Arbeitsplätze durch Mindestlohn nicht gefährdet

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Ein höherer Mindestlohn soll keine Arbeitsplätze gefährden
Ein höherer Mindestlohn soll keine Arbeitsplätze gefährden - © APA
Gewerkschaft und Arbeiterkammer betonen am Donnerstag in Aussendungen, dass die Erhöhung der Mindestentlohnung auf 1.500 Euro keine Arbeitsplätze kosten würde. Sie reagieren damit auf eine Berechnung der Agenda Austria, wonach der Mindestlohn mindestens 20.000 Jobs kosten würde, davon 1.050 im Handel und 2.900 im Gewerbe.

Von dem Mindestgehalt unter 1.500 Euro seien im Handel fast nur Praktikanten betroffen, schreibt Karl Dürtscher, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. Außerdem würden höhere Einkommen die Kaufkraft ankurbeln und die Motivation der Beschäftigten erhöhen, wovon auch Unternehmen und der Arbeitsmarkt profitieren würden.

Lohn-Dumping betrifft vor allem Frauen

Das “Dumping des Mindestlohns”, wie es Ilse Fetik, Frauenvorsitzende der GPA-djp bezeichnet, treffe vor allem Teilzeitkräfte und damit insbesondere Frauen. Eine Erhöhung des Mindestlohns würde “den Druck verringern, in die Armutsfalle zu geraten, und Zuschüsse aus der Mindestsicherung beantragen zu müssen.” Die durch höhere Einkommen steigende Kaufkraft würde dem Handel zugute kommen. Man solle “die Diskussion über den Mindestlohn also bitte den ExpertInnen überlassen” schreiben die Gewerkschafter in Richtung Agenda Austria.

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit wiederum verweist auf Studien in den USA, wonach eine Anhebung der Mindestlöhne dort keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gehabt habe, es könnten sogar mehr Arbeitsplätze entstehen. Die Forschung habe gezeigt, dass die Erhöhung des Mindestlohns auch bei relativ hoher Arbeitslosigkeit ein wirksames Mittel zu Verbesserung der Einkommen sei.

Kein Arbeitsplatzverlust im Nachbarland

In Deutschland habe die Einführung des Mindestlohns zu keinem Rückgang der Arbeitsplätze geführt, schreibt Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske in seiner Aussendung. Dabei habe im Vorfeld der Einführung der frühere Ifo-Chef Hans-Werner Sinn einen Verlust von 900.000 Arbeitsplätzen vorausberechnet. Die deutsche Arbeitslosigkeit liege jetzt aber auf einem Rekordtief. Eine der Ursachen dafür sei, dass die seit 2015 höheren Löhne in Deutschland die private Konsumnachfrage zu einem Wachstumsmotor gemacht habe. “Mindestlöhne kommen der Wirtschaft zugute, weil das Mehr an Einkommen sofort in den privaten Konsum fließt”, schreibt Kaske. 80 von 100 Euro würden sofort wieder ausgegeben.

Manche Branchen stehen vor Herausforderung

Der geplante Mindestlohn von 1.500 Euro brutto stellt jedoch einige Branchen, die jetzt teils deutlich weniger zahlen, vor Herausforderungen. Besonders betroffen wären Textilreiniger, Mode- und Bekleidungstechniker sowie Friseure und Floristen. Höhere Löhne würden langfristig zu Verlagerungen ins billigere Ausland führen, warnten sie am Donnerstag.

Müssten diese Branchen tatsächlich 1.500 Euro brutto zahlen, brächte dies “deutliche Mehrkosten” für die Betriebe. “Die Anhebung des Lohnniveaus wird zudem dazu führen, dass der Lohnunterschied zwischen geringer und höher qualifizierten bzw. jüngeren und älteren Arbeitnehmern zunimmt”, so Walter Imp, Bundesinnungsmeister der Textilreiniger und Wäscher, in einer Aussendung. Die Verteuerung von Jobs werde “mit Sicherheit dazu beitragen, dass die Neuschaffung von Arbeitsplätzen überdacht wird”.

Lohn muss abhängig von Qualifizierung sein

Wenn junge, ungelernte Mitarbeiter künftig mehr Geld bekommen, führe dies zwangsläufig zu einer Anhebung der Kollektivvertragsstufen qualifizierter Mitarbeiter, meinte auch Annemarie Mölzer, Bundesinnungsmeisterin der Mode- und Bekleidungstechnik. “Qualifizierung muss sich weiterhin im Lohnniveau widerspiegeln und darf nicht willkürlich bestimmt werden.”

Der Mindestlohn dürfe kein Ersatz für Sozialleistungen sein und müsse jedenfalls mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit verknüpft werden, so die Arbeitgebervertreter.

(APA)

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