Archäologie in Österreich mit 55 Mio. Euro Umsatz

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Mehr Beschäftigte im Bereich der Archäologie
Mehr Beschäftigte im Bereich der Archäologie
Archäologie stellt mit einem Jahresumsatz von 1,027 Mrd. Euro einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor in Europa dar. In Österreich werden durch archäologische Arbeiten rund 55 Mio. Euro pro Jahr umgesetzt, wie eine EU-Studie zeigt. Überraschend ist hierzulande ein Zuwachs an Beschäftigten im archäologischen Bereich seit 2008 auf rund 1.600, die Arbeitsbedingungen haben sich aber verschlechtert.


Im Rahmen der EU-Studie “Discovering the Archaeologists of Europe” wurde die Situation am Arbeitsmarkt in 21 österreichischen Staaten untersucht. Die Ergebnisse für Österreich hat Studienautor Raimund Karl, österreichischer Archäologe an der University of Wales in Bangor (Großbritannien), Mittwochabend in der Nationalbank in Wien vorgestellt. Er hat bereits 2008 eine derartige Untersuchung durchgeführt.

Positive Auswirkungen hatte offensichtlich die Liberalisierung des Grabungsmarkts. Bis 2010 wurden Rettungsgrabungen von im Zuge von Baumaßnahmen entdeckten archäologischen Funden primär durch das Bundesdenkmalamt durchgeführt. Mittlerweile ist ein freier Markt für archäologische Dienstleistungen entstanden, der laut Karl in den vergangenen fünf Jahren zu einem Zuwachs von etwa 30 Prozent an Archäologie-Arbeitsplätzen geführt hat.

“Das geht komplett gegen den europäischen Trend”, sagte Karl im Gespräch mit der APA. Vor allem durch die Wirtschaftskrise gebe es in den meisten anderen Ländern heute weniger Archäologen als vor fünf Jahren, in Großbritannien betrage der Rückgang 30 Prozent, in Irland sogar 80 Prozent.

Zum Befragungszeitpunkt im Juni 2013 verdienten etwa 1.600 Personen (49 Prozent Frauen) in Österreich ihren Lebensunterhalt mit archäologischer Arbeit. Davon waren etwa 1.200 im engeren Sinn archäologisch tätig, weitere 400 arbeiteten als administrative oder sonstige Hilfskräfte in archäologischen Unternehmen. Durchschnittlich verdienten sie rund 27.100 brutto pro Jahr. Das ist knapp über dem österreichischen Durchschnittseinkommen, allerdings etwas weniger als noch in der Erhebung vor fünf Jahren.

Karl stellte auch eine zunehmende Prekarisierung der Jobs fest: “Die stabilen Arbeitsplätze haben sich kaum verändert, dazugekommen sind Teilzeitjobs und Kurzzeitverträge.” So waren nur etwa 42 Prozent der Dienstverträge unbefristet. 65 Prozent waren Vollzeit beschäftigt, 27 Prozent hatten Halbtagsjobs, weitere acht Prozent waren geringfügig beschäftigt.

Je ein Drittel der Arbeitsplätze findet sich derzeit an Universitäten, in öffentliche Einrichtungen wie Denkmalamt oder Museen und im privatwirtschaftlichen Bereich. Das Qualifikationsniveau archäologischer Arbeitskräfte in Österreich ist hoch, rund die Hälfte hat ein Doktorat oder eine Habilitation. Der Bachelor-Abschluss sei in der Archäologie noch nichts Wert, wenn man in diesem Bereich arbeiten wolle, brauche man zumindest den Master, so Karl.

Für den bereits seit 2001 in Wales tätigen Archäologie-Professor sind die Studien-Ergebnisse aktuell “besonders relevant”, weil Österreich erst im Juni das europäische Übereinkommen von La Valetta zum Schutz des archäologischen Erbes und ein Übereinkommen des Europarates zum Wert des kulturellen Erbes für die Gesellschaft unterzeichnet habe. Beide hätten Konsequenzen für den archäologischen Kulturgüterschutz und damit für den Arbeitsmarkt in diesem Bereich.

Speziell das im Übereinkommen von La Valetta vorgesehene Verursacherprinzip sei relevant. Werden nun etwa im Zuge von Baumaßnahmen archäologische Überreste entdeckt, hat der Verursacher für die archäologische Aufarbeitung der Funde zu sorgen. Den kleinen Häuselbauer werde das nicht treffen, hier gebe es staatliche Förderungen, bei Errichtung von Straßen oder Wohnhausanlagen sei dagegen der Bauherr verantwortlich.

“Dies macht es für die Planungs- und Bauwirtschaft besonders wichtig, die Kapazitäten des archäologischen Arbeitsmarktes zum Zweck einer verbesserten Bauplanungssicherheit abschätzen zu können”, meinte Karl. Man sollte sich daher überlegen, ob man das Thema Archäologie nicht schon wie den Umweltschutz in die Bauplanung einbeziehe und Ausgrabungen durchführe, bevor die Baumaschinen auffahren. “Das ist ein weit geringeres Problem als wenn eine Baustelle aufgrund einer Rettungsgrabung wochenlang steht”, so Karl.

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