Alisa Buchinger im Sonntags-Talk: “Mein Traum ist es, Olympiasiegerin zu werden “

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Alisa Buchinger ist eine Kumite-Karateka aus Salzburg.
Alisa Buchinger ist eine Kumite-Karateka aus Salzburg. - © APA/ S24/privat
Für Alisa Buchinger startet das Jahr 2018 erst so richtig im Mai. Nach der in Paris erlittenenen Knieverletzung kämpft sich die Karate-Weltmeisterin von 2016 wieder zurück an die Spitze. Im Sonntags-Talk spricht die 25-Jährige mit SALZBURG24 über den Traum von Olympia, die ungewohnte Rolle als Zuschauerin und Selfies auf Instagram und Co.




Der Jänner begann mit starken Trainingsleistungen eigentlich optimal für Alisa Buchinger, doch der erste Monat des Jahres endete in einem Krankenbett im Salzburger Unfallkrankenhaus.

Mittlerweile ist die komplizierte Verletzung auskuriert, es geht steil bergauf. Der gezwungenermaßen verspätete Saisonstart beginnt für Österreichs Hoffnung auf Olympisches Edelmetall im Sommer 2020 am 10. Mai bei den Karate-Europameisterschaften in Serbien.

SALZBURG24: Wie geht es dir nach deiner Verletzung?

ALISA BUCHINGER: Momentan geht es mir gut. Der allerletzte Schliff zu den 100 Prozent fehlt noch. Manchmal kommen im Knie auch kleine Wehwehchen auf. Im Grunde genommen kann ich mich aber nicht beklagen, weil es alles recht schnell über die Bühne gegangen ist und ich rasch mit der Physiotherapie angefangen habe. Ich freue mich auf die EM Anfang Mai und werde mein Bestes geben.

Haben dir deine Erfahrungen vergangener Verletzungen jetzt etwas nützen können?

Dieses Mal ist es mir leichter gefallen, muss ich ehrlich sagen. Man kann es eh nicht ändern und muss damit umgehen können. Selbst sich noch mehr Druck zu machen, bringt überhaupt nichts. Ich muss nach vorne schauen und habe mir selbst mehr Zeit gegeben. Das war für mich die beste Entscheidung. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht so gemacht. Heuer hatte ich ein ungutes Gefühl früher zu starten.

Was war es für ein Gefühl für dich, beim Premier-League-Turnier in Salzburg nur zuzuschauen?

Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Aber ich wusste schon vorher, dass es sich nicht ausgehen wird. Dementsprechend war es auch mal ganz nett, alles von zu außen betrachten und zu sehen, wie die anderen kämpfen. Ich fand das total spannend, weil man als Kämpferin einen ganz anderen Blickwinkel hat.

Wie sieht deine Jahresbilanz nach knapp vier Monaten aus?

Derweil kann ich ja noch nicht so viel über das Jahr sagen (lacht). Eigentlich hat es gut begonnen, bis ich in der der zweiten Runde beim ersten Wettkampf wegen meiner Verletzung ausgeschieden bin. Danach war die Saison vorerst auf Eis gelegt und ich habe an meinem Comeback gearbeitet. Aber ich sehe das alles positiv, weil sich meine Konkurrenz schon die Köpfe eingeschlagen hat und dementsprechend müde ist.

Aus meiner Zwangspause kann ich vielleicht genügend Energie schöpfen, um topfit in die zweite Saisonhälfte zu starten und ab September (Start der Olympia-Qualifikation, Anm.) zu zeigen, was in mir steckt.

Karate ist 2020 erstmals olympisch. Dafür hast du dein Kampfgewicht reduziert (von 68 auf 61 Kilo, Anm.) – was sind die Folgen und Herausforderungen?

Letztes Jahr habe ich schon mein Gewicht reduziert, das macht es mir jetzt einfacher. Das Gute ist, dass man dadurch schneller wird. Anfangs war meine Konkurrenz noch recht überrascht, dass ich in der niedrigeren Gewichtsklasse bin. Bisher hatte ich aber keine Probleme oder Schwierigkeiten – mal schauen, wie es nach dem kompletten Ausheilen der Verletzung wird.

Was sind deine Highlights im Jahr 2018?

Auf jeden Fall die Europameisterschaft Anfang Mai, danach geht es noch vor der Sommerpause mit ein paar Weltcups weiter. Im September steigt in Berlin das erste Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2020. Der Jahresabschluss ist im November mit der Weltmeisterschaft.

Wie läuft die Qualifikation für Olympia überhaupt ab?

Zu den Qualifikations-Turnieren werden die besten 64 der Welt eingeladen. Bei diesen speziellen Turnieren geht es darum die meisten Punkte zu sammeln, um im Ranking Anfang 2020 unter den Top-4 zu sein – so funktioniert die Qualifikation über die Weltrangliste. Außerdem gibt es das Olympia-Ticket bei einer WM-Medaille. 2020 gibt es dann noch einzelne Turniere, um nach China zu fahren. Insgesamt gibt es pro Gewichtsklasse gerade einmal zehn Plätze. Wenn du erstmal bei Olympia bist, ist es nicht mehr so schlimm (lacht). Nur der Weg dahin ist verdammt schwer.

Hast du einen speziellen Olympia-Trainingsplan?

Nicht direkt, denn man trainiert ja jeden Tag auf etwas hin. Es wird immer versucht an den Defiziten zu arbeiten und die Stärken weiter zu optimieren. Meine Trainer stehen im ständigen Austausch, wir denken aber von Wettkampf zu Wettkampf. Wichtig ist, spätestens im September auf meinem höchsten Level zu sein.

Mit sieben Goldmedaillen räumte Salzburg bei den letzten Staatsmeisterschaften ab. Warum ist Salzburg das Karate-Land Österreichs?

In Salzburg haben wir im Sportzentrum Mitte eine zentral gelegene Trainingshalle, in die auch andere Karatevereine kommen. Es gibt nur einen Verein für den Profisport, darum konkurrieren die Breitensportvereine nicht untereinander. Wenn ein Nachwuchsathlet sich für höhere Aufgaben empfehlen will, kann er bei uns mittrainieren. Deswegen haben wir große Trainingsgruppen, die einander ergänzen. Und weil wir mittlerweile sechs Bundesheer-Athleten sind, haben wir noch eine bessere Gruppe, die in der Früh und am Abend miteinander trainiert. Das Zusammenspiel passt perfekt.

Wäre eine eigene Karate-Halle das i-Tüpfelchen?

Das wäre natürlich optimal, aber wir haben das Glück im Olympiastützpunkt Rif eine Gymnastikhalle für eine weitere Trainingseinheit nützen zu können. Wir sind aber eine Sportart, die nicht so viel zur Verfügung hat. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

Eine Olympische Medaille sollte bei der Geldfrage helfen…

Ja, darauf arbeite ich hin (lacht).

Stichwort Geld: Du bist seit Kurzem stolze Besitzerin einer eigenen Wohnung. Wie war die Umstellung vom Salzburger Nonntal raus nach Rif?

Es lebt sich sehr schön in Rif. Die Natur ist ein Traum und unsere Trainingsmöglichkeiten im Olympiazentrum sind nur wenige Meter entfernt.

Seit Neuestem bist du auch offizielle Botschafterin der Stadt Salzburg. Wie kann man sich das vorstellen?

Wenn die Stadt Salzburg mich braucht, helfe ich bei Kampagnen, wie dem Woman’s Day. Außerdem werbe ich bei meinen Weltcup-Stopps in Asien mit Videobotschaften oder Fotoshootings für Salzburg. Das passt gut.

Siehst du dich selbst als Aushängeschild Salzburgs bzw. Österreich?

(überlegt) Das ist schwierig. Ich denke schon, dass ich für manche ein Vorbild bin. Aber jeder, der nur ein wenig in der Öffentlichkeit steht, ist einer gewissen Art und Weise ein Vorbild. In Salzburg werde ich oft angesprochen, aber in Wien interessiert das keinen. Aber ich mache das nicht, um berühmt zu werden, sondern weil es mir Spaß macht. Zuerst war es mein Ziel, Weltmeisterin zu werden – nun ist es mein Traum Olympiasiegerin zu werden. Ich habe auch nie damit gerechnet, dass ich so weit komme. Toll ist, dass Karate in den letzten zehn Jahren einen solchen Aufschwung erlebt hat.

Machst du gern Selfies mit Fans?

Das mache ich schon gern. Nur wenn es zu viel wird, ist es mir unangenehm. Zum Glück ist das bei mir nicht im Ansatz so arg wie bei Marcel Hirscher. Ich bewundere ihn, wie er das alles meistert.

Bei meinem WM-Sieg in Linz war ich so überglücklich und wusste gar nicht, wohin mit meiner Freude. Ich wollte sofort mit meiner Familie und Freunden feiern, habe aber gut eineinhalb Stunden mit Interviews, Selfies und Autogramme geben verbracht und überhaupt gar nicht realisieren können, was überhaupt passiert ist. Als ich dann meine Liebsten gesehen habe, war alles irgendwie verpufft. In so einer Situation will man den Moment genießen, muss aber trotzdem professionell sein und darf nicht grantig wirken. Die WM war aber ein Extrembeispiel und wird sich so bald eh nicht wiederholen (lacht).

Mit wem möchtest du selbst mal ein Selfie machen?

Mit meiner Lieblingsschauspielerin Shay Mitchell aus der Serie “Pretty Little Liars”, die ich während meiner Verletzungspause verschlungen habe. Außerdem mit Dwayne “The Rock” Johnson, der schon immer ein Vorbild für mich war.

Welche Rolle spielen soziale Medien für dich?

Snapchat nutze ich nur noch selten, der Hype ist eh vorbei. Unerklärlich ist für mich, wie kleine Kinder davor hängen. Mittlerweile achte ich darauf, dass ich mein Handy auch mal zur Seite lege. Instagram mag ich gern zum Stories schauen. Außerdem folge ich Leuten, die mich interessieren. Ich poste aber nur selten selbst Bilder und plane sowas auch nicht. Fürs Marketing nutze ich es auch nur manchmal. Instagram ist auch bewusst auf privat gestellt, damit ich sehen kann, wer mir so folgt.

Kommen auch dumme Kommentare?

Anfangs war das noch ganz lustig, jetzt nervt es nur mehr. Manche schreiben, dass sie mit mir als Karatekämpferin keinen Beziehungsstreit haben möchten. Was glauben die denn bitte? Ein Polizist kommt ja auch nicht heim, spielt mit seiner Waffe und bedroht seine Familie. Ich glaube, man kann Streits heute auch mit Worten lösen. Am Ende machen sich die Burschen mit solchen Aussagen nur selbst lächerlich.

Wie schauen deine sonstigen Pläne für das restliche Jahr aus?

Privat ist noch nicht viel geplant, ich lasse mich voll auf das Jahr ein (lacht).

Was sind deine Geheimtipps für den Sommer in Salzburg?

Ich finde es im Mirabellgarten und auf der Festung einfach schön, genauso wie an den zahlreichen Seen oder auch am Almkanal in der Stadt Salzburg. Ich habe keinen Favoriten, Salzburg ist wunderschön.

Danke für deine Zeit, Alisa.

 

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