Folter-Vorwürfe gegen irakische Armee bei Mosul-Offensive

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Ähnliche Vorwürfe hatte es bei der Eroberung von Falluja gegeben
Ähnliche Vorwürfe hatte es bei der Eroberung von Falluja gegeben - © APA (AFP)
Irakische Soldaten haben nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bei ihrer Offensive auf die Großstadt Mosul Zivilisten gefoltert und getötet. In Dörfern südlich der von der Extremistenmiliz IS kontrollierten Metropole seien zahlreiche Einwohner umgebracht worden, erklärte die in New York ansässige Organisation am Donnerstag.

Zuvor seien Opfer mit Kabeln und Gewehrkolben geschlagen worden. Teilweise seien ihre Leichen verstümmelt oder mit verbundenen Augen aufgefunden worden. Die Getöteten seien allesamt ohne Autopsie beigesetzt worden. Die Sicherheitskräfte hätten ihnen Verbindungen zum “Islamischen Staat” (IS) unterstellt. Die Vorkommnisse hätten sich am oder um den 21. Oktober herum südlich von Mosul zugetragen.

“Die irakischen Behörden müssen umgehend gründliche und unabhängige Untersuchungen dieser Vorfälle durchführen”, forderte die stellvertretende Direktorin des Amnesty-Büros in Beirut, Lynn Maalouf. Die Regierung müsse alle Personen vom Dienst suspendieren, die im Verdacht stünden, Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Maalouf befürchtet, dass sich ähnliche Vorfälle im Zuge der Offensive auf die IS-Hochburg Mosul wiederholen könnten. Hinrichtungen dieser Art verstießen gegen internationales Recht.

Über ähnliche Übergriffe irakischer Sicherheitskräfte hatte die Menschenrechtsorganisation bereits im Mai diesen Jahres bei der Befreiung von Falluja berichtet. Auch damals sollen Uniformierte der staatlichen Polizei beteiligt gewesen sein.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete, die irakischen und kurdische Sicherheitskräfte hätten mindestens 37 Personen festgenommen, bei denen Verbindungen zum IS vermutet worden seien. Verwandte der Inhaftierten hätten berichtet, sie wüssten nicht, wo sie festgehalten würden, und sie hätten auch keinen Kontakt zu ihnen. HRW warnte, dass ein solches Vorgehen zu weiteren Missständen führen könnte, einschließlich Folter.

Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums dementierte die Berichte. Die irakischen Streitkräfte respektierten die Menschenrechte und das Völkerrecht. Verstöße dagegen habe es nicht gegeben. Ein Sprecher der kurdischen Regionalverwaltung wies die Anschuldigung von HRW zurück. Wenn Familien von Inhaftierten nicht sofort informiert würden, seien dies Einzelfälle und durch mangelnde Ressourcen zu erklären. Niemand werde an unbekannten Orten festgehalten.

Unterdessen berichtete die Hilfsorganisation Oxfam, dass die Zahl der aus Mosul geflüchteten Menschen sich innerhalb einer Woche auf mindestens 3.362 Familien verdreifacht habe. Viele der Überlebenden seien schwer verletzt und traumatisiert. Sie berichteten von zahlreichen Toten und Verletzten in der umkämpften Stadt. In den Flüchtlingslagern fehle es an geeigneten Unterkünften, Heizung und sauberem Trinkwasser.

Die Millionenstadt Mosul ist das Machtzentrum des IS im Irak. Die irakische Armee kämpft seit fast vier Wochen in einer Großoffensive gegen den IS und versucht Mosul zurückzuerobern. Dabei werden die Streitkräfte von kurdischen und schiitischen Milizionären sowie einer internationalen Koalition unter Führung der USA unterstützt.

Unterdessen gaben irakische Regierungstruppen bekannt, auf die antike Ruinenstadt Nimrud vorzurücken, die von IS-Terroristen im vergangenen Jahr zerstört worden war. Ziel sei zunächst die “Befreiung” zweier Dörfer in der Nähe von Nimrud, erklärte die Armee am Donnerstag. Sie ließ dabei offen, ob sie den IS auch direkt in Nimrud angreifen will.

Nimrud liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Mosul. Die Extremisten hatten das archäologische Kleinod aus der Antike im Frühling 2015 erobert. Einem vom IS veröffentlichten Video nach dürfte von der assyrischen Ausgrabungsstätte aus dem 13. Jahrhundert vor Christus kaum noch etwas erhalten sein.

(APA/dpa)

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