AK kritisiert Salzburger Verkehrspolitik scharf

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Salzburgs Pendler stehen fast täglich im Stau.
Salzburgs Pendler stehen fast täglich im Stau. - © FMT-Pictures
Was für viele Pendler in Salzburg schon lange klar ist, spricht jetzt die Arbeiterkammer (AK) Salzburg aus: „Das Verkehrssystem im Bundesland Salzburg ist bereits unter Normalverhältnissen am Limit“. Die AK fordert Salzburgs Politik scharf auf, endlich aktiv zu werden.

Täglich pendeln 52.800 Erwerbstätige nach Salzburg. Dazu kommen noch einmal knapp 10.000 Schüler und Studenten. 44.435 Personen pendeln innerhalb der Stadt zur Arbeit und 15.364 an Schulen oder die Universität. Das sind in Summe über 120.000 Menschen die täglich nach oder in Salzburg unterwegs sind. Ihnen stehen rund 20.000 Menschen gegenüber, die die Stadt jeden Tag für die Arbeit oder Ausbildung verlassen. Nicht jeder davon fährt mit dem Auto. „Zusätzlich gibt es zahlreiche Touristen-, Besuchs- und Einkaufsfahrten sowie Güterverkehr“, sagt AK-Verkehrsexperte Christian Laireiter.

“Hauptlast des Verkehrs schultern Arbeitnehmer und Familien”

AK-Präsident Siegfried Pichler: „Das Verkehrssystem im Bundesland Salzburg ist bereits unter Normalverhältnissen am Limit. Ein Unfall oder eine sonstige Verkehrsbehinderung genügt und schon stehen Stadt und Land still. Unkoordinierte Baustellen im Straßennetz wie heuer im Sommer machen aus dem Verkehrsnotstand ein Dauerärgernis. Und auch, wenn die Landesspitze neuerdings bei jeder Gelegenheit betont, wie die Wirtschaft darunter leidet: Die Hauptlast des Verkehrs schultern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie auch Familien!“

Stau kostet eine Woche Freizeit im Jahr

Dazu ein Rechenbeispiel: Schon wenn man im täglichen Stau nur fünf Minuten in jede Richtung verliert, also zehn Minuten pro Tag, summiert sich das in einem Jahr mit 225 Arbeitstagen auf eine ganze Arbeitswoche! Dabei gehen die AK-Experten vom „normalen“ Stau aus. Aktuell verliert man ein Vielfaches dieser Zeit. „Das macht nicht nur mindestens eine Urlaubswoche im Jahr aus! Viele Arbeitnehmer fahren schon bei ruhigem Verkehr bis zu einer Stunde in die Arbeit. Kommt auf jeder Strecke noch einmal eine halbe Stunde Stau dazu, dann macht die reine Wegzeit täglich drei Stunden aus. Diese Zeit fehlt als Erholungs- und Familienzeit. Die Ansage acht Stunden Schlaf, acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit wird zum puren Hohn!“, kritisiert Siegfried Pichler: „In den letzten Wochen entstand der Eindruck, dass der Stau vor allem für die Wirtschaft ein Problem ist. Natürlich leiden auch die Unternehmen darunter. Aber zuallererst ist die Verkehrsmisere eine große Belastung für Arbeitnehmer, die sowieso schon viele Überstunden leisten, und ihre Familien“, so der AK-Präsident. Die Verkehrsplanung darf nicht zu kurz greifen. „Und sie darf sich nicht allein in den Bedürfnissen der Wirtschaft verlieren!“

AK Salzburg fordert Taten statt Worte

Der AK gehen die Pläne der Landesregierung zum Lindern der Problematik nicht weit genug: Seit Jahren liegt das Projekt für eine Y-förmige Organisation der S-Bahn im Land „halbfertig“ am Tisch. Genau dafür wurden seit 1997 von Bund, Land und Stadt Salzburg sowie den ÖBB rund 300 Millionen Euro investiert. Sowohl die Südstrecke Golling-Salzburg wie auch die Weststrecke Salzburg-Freilassing sind eigentlich fertig. Einzig der 15-minütige Takt kann nicht kommen, so lange auf der Ost-Strecke von Salzburg bis Straßwalchen kein 30-minütiger Takt samt Haltestelle Seekirchen Süd verfügbar ist. „Der Takt ist das Herzstück des gesamten öffentlichen Verkehrs. Nur durch ein dichtes und flächendeckendes Netz kann der Straßenverkehr wirklich reduziert werden. Der öffentliche Verkehr muss vor allem attraktiver werden. Sonst steigen die Leute nicht um!“, sagt Siegfried Pichler.

Mehr Kosmetik statt Nachhaltigkeit?

So manche aktuelle Maßnahme sieht bereits jetzt mehr nach Kosmetik, denn nachhaltig aus: Der Bahnhof Steindorf bei Straßwalchen, dort gibt es 165 Pendlerparkplätze, soll zu einem Nebenschauplatz degradiert werden. Im vorgesehenen neuen Knotenpunkt Neumarkt werden zu den bestehenden 140 Parkplätzen rund 200 neue entstehen. „Richtig wäre, beide Bahnhöfe auszubauen und keine Züge nach Steindorf zu streichen! Auch die angekündigten zusätzlichen 800 P&R Parkplätze im Land bis 2017 bringen nur etwas, wenn auch ein entsprechendes Zugangebot vorhanden ist!“, so Siegfried Pichler.

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