Anthering: Vorfälle bei Gatterjagd sorgen wieder für Aufregung

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Wenn es um die Wildschweinjagd im Gatter geht, geraten VGT und Mayr-Melnhof oft aneinander.
Wenn es um die Wildschweinjagd im Gatter geht, geraten VGT und Mayr-Melnhof oft aneinander. - © VGT/Archiv
Im Jagdgatter von Max Mayr-Melnhof in Anthering (Flachgau) wurden am Montag Wildschweine geschossen. Für Tierschützer regelmäßig ein Anlass, um gegen diese Art der Jagd zu protestieren. Ein Protest mit Konfliktpotenzial. Auch diesmal gerieten Jäger und Tierschützer aneinander.




Die Tierschutz-Aktivisten von VGT (Verein gegen Tierfabriken) und Landesjägermeister Max Mayr-Melnhof geraten immer wieder aneinander. Die Tierschützer wollen ein Verbot der Gatterjagd bewirken, Mayr-Melnhof sieht damit Probleme für die Landwirtschaft einhergehen. Man hat sich gegenseitig geklagt, verbrachte einige Zeit vor Gericht und auch jetzt soll es gegenseitige Anzeigen geben. Der Anlass: Beide Seiten gerieten am Montag in Anthering bei der jüngsten Gatterjagd aneinander. Die Angaben, wie es dazu gekommen ist, sind widersprüchlich. Wir geben beide Perspektiven wieder.

Version 1: Die Tierschützer

Die Vorwürfe des VGT wiegen schwer. Man sei außerhalb des Jagdgatters unterwegs gewesen, als zwei Tierschützer von Mayr-Melnhof und Begleitern angehalten worden seien, wie der VGT in einer Aussendung mitteilt. Einer sei von Begleitern zu Boden geworfen worden und Mayr-Melnhof hätte dem Aktivisten die Kamera geraubt, heißt es darin. Ähnliches bei einem zweiten Tierschützer: Sie hätten ihn am Boden fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, heißt es in der Mitteilung. Mayr-Melnhof hätte schließlich dessen Taschen durchsucht und Film- sowie Fotomaterial abgenommen. Der Wert aller geraubten Gegenstände soll 1.300 Euro betragen.

Version 2: Mayr-Melnhof und die Jäger

Ganz anders schildert Mayr-Melnhof die Vorfälle. Er hatte davon gehört, dass sich ein Aktivist in der Nähe des Zaunes aufhalte. Als er hingefahren sei, hätte der Mann gerade versucht, über den Zaun zu steigen, wie der 47-Jährige gegenüber SALZBURG24 sagte. Als er sich vorgestellt hätte, sei der Mann geflüchtet. Mayr-Melnhof ließ sich von Kollegen nachfahren. „Wir haben den Mann festgehalten und er hat sich weder entmummt noch ausgewiesen“, schilderte Mayr-Melnhof. „Dann haben wir die Polizei um Hilfe gebeten.“

Die Polizei schritt dann auch ein, nahm den Aktivisten vorübergehend fest und ließ ihn wenig später wieder frei. Es seien zum Zeitpunkt des Einschreitens der Polizei keine Übertretungen feststellbar gewesen, hieß es in einer Aussendung.

Was ist wirklich passiert?

Der VGT erstattete laut Polizeisprecherin Karin Temel Anzeige wegen Raubes von Filmmaterial, Anzeigen wegen körperlicher Übergriffe sind noch nicht bekannt. In der Aussendung gaben die Tierschützer an, dass beide betroffenen Aktivisten verletzt und ins Landeskrankenhaus Salzburg gebracht worden seien.

Auf einem Video von Mayr-Melnhof ist zu sehen, wie der Aktivist angehalten wird und Mayr-Melnhof bittet, sein Filmmaterial auszuhändigen. Er hätte aber nichts abgenommen, sagt der 47-Jährige. „Wie komme ich dazu“, bereut er diese Forderung.

Der Landesjägermeister ist ein beeidetes Jagdschutzorgan. Diese dürfen laut §115 des Jagdgesetzes unter bestimmten Umständen die Identität von Personen feststellen, sie bei einem entsprechenden Anlass durchsuchen oder sogar festnehmen*.

Ein Aktivist soll laut Mayr-Melnhof später auch versucht haben zu flüchten und dabei einem 75-Jährigen einen Knochenriss an der Schulter zugefügt haben. Bei der Polizei wusste man am Dienstag davon noch nichts. Man werde eine Anzeige einreichen, hieß es von Mayr-Melnhof.

Der Hintergrund: Forderung nach Gatterjagd-Verbot

Was eigentlich hinter dem Streit steht: VGT will ein Verbot der Gatterjagd bewirken. Sie sei brutal und würde Stress für die Tiere bedeuten. In allen Bundesländern außer Salzburg und Niederösterreich ist sie verboten. Die Forderung unterstrichen die Tierschützer mit einem Facebook-Video, auf dem ein angeschossenes Wildschwein zu sehen ist. Mayr-Melnhof streitet das nicht ab: „Man sieht einen angeschossenen Frischling, der drei Minuten später zur Strecke gebracht wird. Das ist nicht schön, aber das kommt manchmal vor.“ Ein Gatterjagd-Verbot würde aus seiner Sicht nichts bringen: “Die Zäune sind nicht da, um einer Feudalherrschaft einen Abballerspaß zu bieten, sondern um die Landwirtschaft im nördlichen Flachgau zu schützen.” Ein mögliches Verbot werde diskutiert, heißt es aus dem Büro von Landwirtschafts-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP). In welche Richtung es gehen wird, darauf wollte man sich nicht festlegen.

* Hier wurde ursprünglich angeführt, dass beeidete Jagdschutzorgane zwar die Identität von Personen feststellen aber keine sogenannten Zwangsmaßnahmen durchführen dürfen. Das wurde mit Bezug auf das Jagdgesetz am 23. November überarbeitet.

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