Anna Veith präsentiert ihre “Zwischenzeit”

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Autor Manfred Behr mit Anna Veith bei der Präsentation
Autor Manfred Behr mit Anna Veith bei der Präsentation - © APA/HERBERT NEUBAUER
ÖSV-Alpinskistar Anna Veith hat die Verletzungspause intensiv genützt, nicht nur für Regeneration und Therapie, sondern auch für das Schreiben eines Buches. Gemeinsam mit Co-Autor Manfred Behr ließ sie ihr Leben in ihrem Erstlingswerk “Zwischenzeit” Revue passieren und sparte auch kritische Kapitel wie den Clinch mit dem ÖSV nicht aus. Wann Veith auf die Skipiste zurückkehren wird, ist offen.

Die Gesamtweltcupsiegerin von 2014 und 2015 arbeitet nach ihrer am 21. Oktober 2015 bei einem Trainingssturz auf dem Rettenbachferner in Sölden erlittenen massiven Knieverletzung nach wie vor an ihrem Comeback. Das Skitraining brach sie Mitte Oktober zugunsten von Kraftaufbau wieder ab. “Es ist schwierig, abzuschätzen, wann ich wieder fahre. Aber es war die richtige Entscheidung auf Sölden zu verzichten. Ich merke schon einen Schritt vorwärts”, sagte die 27-Jährige auf ihrer Buchpräsentation am Montag in Wien.

Derzeit gehe es noch um das Ausgleichen von Disbalancen. “Es ist eine Mix aus Krafttraining, Therapie und Konditraining. Ich hoffe, dass ich in ein, zwei Wochen wieder frei fahren gehen werde und dann sobald wie möglich wieder Schneetraining mache.”

Schock nach Brem-Verletzung

Genesungswünsche schickte die Salzburgerin in Richtung Eva-Maria Brem. Die Riesentorlauf-Kristallkugelgewinnerin der vergangenen Saison hatte sich am Freitag bei einem Trainingssturz Schien- und Wadenbein gebrochen. “Es war ein Schock für mich und auch für Manuel, wir sind ja mit Eva und Andi (deren Lebensgefährte/Anm.) sehr gut befreundet und haben uns in die Situation versetzen können.” Die Verletzung von Brem sei auch am Höhepunkt der Karriere passiert, Veith wünschte ihrer Freundin, dass sie rasch erkennen möge, dass “wenn eine Tür zu, eine andere aufgeht”.

“‘Schreib mal alles”

Angesprochener Manuel ist seit April der Ehemann von Anna. Er lieferte die Initialzündung dafür, dass Veith mit dem Niederschreiben ihrer Erlebnisse begann. “Schon vor dem Sturz hatte ich mir gedacht, da ist so viel passiert in kurzer Zeit, ich hatte nicht die Möglichkeit, das zu verarbeiten. Es dauerte ein Jahr, bis ich kapiert hatte, dass ich die große Kugel gewonnen habe, und dann war da schon die nächste. Daran ein Buch zu schreiben, habe ich nicht gedacht. Nach dem Sturz hat mir Manuel dann ein Buch geschenkt mit leeren Seiten und gesagt: ‘schreib mal alles’.”

Das Schreiben half ihr das Geschehene zu verarbeiten und die Stärke fürs Comeback zu finden. Bei einem Interview lernte sie dann den Sportjournalisten Behr kennen, der ihr die Idee eines Buches ans Herz legte. Im April heuer entschied sie sich für das Projekt. “Ich bin stolz, dass ich es angefangen habe und es jetzt so daliegt.” Und es sind durchwegs tiefe Einblicke, die sie in ihr Sport-, aber auch Privatleben gibt. “Ich habe gesagt, wenn ich es mache, dann mit aller Offenheit.”

Überwindung für Veith

Diesbezüglich hatte die als zurückhaltend und vorsichtig im Umgang mit den Menschen geltende Veith die größten Bedenken gehabt. “Ich gebe sehr viel preis. Aber ich mache das, weil ich das Gefühl habe, dass es die Leute interessiert. Ich mache dass, damit mich die Menschen verstehen.” Es sei durchaus eine Überwindung gewesen, sich ihrem Co-Autor zu öffnen.

Umgang mit eigener Geschichte

Für das Kapitel über ihre Kindheit hat sie am längsten gebraucht, am öftesten gelesen hat sie jenes über den Streit mit dem Österreichischen Skiverband im Sommer 2015. Es ganz auszusparen, sei aber kein Thema gewesen. “Es ist Teil der Geschichte. Aber es ist Friede da, mit dem Verband passt alles, es geht mir gut”, versicherte Veith, die zur von ihrem Hauptsponsor Milka unterstützen Buchpräsentation zahlreiche Unterstützer und Partner geladen hatte.

Ihren Lesern zeigt Veith auch, was im Skizirkus hinter den Kulissen passiert. “Für mich ist das genauso spannend, wie es hoffentlich für die Leser ist.” Was sie nicht will, ist, dass jemand das Buch kauft, weil er sich “eine Anleitung zum Skistar” erhofft. “Ich habe auch alle Entscheidungen selber treffen müssen. Man muss sich selbst vertrauen und kennenlernen und selbst Erfahrungen machen.” Sie selbst liest übrigens auch gerne Biografien, so zuletzt während ihrer schwierigen Zeit jene von Hermann Maier, den sie gerne einmal zu einem Gespräch treffen würde.

(APA)

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