Bailey holte erstes Biathlon-WM-Gold für USA

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Lowell Bailey holte das erste WM-Gold für die USA
Lowell Bailey holte das erste WM-Gold für die USA - © APA
Die österreichischen Biathleten sind bei der Heim-WM auch im Einzel leer ausgegangen. Simon Eder landete am Donnerstag über 20 km als bester ÖSV-Mann mit zwei Strafminuten an der zwölften Stelle. Gold holte sensationell der US-Amerikaner Lowell Bailey, der 3,3 Sekunden vor dem ebenfalls fehlerfreien Tschechen Ondrej Moravec siegte. Bronze ging trotz zwei Fehlschüssen an Topfavorit Martin Fourcade.

Bailey holte bei neuerlich frühlingshaften Verhältnissen mit Startnummer 100 die erste Goldene für sein Land in der WM-Geschichte. Auch im Weltcup hat es noch nie einen US-Herrensieg gegeben. “Ich bin sprachlos, es ist ein Traum. Ich warte noch auf jemanden, der mich aufweckt. Das ist unglaublich”, sagte der strahlende Sieger. Im Sprint (4.) und in der Verfolgung (6.) war der 35-Jährige aufgrund eines zu großen Zeitverlustes in der Schlussrunde noch knapp an den Medaillenrängen vorbeigelaufen.

Diesmal gab er den Erfolg vor den Augen seiner Frau und seiner kleinen Tochter im Fernduell mit dem im Ziel wartenden Moravec aber nicht mehr aus der Hand. “Ich habe mir gesagt, lass die Medaille nicht wieder los und gib nicht auf. Die Schlussrunde ist mir wie 40, nicht wie vier Kilometer vorgekommen”, so der Olympia-Achte über die dramatische Schlussphase vor 15.300 Zuschauern. Im Weltcup stand der Hobbygitarrist aus Lake Placid im März 2014 als Sprint-Zweiter bisher einmal am Stockerl, damals übrigens auch vor Moravec.

Einen Anteil am WM-Triumph hat auch sein diesmal nicht anwesender oberösterreichischer Schießberater Gerold Sattlecker. “Für mich bedeutet das so viel, weil so viel Arbeit, nicht nur von mir, sondern von meinem gesamten Team, in dieser Medaille steckt”, meinte Bailey, der in Hochfilzen schon seit der Junioren-WM im Jahr 2000 Rennen bestreitet. Im Vorjahr noch vor dem Rücktritt gestanden, will Bailey nun bis Ende der kommenden Olympiasaison weitermachen.

Der Vorjahresdritte Eder (+1:31,6 Min.) lag lange auf Medaillenkurs, ein zweiter Fehler beim letzten Stehendschießen ließ den Edelmetalltraum aber noch platzen. “Es ist einfach bitter. Ich glaube, mir fehlt stehend ein bisschen die Selbstverständlichkeit. Läuferisch war es ein Superrennen”, betonte Eder. Als Zehntschnellster hatte er mehr als eine Minute auf die Topzeit von Fourcade verloren.

Julian Eberhard (1:57,9) stellte zwar die zweitbeste Laufzeit auf, aufgrund von drei Strafminuten kam er jedoch nicht über Rang 14 hinaus. “Heute bin ich in Schönheit gestorben. Es waren Teile sehr gut und im Laufen habe ich alles richtig gemacht”, zeigte sich der in Sprint und Verfolgung noch unter den besten zehn gelegene Salzburger nicht unzufrieden.

Daniel Mesotitsch (1:58,3/1 Strafrunde) lief in kurzer Hose und kurzem Leiberl unmittelbar hinter Eberhard als 15. zu seinem bisher klar besten Ergebnis bei dieser WM. “Es war zumindest die richtige Bekleidung. Am Schießstand habe ich es bis auf einen Schuss ganz gut im Griff gehabt. Der Fehler ist schade, sonst wäre es ein bisschen weiter vorne gewesen, aber auf die Medaillen hätte ich keine Chance gehabt”, sagte der 40-Jährige.

Vorjahres-Vizeweltmeister Dominik Landertinger (3:06,7) war als 26. mit drei Fehlschüssen und eineinhalb Minuten Zeitverlust auf Fourcade in der Loipe chancenlos. “Ich habe läuferisch einen schlechten Tag erwischt. Schießtechnisch habe ich mich nicht schlecht gefühlt, leider hat es mir zwei Fehler stehend rausgerissen”, bedauerte der Lokalmatador, der wie Fixstarter Eberhard und Eder für den Massenstart am Sonntag qualifiziert ist. Unterwegs hatte der erhitzte Ex-Weltmeister vergeblich versucht, seine Hosenbeine hochzuziehen. “Mit war so heiß, aber es ist nicht gegangen, weil der Transponder so eng war.”

Der neue Vizeweltmeister Moravec durfte sich über seine zweite Einzel-WM-Medaille nach Bronze 2015 freuen. Er ärgere sich zwar ein wenig über das knapp verpasste erste Gold, gönne es Bailey aber auch, so der Tscheche. Verfolgungsweltmeister Fourcade haderte mit zwei verfehlten Scheiben. “Ich habe zu viele Fehler gemacht, um zu gewinnen. Aber es war ein gutes Rennen”, sagte der Einzelweltmeister von 2013, 2015 und 2016. Er könne sich aber mit dem Gewinn des Einzel-Weltcups und seiner vierten Medaille in Hochfilzen trösten, ergänzte der Saisondominator.

(APA)

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