Aqeel Rehman im Sonntags-Talk: “Ich habe mich selbst durchgeschlagen”

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Wir haben Squash-Profi Aqeel Rehman zum Interview getroffen.
Wir haben Squash-Profi Aqeel Rehman zum Interview getroffen. - © KRUGFOTO/SALZBURG24
Aqeel Rehman ist der einzige Squash-Profi in Österreich, mittlerweile hält der 31-Jährige bei insgesamt elf Staatsmeistertiteln – das ist Rekord! Wir haben uns mit dem gebürtigen Stadtsalzburger im Sonntags-Talk über die mittlerweile dritte Auflage der Austrian Squash Challenge in Salzburg, Highlights seiner einmaligen Karriere, gesammelte Flugmeilen und die Zukunft des Squash-Sports unterhalten.




Der heimatverbundene Familienmensch aus Salzburg-Maxglan lebt für den Squash-Sport, in der internationalen Szene ist er bekannt wie ein bunter Hund. Nach einigen Jahren in England hat die aktuelle Nummer 81 der Weltrangliste gemeinsam mit Freundin Marina seinen Lebensmittelpunkt in Salzburg wiedergefunden. Aufgewachsen zwischen zwei Schwestern kam er durch seinen Vater zum Sport, bereits in seiner Jugend wurde er immer besser. In Österreich ist Rehman konkurrenzlos.

Vor der Austrian Squash Challenge, einem Weltranglistenturnier, das vom 2. bis 13. Mai im Salzburger Europark stattfindet, haben wir den 31-Jährigen zum Gespräch getroffen. Bisher fanden Spieler aus über 30 Nationen den Weg in die Mozartstadt und heuer sind es Teilnehmer aus bereits 14 Nationen.

SALZBURG24: Wie kommt man überhaupt zum Squash?

AQEEL REHMAN: Mein Papa kommt aus Pakistan, dort ist Squash Nationalsport. Mit meiner großen Schwester habe ich dann gemeinsam im Alter von knapp fünf Jahren angefangen zu spielen. Ziemlich schnell wurde ich immer besser und habe mich dann voll auf den Squash-Sport konzentriert. Meine jüngere Schwester spielt mittlerweile auch im österreichischen Nationalteam.

Siehst du dich als Botschafter für deine Sportart?

Ich denke jeder verbindet meinen Namen mit dem Squash, speziell in der Salzburger Gegend. Ich sehe mich gern als Zugpferd, verkörpere die Leidenschaft und gebe alles dafür.

Was ist die Faszination?

Squash ist eine super Alternative zum Fitnessstudio, Laufen oder Radfahren. Es macht nicht nur extrem Spaß, Squash fordert alles vom Körper ab. Du musst schnell, beweglich, ausdauernd und taktisch clever sein – es sind irrsinnig viele Facetten, die dieser Sport mitbringt. Es gibt keinen Bereich, den Squash nicht körperlich oder mental fordert. Auch Hobbyspieler kommen sofort rein, denn es ist kurzweilig, sehr spaßig und ein tolles Workout.

Was muss man für Squash mitbringen?

Materiell gar nicht viel: du brauchst Hallenschuhe, Sportklamotten, einen Schläger samt Ball – letzteres kann man sich leicht ausleihen. Der Sport ist für Junge, Alte, Dicke und Dünne geeignet, es gibt keine Limitierung.

Mit welcher Sportart würdest du Squash vergleichen?

Eine Mischung aus Badminton und Tennis trifft es am ehesten, wobei alles mit Schlägern und Bällen ziemlich vergleichbar ist. Als Squash-Spieler kann ich auch einigermaßen Badminton, Tischtennis oder Tennis spielen. Technisch gibt es natürlich große Unterschiede.

Wo kann man in Salzburg Squash spielen?

In der Stadt Salzburg ist unsere Heimat im Tenniscourt Süd, in Bergheim gibt es auch eine große Halle. Im Pinzgau und Pongau haben auch einige Hotels kleine Hallen – es ist leider nur sehr vereinzelt und meistens nicht bekannt. Im Hotel sind die Courts oft nicht öffentlich zugänglich. Im bayerischen Freilassing und in Mondsee gibt es zwei aktive Vereine, mit denen wir uns auch immer kurzschließen. Zudem findet eine Salzburger Landesliga statt, in der auch die angrenzenden Vereine mitspielen.

Wie wird Squash in Österreich gefördert?

Nicht gut! Squash ist nicht nur keine olympische Sportart, sondern stellt auch innerhalb Österreichs eine kleine Randsport dar. Es ist generell schwierig, jegliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir haben mit wenig Vereinen, Mitgliedern, Trainern und der mangelnden Infrastruktur zu kämpfen. Dabei feiern wir viele Erfolge, haben etliche Staatsmeisterschaften und Mannschaftstitel geholt.

Wie schafft man es dann international durchzustarten?

Mit viel Eigenengagement und Durchsetzungsvermögen habe ich es geschafft. Als ich 14 Jahre alt war kam ich zum Salzburger Schul-Sport-Modell (SSM), wo ich eine sehr gute schulische und sportliche Ausbildung genossen habe – es ging bei mir von Beginn an in Richtung Leistungssport, wodurch meine Eltern auch sehr aktiv miteinbezogen wurden. Nach meiner Zeit beim Heeressport bin ich für sieben Jahre auf eigene Faust nach England gegangen und habe dort mit den Besten der Welt trainiert und gespielt. Dort bekommt man nämlich etwas Geld für den Sport. Mein Anspruch war es auch immer, dass ich in einem guten internationalen Team einen Platz bekommen, womit dann auch private Sponsoren angelockt werden können.

Wie kam es zur der Entscheidung nach England zu gehen?

Squash kommt aus England und ist dort sehr beliebt. Der Sport wurde in der Kolonialzeit global verbreitet. Der damalige Nationaltrainer war Engländer, der natürlich über einige Kontakte auf der Insel verfügte. Ich habe damals auch ein paar Leute aus der britischen Squash-Szene gekannt und dann kam eines zum anderen.

Hattest du ein mulmiges Gefühl, als du nach England gegangen bist?

Überhaupt nicht, es war eher ein Gefühl, dass es jetzt so richtig losgeht. Ich war auch zum ersten Mal länger weg von Zuhause und hatte riesige Vorfreude auf die große Squash-Welt. Die besten 100 Squash-Spieler der Welt können ihre anfallenden Kosten abdecken, nur die Spieler in den Top-25 verdienen gutes Geld.

Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Enorm! Es gibt sicher talentiertere Spieler als mich, doch denke ich, dass ich mein absolutes Maximum herausgeholt habe. Nationalspieler in England sind rundum versorgt. Ich habe mich im Gegensatz dazu alleine durchgeschlagen und alles auf eigene Faust organisiert. Ich habe gelernt eigenverantwortlich durch das Leben zu gehen und mich auf mich selbst zu verlassen. Dazu gehört zum Beispiel auch einen finanziellen Plan aufzustellen und Risiken abzuschätzen.

Was waren die bisherigen Highlights deiner Karriere?

Ein Highlight war mein erster Turniersieg auf der Tour, der zweite und auch schönste Moment war mein Sieg bei den Austrian Open vor heimischen Publikum in Salzburg.

Im Jahr 2010 war ich bei einem Turnier in einer kanadischen Kleinstadt und habe bei einer Gastfamilie übernachtet. Das war die Zeit als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach. Mein Flug von Toronto nach Frankfurt wurde wegen der Aschewolke gestrichen, der nächste Platz war erst in zehn Tagen verfügbar – ich war gestrandet. Der Gastvater war Minenarbeiter und hatte viele Flugmeilen übrig. Also organisierte er einen Flug für mich zu ihnen und ich bin eine weitere Woche dort geblieben, bis er mir sogar den Flug zurück nach Europa checkte. Diese Gastfreundschaft werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Die internationale Squash-Szene ist unglaublich familiär, der gegenseitige Austausch ist groß und sehr schön.

Wie viele Flugmeilen hast du selbst schon gesammelt?

(lacht) Ich bin bei diversen Vielfliegerprogrammen angemeldet, auf meinem Konto haben sich mittlerweile knapp 140.000 Flugmeilen angesammelt. Im Jahr bin ich bestimmt gut und gern 80.000 Kilometer in der Weltgeschichte unterwegs. Meine Reisekosten belaufen sich dabei auf geschätzt 5.000 Euro im Jahr. Die Kosten für Übernachtungen und Trainer sind ungefähr genauso viel.

Was investierst du sportlich in den Squash und was organisatorisch?

Mittlerweile nimmt sich das beides nichts mehr, wobei das Organisatorische in den letzten Jahren schon zugenommen hat. Das liegt ja auch daran, dass sich meine persönlichen Ansprüche an Übernachtungen und Reisen geändert haben. Heute organisiere ich mehr Turniere als früher und bin aktiver mit in die Sponsorensuche involviert.

Wann denkst du mal nicht an Squash?

(überlegt) Mir fällt eigentlich kein Moment ein, ich versuche aber trotzdem immer mal wieder abzuschalten, um richtig runterzukommen.

Was muss man tun, damit der Squash-Sport nicht ausstirbt?

In den letzten Jahren ist der Squash-Trend in Österreich rückläufig. Man muss mit Aktionen, wie der Austrian Squash Challenge im Europark, den Sport präsentieren und auf Leute zu gehen. Ich bin der Meinung, dass jeder, der jemals ein hochklassiges Match gesehen und es danach selbst ausprobiert hat, davon begeistert ist und Blut geleckt hat. Den Leuten die Faszination zu zeigen, ist enorm wichtig. Heutzutage ist es eh schwierig, Menschen zu Neuem zu motivieren, damit auch der Komfortzone ausgebrochen wird. Das ist unsere Herausforderung in der unsportlichen Gesellschaft. In Schulen, Ferienprogrammen und Co. muss aktiv eingestiegen werden, damit sich Kinder bewegen. Wir haben 23 Kinder bei uns im Programm und zeigen 300 weiteren in Sommer-Camps die Sportart. Wenn danach nur fünf Kinder zum Verein kommen, ist das schon super für uns. Zudem bieten wir kostenloses Training für Schulklassen an. Wir müssen den Breitensport fördern, weil der die Grundlage für den Leistungssport ist.

International läuft es mit zunehmenden Turnieren und TV-Kooperationen aber deutlich besser. England, Frankreich, Spanien, Deutschland und die Niederlande sind dabei die europäischen Vorbilder und Zugpferde.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Politik?

Die Salzburger Stadt- und Landespolitik arbeitet gut mit uns zusammen und unterstützt uns ebenso. Salzburg ist meiner Meinung eines der Bundesländer mit dem schlechtesten Sportbudget im Vergleich zu anderen Förderungen. Es gibt nicht mal ein alleinstehendes Sportressort, es heißt ja Kultur- und Sportressort. Das Land Salzburg wollte uns Squash-Spieler auch gern in das neue Sportzentrum Nord in Liefering mit einquartieren, doch da hat sich die Stadt quergestellt und blockiert. Das war enttäuschend, denn so hätten wir vielleicht mehr Gehör bekommen.

Was sind die Squash-Highlights im Jahr 2017?

Eine Woche vor der Austrian Squash Challenge im Europark findet die Mannschafts-Europameisterschaft in Helsinki (Finnland) statt. Die Einzel-WM steigt im Dezember in Manchester (England). Dort habe ich drei Jahre lang gelebt, es wird also ein ganz besonderer Wettkampf für mich.

Wo kommst du zur Ruhe?

Am Ehesten in der Natur. Ich mag es die Salzburger Stadtberge hochzulaufen. Meine Bestzeit für die Besteigung des Untersberg beträgt 1 Stunde und 35 Minuten. Außerdem betreiben meine Eltern ein pakistanisch-italienisches Restaurant in der Stadt Salzburg, in dem ich auch auf meine Kosten komme (lacht). 

Vielen Dank für das Interview, Aqeel. Hast du noch Lust auf ein paar Entweder-Oder-Fragen?

Los geht’s!

Berge oder Meer? Berge

Cabrio oder Motorrad? Cabrio

Tennis oder Badminton? Tennis

Sonntags spazieren gehen oder faulenzen? Spazierengehen

Süß oder sauer? Süß

Prickelndes oder stilles Wasser? Prickelnd

Restaurant oder Imbiss? Restaurant

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

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