Albertina zeigt Bildhauer Karl Prantl

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Karl Prantl ist vor vier Jahren verstorben
Karl Prantl ist vor vier Jahren verstorben
Berühren ist hier ausdrücklich erlaubt: Die Steinskulpturen Karl Prantls sollen nicht nur visuell, sondern auch taktil erfahren werden. Bis 1. Februar ist in der Albertina mit “Die Sprache der Steine” eine Ausstellung zum laut Klaus Albrecht Schröder – diesmal Direktor und Kurator in Personalunion – “mit Sicherheit bedeutendsten nicht-gegenständlichen Bildhauer Österreichs” zu sehen.


Zunächst machen die Werke Prantls (1923-2010) allerdings visuellen Eindruck: Für seine teils jahrzehntelang bearbeiteten Skulpturen bediente sich der Künstler unterschiedlichster Steine wie grünen Serpentinits, silber-schwarzen Labradors oder rötlich-weißen Gummerner Marmors. Nur einige von ihnen sind auf schlichten Betonsockeln aufgestellt, die anderen liegen – wie von Prantl intendiert – direkt am Parkett der Pfeilerhalle.

Immer wieder tauchen dabei dieselben, von der katholischen Symbolik geprägten Motive und Ornamente auf: Rosenkranzähnliche Kugeln, die teils wie Griffe vom Stein abstehen, Kreuze, Ringe und Wellen, die an das Wasser im Taufbecken erinnern. Gipsvorlagen, Skizzen und Studien am Stein oder Ähnliches seien dabei für den Bildhauer nie infrage gekommen: “Prantl arbeitete direkt in den Stein hinein”, erklärte Schröder bei der Presseführung am Donnerstag.

“Er ist ein reiner Steinbildhauer”, so der Albertina-Direktor weiter. Mit wenigen Bronze-Ausnahmen im Frühwerk habe sich der Künstler immer auf die Arbeit mit den unterschiedlichsten Steinen konzentriert. Bekannt sind von Prantl vor allem seine großformatigen Skulpturen in Landschaften, oder etwa der Nürnberger Kreuzweg bzw. seine Arbeit im Steinbruch von St. Margarethen, wo er auch das erste Symposion Europäischer Bildhauer organisierte. In der Albertina konzentriert man sich jedoch auf die Kleinskulpturen – also auf Steine bis zu einer halben Tonne Gewicht.

Begleitet werden die Steine Prantls einerseits von Kohlezeichnungen aus seinem Frühwerk, die das plastische Denken des Bildhauers bereits ein wenig vorweg nehmen, sowie von Werken seiner Kollegen und Freunde. “Prantl steht nicht in der Tradition der österreichischen Bildhauerei nach 1945 von Wotruba bis Avramidis, die alle figurativ gearbeitet haben”, so Schröder. Stattdessen knüpfte er Beziehungen zu nationalen und internationalen Künstlern wie Arnulf Rainer (dessen Werk derzeit ebenfalls eine Albertina-Retrospektive gewidmet ist), Heinz Mack, Morris Louis, Gotthard Graubner oder Lucio Fontana.

“Prantl bearbeitete seine Steine, bis sie so aussahen, als seien sie immer schon so gewesen”, meinte Schröder. Er begreife Steine nicht als tote Dinge, sondern vielmehr als wachsende und fließende Objekte ähnlich Pflanzen. Prantls Sinn für Oberfläche und Materialität zeigt sich dann nicht nur in den eindringlichen glatten kreuzähnlichen Skulpturen aus schwarz-schwedischem Granit, sondern auch in Steinen, die noch kleine Flecken raue, scheinbar unbearbeitete Fläche aufweisen. “Jeder Besucher ist gebeten, die Steine zu begreifen”, meinte Schröder.

(S E R V I C E – “Karl Prantl. Die Sprache der Steine”, 17. Oktober bis 1. Februar 2015, Pfeilerhalle Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien,, Katalog zur Ausstellung, 105 Seiten, 25 Euro)

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