsausbildung: Ursachenforschung und Maßnahmen für Lehrberufe mit überdurchschnittlich hohen Abbruchraten; Anspruch auf ein Teilzeitlehrverhältnis und die Verlängerung der Lehrzeit nach Geburt eines Kindes, Optimierung der Förderungen für die betriebliche Ausbildung von Lehrlingen; verpflichtende Weiterbildung der Ausbildner
  • Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung für Kinder unter 3 Jahren: In Aussicht gestelltes Recht auf kostenloses zweites Kindergartenjahr muss beschlossen werden
  • Beseitigung der Bildungsbarrieren im Schulsystem durch Einführung von (verschränkten) Ganztagesschulen und der Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen
  • Die Schulpflicht neu denken: In der Pflichtschule Rechtsanspruch auf Schulbildung bis zum Erreichen der Mindeststandards
  • Intensivierung der Berufsorientierung in den Schulen ab der 7. Schulstufe
  • Ende der Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Gezielte Aufklärung über Schulformen und Ausbildungsmöglichkeiten für Eltern und Jugendliche; Ausbau der Berufsorientierung sowie einer Bildungs- und Berufsberatung mit niederschwelligem Zugang; Informationsoffensive in Betrieben, um diskriminierendem Rekrutierungsverhalten vorzubeugen
  • Schaffung von fairen gesetzlichen Rahmenbedingungen für (Pflicht)Praktika mit dem Ziel der Sicherung eines fairen Berufseinstiegs und der Zurückdrängung des Phänomens „Generation Praktikum“
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer
  • Anhebung der Mindestsicherung auf eine existenzsichernde Höhe, ausreichende Ressourcen für die Betreuung der Mindestsicherungsbezieher und bedarfsgerechte arbeitsmarktpolitische Hilfen.

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen