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24. September 2012 11:22; Akt.: 24.09.2012 11:22

Alpine setzt auf neuen Markt Norwegen

Alpine-Baustelle für eine 270 Meter lange Schrägseilbrücke an der Europastraße E6 am Kafjord bei Alta. Der A-Pylon wird fertiggestellt fast 73 Meter hoch sein. Alpine-Baustelle für eine 270 Meter lange Schrägseilbrücke an der Europastraße E6 am Kafjord bei Alta. Der A-Pylon wird fertiggestellt fast 73 Meter hoch sein. - © APA/Fritz Neumüller
Der Salzburger Baukonzern Alpine zog millionenschwere Aufträge in Norwegen an Land.

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Die Zeit drängt. Wenn der Winter kommt – und der Winter beginnt nördlich des Polarkreises bereits Ende Oktober – wird auf der Baustelle nichts einfacher. Dann drohen hier Extrem-Temperaturen von minus 30 Grad Celsius und Stürme mit bis zu 120 km/h Windgeschwindigkeit. Dazu kommen die Monate ständiger Dunkelheit, die sich rasch einmal aufs Gemüt schlagen können. Eine Pause wird es für die Arbeiter dennoch nur über die Weihnachtsfeiertage geben – das Bauwerk soll fristgerecht im kommenden Juli fertig werden.

Alpine seit Früjahr 2011 in Norwegen

Seit dem Frühjahr 2011 baut der österreichische Baukonzern Alpine im Norden Norwegens eine Schrägseilbrücke über den Kafjord nahe der Stadt Alta. Auf über 50 Metern Höhe ist der Pylon aus Stahlbeton mittlerweile angewachsen, im Endzustand wird der dann 73 Meter hohe Turm die Kabel der 270 Meter langen Brücke tragen. Doch nicht nur das subpolare Klima, auch die exponierte Lage macht die Arbeit schwierig. “Die Distanzen sind lang. Die Bewehrungseisen müssen wir 1.400 Kilometer weit aus Trondheim antransportieren. Wenn da etwas nicht passt, geht das nicht so einfach wieder retour”, erklärte Bauleiter Marcello Gebhardt bei einem Lokalaugenschein. “Und wenn wir betonieren, brauchen wir drei verschiedene Betonwerke, weil die Kapazitäten hier oben so gering sind.”

170 Mio. Euro Auftragswert

Das 17-Millionen-Euro-Projekt am Kafjord ist eine Premiere, der erste Auftrag der Alpine in Norwegen. Mittlerweile sind zwei weitere Projekte dazugestoßen, darunter ein veritabler Großauftrag: Am Mjosa-See rund 80 Kilometer von Oslo entfernt baut der Konzern einen 6,4 Kilometer langen vierspurigen Autobahnabschnitt und 5,2 Kilometer einer parallel dazu laufenden Eisenbahntrasse – inklusive drei Tunnels. Auftragswert: 170 Mio. Euro.

Turbulente Zeiten für Alpine

Das neue Engagement in Norden stellt für die Alpine einen Lichtblick dar. Österreichs zweitgrößter Baukonzern macht derzeit turbulente Zeiten durch: Nach Verlusten will sich die Alpine Schritt für Schritt aus den einstigen Hoffnungsmärkten in Ost- und Südosteuropa zurückziehen. Die Wirtschafts- und Schuldenkrise bremst öffentliche Investitionen, in Polen laufen nach der Bau-Euphorie im Zuge der Fußball-EM Rechtsstreitigkeiten, etwa weil der Auftragegeber des von der Alpine miterrichteten Nationalstadions in Warschau Zahlungen zurückhält. Auch bei den Beziehungen zur spanischen Mutterfirma FCC soll es nicht zum Besten stehen: Zahlreiche langjährige Manager haben das Unternehmen zuletzt verlassen.

Das Königreich im Norden kommt hier nicht ungelegen. Norwegen hat einen stabilen Staatshaushalt, verfügt über Rechtssicherheit und hohe Zahlungsmoral, vor allem aber gibt es einen Investitionsboom in die Verkehrsinfrastruktur. Jahrelang hat das Fünf-Millionen-Einwohner-Land vorwiegend in den Ausbau der Ölindustrie investiert, nun soll die Infrastruktur massiv ausgebaut und erneuert werden: Flughäfen, Häfen, Straßen und Bahnverbindungen. Die dazu vorgesehenen Beträge im Budget wurden zuletzt um 45 Prozent erhöht, die nächste Steigerung um weitere 45 Prozent für die Jahre 2013 bis 2024 wurde bereits beschlossen.

Win-Win-Situation für Norwegen und Ö

“Norwegen hat aber die Ressourcen für diese Projekte nicht. Es fehlt an Ingenieuren, Projektmanagern, Arbeitern und Maschinen”, sagte Jörn Wisser, Geschäftsführer der Alpine Bau GmbH. “Das Land hat ausländische Unternehmen zum Bieten eingeladen. Und wir können das liefern. Österreich hat im Tief-Bau das nötige Know How. Das ist eine Win-Win-Situation.” Zumal die Zahl der Konkurrenten noch gering sei. Bei allen drei Projekten habe es laut Wisser jeweils nur drei Bieter gegeben. “Das ist einer der Gründe, warum wir in diesen Markt wollen.”

Als Bau-Schlaraffenland will er Norwegen aber nicht bezeichnen und Markteinsteiger dürften am Anfang wohl einiges an Lehrgeld zahlen. “Es ist eine kulturelle Herausforderung, auch wenn die Mentalität ähnlich ist. Die Vertragssprache ist Norwegisch, das macht es nicht leichter. Auch im Tagesgeschäft gibt es Hürden. Es war etwa sehr schwer, eine Genehmigung für einen österreichischen Sprengexperten zu bekommen.”

Norweger Bauunternehmer im Sommer auf Urlaub

Auch die Suche nach Subunternehmern für Projekte ist nicht immer einfach. Weil die Auftragslage im Land gut ist, könnten es sich einheimische Partner leisten, genau auszuwählen – bis hin zum Monopol. Dazu stoßen das Kursrisiko zur Norwegischen Krone und ein hohes Niveau der Sozialleistungen. “Man muss hier die Arbeiter dreimal täglich mit Nahrungsmittel versorgen. Das ist eine gesetzliche Verpflichtung.”

Und noch eine Eigenheit gibt es im Land: Im Sommer, der besten Bauzeit, machen die meisten Unternehmer mehrere Wochen Urlaub. Der Bauleiter am Kafjord, Marcello Gebhardt, schüttelte dazu nur den Kopf. Denn bald wird er wieder in Polarausrüstung über die entstehende Brücke wachen. Mit dicken Handschuhen, Sturmhaube, und drei Schichten langer Unterhosen. (APA)



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