Aufbruchsstimmung nach Personalrochaden bei Salzburger Grünen

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Haben den Koalitionsvertrag für die Grünen verhandelt: Heinrich Schellhorn, Martina Berthold und Astrid Rössler.
Haben den Koalitionsvertrag für die Grünen verhandelt: Heinrich Schellhorn, Martina Berthold und Astrid Rössler. - © APA/FRANZ NEUMAYR
Sechs Wochen nach dem Schock bei der Salzburger Landtagswahl scheinen sich die Grünen im Land wieder gefangen zu haben. Notwendig dafür waren personelle Weichenstellungen, die mit dem Rücktritt Astrid Rösslers eingeleitet wurden. Während Heinrich Schellhorn als einziger Grüner in der Landesregierung bleibt, wechselt Martina Berthold in die Stadt. Gewinnen will man jetzt an beiden Fronten – und formuliert klare Ziele.




Es ist ein Mix aus Aufbruchsstimmung, Dynamik, Enttäuschung und Wehmut, der die Salzburger Grünen derzeit begleitet. Der Absturz bei der Landtagswahl am 22. April von den historischen 20,2 Prozent im Jahr 2013 auf 9,3 Prozent kam für alle Akteure unerwartet, zumal das Wahlziel im zweistelligen Bereich lag. Der konsequente Abgang von Grünen-Chefin Astrid Rössler hat es der Partei aber erst ermöglicht, sich rasch neu aufzustellen und wiederzufinden.

Aus drei mach zwei

Die drei ehemaligen Hauptakteure der Grünen reduzieren sich auf zwei, wobei nur mehr der neu gewählte Landessprecher Heinrich Schellhorn (57) als designierter Landeshauptmann-Stellvertreter in der Regierung verbleibt. Noch-Landesrätin Martina Berthold (48) – sie war in den vergangenen fünf Jahren für die Bereiche Integration, Kinder, Jugend und Sport zuständig – wird zunächst Landtagsklubchefin und wechselt dann pünktlich zu den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2019 als Nachfolgerin von Johann Padutsch in die Stadt. „Mit Astrid geht eine wichtige Zeit für die Grünen zu Ende aber die hohe Zustimmung von 95 Prozent bei der Wahl von Heinrich zum neuen Landessprecher zeigt auch den Zusammenhalt in der Partei und macht klar, dass wir Grünen nicht in Selbstmitleid verfallen“, resümiert Martina Berthold die derzeitige Stimmung innerhalb der Partei.

Alle Gesichter der neuen Landesregierung findet ihr HIER.

Berthold: Grüne Handschrift weiter klar erkennbar

Berthold, die den neuen Koalitionsvertrag zwischen ÖVP, den NEOS und den Grünen mitverhandelt hat, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden, zumal sie darin in vielen Bereichen eine Fortsetzung der vergangenen Legislaturperiode sieht. „Vor allem beim Umwelt- und Naturschutz konnten wir viel von dem halten, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde“, so Berthold im Gespräch mit SALZBURG24. Die Grüne Handschrift sei aber auch klar in den Bereichen Verkehr und Mobilität, Soziales, Sport und Bildung zu erkennen. „Eine Herzensangelegenheit war mir die Fertigstellung des neuen Kinderbetreuungsgesetzes. Dabei war mir besonders wichtig, dass das als eigener Punkt in die Vereinbarung aufgenommen wird“, so Berthold. Ihre Ressorts werden sich in der neuen Landesregierung die drei „Neuen“ aufteilen: So soll die 41-jähriger Andreas Klambauer (NEOS) die Bereiche Kinderbetreuung, Familien und Integration weiterführen. Für Wissenschaft und Forschung wird künftig Maria Hutter (36) und für Sport der 30-jährige Stefan Schnöll – neben Hutter das zweite neue Gesicht im ÖVP-Regierungsteam – verantwortlich sein. Letzterer übernimmt zudem den Brocken Mobilität und Infrastruktur (vormals Hans Mayr bzw. Brigitta Pallauf) und kündigte bereits eine Straßensanierungsoffensive an.

Neue Chancen für die Grünen in der Landeshauptstadt

Mit Bertholds Wechsel vom Land in die Stadt tun sich für die Bürgerliste mit Blick auf die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl neue Möglichkeiten auf. Seit drei Jahrzehnten führt Urgestein Johann Padutsch die Grünen der Stadt Salzburg an, eine Nachfolge war bislang jedoch nicht in Sicht. „Vor einem Jahr hat mich Klubomann Helmut Hüttinger gefragt, ob ich das machen will, aber da war ich mitten in der Arbeit als Landesrätin. Jetzt passt es und ich werde mich Ende September bei der Stadtversammlung bewerben“, so die 48-Jährige. Mit Berthold in der Stadt wollen die Grünen wieder zweitstärkste Kraft werden und nächstes Jahr eine Grüne Bürgermeisterin oder Vizebürgermeisterin bekommen. „Das ist realistisch“, sagte Heinrich Schellhorn vor wenigen Tagen zu den neu formulierten Zielen.

Berthold kündigt im Interview mit SALZBURG24 jedenfalls an, „anpacken“ und die Bürgerliste neu aufstellen zu wollen. Engagieren will sie sich vor allem rund um den Bereich der Lebensbedürfnisse der Salzburger wie Wohnen, Mobilität und Verkehr und natürlich in ihrem Herzensbereich Familien und Kinder. Sie wolle aber auch den zunehmenden Tourismus hinterfragen und darauf schauen, dass Salzburg „unsere Stadt bleibt“.

Die Grüne Zukunft

Für die Zukunft optimistisch stimmt Berthold nicht nur die personellen Weichenstellungen, sondern auch der grüne Nachwuchs. Dabei nennt Berthold drei Namen: Simon Heilig-Hofbauer (Landtagsabgeordneter, Klubobmann-Stellvertreter), Anna Schiester (Landtagspressesprecherin) und Mario Steinwender. Während die beiden ersteren bereits regelmäßig durch ihre Arbeit bei den Grünen in Erscheinung treten, ist der 17-jährige Steinwender als Vorstandssprecher der erst im Jänner neu gegründeten jungen Grünen ein ganz neues Gesicht.

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