Anna Veith: “Kann so befreit fahren, wie fast keiner”

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Die Salzburgerin Anna Veith rechnet sich für OIympia gute Chancen aus (Archivbild).
Die Salzburgerin Anna Veith rechnet sich für OIympia gute Chancen aus (Archivbild). - © APA/EXPA/JOHANN GRODER
Am Dienstag hat sich Anna Veith auf den Weg nach Südkorea gemacht, am Freitag wird die Salzburgerin beim Einzug der Athleten bei der Olympia-Eröffnungsfeier in Hoenggye die österreichische Fahne tragen. Davor sprach sie noch über ihre Erwartungen und Ziele.

2014 hatte Veith in Sotschi Gold im Super-G und Silber im Riesentorlauf gewonnen. Das sei der Startpunkt für weitere große Erfolge gewesen, ist sie heute überzeugt. Im Oktober 2015 unterbrach ein Trainingssturz in Sölden, der schwere Knieverletzungen rechts zur Folge hatte, ihre Karriere.

Letzte Olympische Spiele für Veith?

Nach einer zusätzlichen Operation an der Patellarsehne des linken Knies im Februar 2017 gab Veith im vergangenen Dezember ihr Comeback, mittlerweile fühlt sie sich körperlich und psychisch wieder voll auf der Höhe. Veith hatte zuletzt erklärte, dass sie bei den Spielen 2022 möglicherweise nicht mehr aktiv sein werde. Denn sie habe “ziemlichen Raubbau” an ihrem Körper betrieben. Einen sofortigen Rücktritt im Fall eines neuerlichen Olympiasieges in Korea schließt sie aber definitiv aus.

APA: Wie zufrieden sind Sie bisher mit Ihrer Comeback-Saison? Haben Sie Ihre Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen?

ANNA VEITH: Wenn ich von meiner Gesundheit rede, war es besser als erwartet. Ich habe echt geglaubt, ich werde mir die ganze Saison Gedanken machen müssen, welche Rennen werde ich auslassen, damit ich mehr Regeneration kriege, um meine Knie nicht zu überlasten. Aber es war eigentlich so, dass es immer so gut funktioniert hat, dass das ganze Programm bis jetzt eigentlich gegangen ist. Das hat meine Erwartung übertroffen. Ich bin extrem happy, dass es mir so gut geht, denn das ist die Voraussetzung, dass ich mir wieder eine Form aufbauen kann. Und ich habe das Gefühl, dass das gerade passiert.

Können Sie mit Ihrer Vorgeschichte, vor allem nach Überstehen ihrer Knieverletzungen, befreiter in diese Spiele gehen als in die zwei, die sie schon hinter sich haben?

Mit der Situation vor acht Jahren kann man es überhaupt nicht vergleichen. Da bin ich mittlerweile ein anderer Mensch, eine andere Persönlichkeit. Mein Ziel ist einfach, dass ich da hinfahre und Spaß habe, und genauso befreit bin wie nach meiner Goldmedaille in Sotschi. Das war eigentlich der Auslöser dafür, dass ich dann richtig gut war im Weltcup. Ich kann stolz sein, dass ich die Verletzung so gut überwunden habe, weil das ist nicht selbstverständlich. Man vergisst das einfach so schnell. Aber grundsätzlich muss man das schon immer hervorholen und sagen, erstens habe ich sowieso nichts zu verlieren, zweitens kann ich so befreit sein wie sonst fast keiner. Ich kann es einfach genießen, Spaß haben und mein bestes Skifahren zeigen. Genau das werde ich hoffentlich auch machen.

Eine weitere Medaille zu gewinnen, setzen Sie sich nicht zum Ziel?

Das ist, glaube ich, nicht nötig. Wenn ich sage, mein Ziel ist, befreit dort zu fahren, das zu zeigen, was ich kann, und mich zu 100 Prozent dem zu widmen, was meine Leidenschaft ist, wird sich alles andere sowieso ergeben. Eine Medaille kann man jetzt nicht anvisieren und sagen, so, die hole ich mir jetzt, sondern die muss immer passieren. Egal, in welcher Form du bist.

In welchen Disziplinen neben Super-G werden Sie am Start stehen?

Kombi ist kein Thema für mich. Aber ich weiß, dass ich im Riesentorlauf starten darf. In der Abfahrt wird es sich herausstellen.

Das heißt, es wird da eine Qualifikation stattfinden?

Die Abfahrt ist schon noch weit weg, das ist für mich der letzte Bewerb. Aber natürlich gehe ich einmal davon aus, dass wir Quali fahren. Das ist keine neue Situation, das hat es immer gegeben. Ich war nur noch nie betroffen davon. Früher haben wir nicht so starke Speed-Mannschaften gehabt.

Können Sie sich vorstellen, bei einer weiteren Goldmedaille zurückzutreten?

Nein, absolut nicht. Für mich ist nicht im Vordergrund, dass ich das erreiche, sondern ich habe im Grund zwei harte Jahre hinter mir, die mich viel Energie und Nerven gekostet haben. Ich bin gerade in einer Verfassung, wo es mir sehr gut geht und wo ich das tun kann, was ich so gerne tue, warum sollte ich dann aufhören? Solange mein Körper das zulässt, möchte ich weitermachen.

Sie haben noch nie eine Abfahrt gewonnen. Wie weit oben steht das auf Ihrer To-do-Liste?

Wenn es passieren würde, hätte ich nichts dagegen. Aber ich investiere meine Energie mehr in das, wo mein Herz dranhängt, und das ist zur Zeit der Super-G und eigentlich auch der Riesentorlauf. Ich bin im Moment hinter Nummer 30 in der Startliste – und da gehöre ich einfach nicht hin. Das stört mich. Das sind so Dinge, die mich reizen und wo ich meine Energie investieren kann, dass ich das ändere. Aber Abfahrtssieg… das ist so schwer greifbar. Abfahrt kann ich nicht ständig trainieren, da muss ich immer auf die Strecken hin, wo die Rennen sind. Ob ich in Copper Mountain schnell bin oder nicht, bringt mir genau gar nichts, weil wir dort kein Rennen haben. Im Riesentorlauf habe ich das halt mehr selber in der Hand, da kann man das fix erarbeiten.

Wird Sie außer ihrem Ehemann jemand aus der Familie nach Südkorea begleiten?

Nein. Meine Mama hat einmal überlegt, aber es ist sehr schwer drüben mit der Organisation. Im Moment schaut es einmal so aus, dass nur der Manuel nachkommt.

(APA)

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