Als Salzburg noch dreisprachig war

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Die Ruprechtskirche in Wien ist ein Stück Salzburg im Osten.
Die Ruprechtskirche in Wien ist ein Stück Salzburg im Osten. - © Bwag/Wikimedia
Warum der Landespatron lediglich Bischof in aber nicht von Salzburg war, warum trotzdem Kirchen im heutigen Ausland seinen Namen tragen und zu welcher Zeit Salzburg dreisprachig war, dem geht dieser Salzburger Grenzfall nach.

13 Rupertkirchen gibt es in Bayern, ebenso viele in Kärnten, neun in der Steiermark, eine in Niederösterreich, eine in der Schweiz und zwei in Slowenien. Alle haben den Heiligen Rupert von Salzburg als Patron und sind damit Stein gewordene Landesgeschichte.

Salzburg – Eine Ausländergründung

Das kam so: Rupert war nach heutiger Lesart Ausländer, aus dem rheinländischen Worms nämlich. Seine deutschen Nachfahren stellen übrigens heute die Mehrheit bei den Ausländern in Salzburg. Bayernherzog Theodor schickte den aus dem Hochadel stammenden Rupert auf innere Mission. Den Ort durfte sich der zum Bischof von Worms Geweihte selber aussuchen und fuhr donauabwärts bis zur Enns, kehrte aber angesichts der allzu wilden Awaren um. Auf dem Landweg gelangte er mit Zwischenstopp in Seekirchen nach Salzburg. Dort gründete er das Kloster St. Peter als dessen erster Abt und das Stift Nonnberg. Bischof von Salzburg war er nie, weil man nur Bischof einer einzigen Diözese sein durfte.

Missionarischer Drang nach Südosten

Binnen einhundert Jahren stieg Salzburg zum Erzbistum auf und etablierte sich als Schaltzentrale der Christianisierung der Karantanen. So wurden damals die südlich und östlich lebenden slawischen Völker genannt. Bis Mitte des 8. Jahrhundert hieß es warten, da die Awarengefahr noch nicht gebannt war. Anfangs fehlte es an Sprachkundigen, die Salzburgs Verkündigungswillen – und in Folge Herrschaftsansprüche – ost- und südwärts tragen konnten. Das sollte sich in den späten 750er Jahren rasch ändern und für einen Boom an Rupertkirchen, sozusagen ein Salzburger Markenzeichen, sorgen.

Ortsnamen mit slawischem Einschlag

Die Salzburger waren im Missionsjob unter anderem deswegen erfolgreich, weil sie mehr Sprach-Spezialisten aufbieten konnten als andere. Denn im Ausklang der Völkerwanderungszeit war das Land quasi dreisprachig: theodisk, ein Vorläufer des heutigen Deutsch, wurde in etwa bis zum Pass Lueg gesprochen, die römische Restbevölkerung sprach romanisch. Im Lungau, im Gasteinertal und im Ennspongau war Slawisch vorherrschend. Der Zauchensee leitet sich zum Beispiel vom slawischen Wort für trocken ab.

Kirchliches Wien begann mit Rupert

In Wien ist die römisch-katholische Ruprechtskirche die älteste in ihrer Grundsubstanz noch bestehende Kirche der Stadt, der Legende nach 740 gegründet, 1200 urkundlich erwähnt. Die Kirche war auch die Keimzelle der Pfarre von Wien, erst 1147 ging diese Funktion auf den Stephansdom über. Im Osten des heutigen Slowenien gibt es links und rechts der Save gleich zwei Rupertkirchen, die gotische von Šentrupert wurde um 1450 erbaut und gehört zu den schönsten in Slowenien.

Wenn man also unterwegs an einer Rupertkirche hält, hat man gute Chancen, auf ein Stück Heimatgeschichte gestoßen zu sein.

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