Altstadtverband-Chefin Inga Horny im Sonntags-Talk: “Wir haben die Salzburger verloren”

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Inga Horny lenkt seit 18 Jahren die Geschicke des Salzburger Altstadtverbandes.
Inga Horny lenkt seit 18 Jahren die Geschicke des Salzburger Altstadtverbandes. - © Wildbild, APA/Barbara Gindl
Wenn sich kommende Woche alle 28 Regierungschefs der EU in Salzburg treffen, ist der Blick der Welt auf das Geschehen zwischen Mönchsberg und Kapuzinerberg gerichtet. Als Chefin des Altstadtverbandes prägt Inga Horny das Treiben in der Mozartstadt seit 18 Jahren maßgeblich mit. Ende des Jahres wird sie diese Funktion allerdings zurücklegen. Im Sonntags-Talk erklärt die 52-Jährige, wie Salzburg den Gipfel für sich nutzen kann und warum man künftig die Salzburger selbst wieder mehr in den Mittelpunkt stellen sollte.




SALZBURG24: Was sehen Sie als Ihre prägendsten Errungenschaften für die Salzburger Altstadt der vergangenen 18 Jahre an?

INGA HORNY: Rückblickend sind es insbesondere auch 18 Jahre Jazz & The City, die mich bewegen. Von der Gründung im Jahr 2000 mit drei Konzerten in kleineren Lokalen bis hin zu dem Festival, das es heute ist. Dahinter steckt natürlich auch meine persönliche Leidenschaft für zeitgenössische Musik.

Wird das Jazzfestival von den Salzburgern gut angenommen?

Das Jazzfestival ist, so wie es wächst, beliebt bei den Besuchern. Wir sind immer nahezu voll. Man kann etwas erleben, mit Menschen in Kontakt sein und neue Musik kennenlernen und das alles kostenlos. Salzburg ist eher eine ernste Stadt und es tut ihr gut, im Oktober mit einem Festival dieses Formats etwas Leichtigkeit zu gewinnen.

Inga Horny (li.) und Tina Heine, künstlerische Leiterin von Jazz & The City./Neumayr/MMV/Archiv Inga Horny (li.) und Tina Heine, künstlerische Leiterin von Jazz & The City./Neumayr/MMV/Archiv ©

Sie beschreiben Salzburg als eine ernste Stadt. Wie würden Sie als gebürtige Steirerin den typischen Salzburger charakterisieren?

Ich fühle mich seit 18 Jahren wohl, insofern sind die Salzburger sehr sympathische Menschen. Ich finde, sie sind wahnsinnig musikaffin und neugierig, was man auch beim Jazz-Festival immer wieder merkt. Man kann das Salzburger Publikum mit ganz schwerer Kost konfrontieren und wird da auf breites Interesse stoßen.

Die Salzburger sind aber auch ernsthaft, was ich nicht als negativ empfinde. Generell wird weniger gelacht als in der Steiermark, das muss man schon zugeben (lacht). Im Süden Österreichs sind die großen Menschen des Faschings zuhause. Das ist etwas, dass es in Salzburg so gut wie gar nicht gibt.

Ende des Jahres legen Sie Ihre Funktion im Altstadtverband zurück. Geht es in die Steiermark oder bleiben Sie in Salzburg?

Mein erster Schritt führt mich nach Hause in die Steiermark. Das hat familiäre Gründe. Von dort aus werde ich mich neu orientieren und mit ein bisschen Abstand in die Zukunft schauen. Ich werde Bücher lesen, die mich interessieren, Orte bereisen, in die es mich hinzieht und mir auch Gedanken machen, wie ich die nächsten 15 Jahre meines beruflichen Lebens verbringen möchte.

Bis dahin bleibt noch ein bisschen Zeit. Was steht für Sie zum Abschluss im Fokus?

Es gilt vor allem die Zielgruppe der Salzburgerinnen und Salzburger wieder mehr anzusprechen und durch attraktive Angebote in die Stadt zurückzuholen. Diese haben wir in den letzten Jahren durchaus auch verloren. Das ist die Aufgabe der Zukunft.

Die ersten Maßnahmen sind bereits in Umsetzung. Das eine ist die neue Homepage, das andere ist eine eigene Altstadt-Printbeilage, die die Themen, die für diese Zielgruppe interessant sind, kommunizieren sollen. Das soll helfen, die Menschen, die in Salzburg und im 100-Kilometer-Radius herum wohnen, wieder auf die Altstadt und ihre Vorzüge aufmerksam zu machen.

Auf dem Makartsteg tummeln sich regelmäßig viele Touristen./APA/Barbara Gindl/Archiv Auf dem Makartsteg tummeln sich regelmäßig viele Touristen./APA/Barbara Gindl/Archiv ©

Viele kritisieren, dass die Stadt mittlerweile eher für Touristen als für Einheimische etwas zu bieten habe. Werden Marketingmaßnahmen ausreichen, um die “verlorenen” Salzburger wieder zu überzeugen?

Ich glaube, da liegt ja schon der sprichwörtliche Hund im Detail. Die Stadt ist an manchen Hotspots an manchen Tagen sehr touristisch. Die Altstadt umfasst aber nicht nur den Dom und die Getreidegasse. Sie hat mit der Linzergasse, dem Kaiviertel, Nonntal oder Mülln noch so viel mehr zu bieten. Dort sind weit und breit keine Touristen und trotzdem gibt es ein Altstadtangebot.

Man darf das Thema Tourismus aber auch nicht unterschätzen und vernachlässigen. Menschen, die reisen wollen, kann man dies nicht verwehren. Salzburg muss sich überlegen, wie man den Touristenstrom steuern kann. Müssen wirklich alle geführten Touren über den Makartsteg gehen? Gibt es geeignetere Orte für die Busterminals? Können wir zusätzliche touristische Attraktionen in anderen Stadtteilen schaffen, damit sich nicht alles auf die Altstadt konzentriert?

Natürlich wird man auch bis zu einem bestimmten Maße deckeln müssen. In manchen Museen ist es bereits so, dass man sich das Ticket bereits zuhause vorbestellen muss und man erhält eine Zeitspanne, wann man es besuchen kann. Über solche Systeme wird man nachdenken müssen. Denn es kann auch nicht jeder in ein Konzert gehen. Wenn es ausverkauft ist, ist es eben so. Die Stadt hat etwas in diese Richtung bereits mit den Bus-Slots versucht. Ich halte es für den richtigen Weg, zu sagen, wir können eine bestimmte Anzahl von Busgästen pro Tag aufnehmen – und mehr geht halt nicht.

Gerade an Schlechtwetter-Tagen ist Salzburg im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Sind Pförtner-Ampeln, wie sie heuer eingesetzt wurden, eine geeignete Maßnahme?

Touristen lesen und hören keine heimischen Medien. Wenn ich über heimischen Medien kommuniziere, die Altstadt ist gesperrt, erreiche ich diejenigen, die davon nicht betroffen sind. Viele Einheimische lassen sich aber abschrecken und bleiben generell fern. Man muss Park&Ride-Systeme attraktiv machen – egal bei welchem Wetter. Das geht über zwei Wege: Erstens muss der Preis passen, zweitens muss die Shuttle-Verbindung in die Stadt dicht getaktet sein. Da haben wir in beiden Bereichen noch Luft nach oben.

Wäre die Stadtregionalbahn ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Das wage ich nicht zu beurteilen. Aber wenn die Stadtregionalbahn, so wie es geplant ist, in einem ersten Schritt bis zum Schloss Mirabell führt, und irgendwo an der Strecke, etwas außerhalb, ein großes Park&Ride-Haus errichtet wird, könnte dies mit Sicherheit eine attraktive Lösung werden und viele zum Umsteigen bewegen. Der jetzige Park&Ride-Platz am Messezentrum liegt allerdings fernab davon.

Grenzkontrollen sorgen regelmäßig für Stau, auch auf der Münchner Bundesstraße./APA/Barbara Gindl/Archiv Grenzkontrollen sorgen regelmäßig für Stau, auch auf der Münchner Bundesstraße./APA/Barbara Gindl/Archiv ©

Die Grenzkontrollen werden in den kommenden Tagen rund um den EU-Gipfel wieder verstärkt. Welche Auswirkungen hat diese Maßnahme auf die Salzburger Altstadt?

Etwa seit 2012, als die Debatten um Schlechtwettersperren oder andere Stausperren angefangen haben, vergraulen wir uns damit sukzessive unsere bayerischen Kunden. Der Gipfel davon sind jetzt natürlich die Grenzkontrollen.

Sehen Sie die Stadt für den EU-Gipfel gerüstet?

Ja, unbedingt. Ich glaube, das ist eine tolle Chance für uns, und auch eine große Ehre, so etwas ausrichten zu dürfen. Natürlich wird es zu Problemen kommen. Aber das passiert beispielsweise in Tokio auch, wenn so etwas Großes ansteht. Der EU-Gipfel bietet die Chance, uns als Kongressstadt zu positionieren. Denn wer eine Premium-Veranstaltung in diesem Ausmaß auf die Beine stellen kann, empfiehlt sich für Kongresse jeglicher Art. So können wir zahlungskräftiges Publikum nach Salzburg locken.

Was macht die Salzburger Altstadt für solche Veranstaltungen attraktiv?

Ganz im besonderen Maße ist Salzburg die Stadt der kurzen Wege. Vom Flughafen in die Altstadt sind es exakt sieben Minuten. Direkte Fluganbindungen oder aber auch die Nähe zum Münchner Flughafen machen die Anreise sehr einfach. Die Bahnanbindung an der Weststrecke nach Wien ist ebenfalls recht günstig.

Das Kongresshaus befindet sich außerdem nahezu direkt in der Altstadt. Für Kongressbesucher sind somit sowohl Hotel, Austragungsort und Lokale fußläufig erreichbar. Wenn größere Veranstaltungen im Messezentrum stattfinden, ist das immer noch im näheren Umkreis.

Seit 18 Jahren sind Sie mitverantwortlich für das Geschehen in der Salzburger Altstadt. Wo holt man sich Inspiration für neue Ideen?

Man sollte sich immer an Städten orientieren, die es in gewissen Bereichen besser machen und sich so von überall die Rosinen rauspicken. Durch die Kessellage zwischen den Stadtbergen ist Salzburg generell schwer vergleichbar, weil die Voraussetzungen meist anders sind. Aber ich habe dennoch immer versucht, mich global umzusehen und die besten Ideen nach Salzburg zu holen. Wenn es um den Massentourismus geht, kann man sich von Barcelona etwas abschauen. Geht es um die Handelsstruktur, ist Lübeck interessant. Fürs Radfahren schaut man nach Kopenhagen, für den öffentlichen Verkehr nach Zürich. Beim Jazzfestival habe ich beispielsweise nach Bozen oder Bergen geblickt. Wenn wir über die Salzach sprechen, wie wir sie als Lebensraum erschließen könnten, fällt mir das Badeschiff in Zürich ein.

Atemberaubender Ausblick vom Kapuzinerberg auf die Stadt Salzburg./Neumayr/Archiv Atemberaubender Ausblick vom Kapuzinerberg auf die Stadt Salzburg./Neumayr/Archiv ©

Und wo blicken Sie in Salzburg am liebsten hin?

Ich gehe gern auf den Kapuzinerberg, weil ich dort so schön auf die Stadt herunterschauen kann. Auch das Salzachufer hat es mir sehr angetan – egal ob zum Radeln oder um auf den Bankerln zu entspannen. Mein Sommerdomizil ist aber ein Strandbad am Wallersee.

Ihr nächster Weg führt Sie in die Steiermark, was werden Sie besonders an Salzburg vermissen?

Die Berge und Nähe zu den Seen werden mir sicherlich abgehen. Man glaubt es nicht, aber ich werde auch das Wetter vermissen. Die Stadt Salzburg kennt so gut wie keinen Nebel. Diese strahlenden Wintertage, die man hier erleben kann und wenn dann der weiße Untersberg emporragt – das ist zum Niederknien schön.

Und da mein Sohn weiterhin hier lebt, werde ich immer ein Standbein in Salzburg haben, egal wohin mein Weg mich führt.

Liebe Frau Horny, vielen Dank für das Gespräch!

Ebenfalls vielen Dank!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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