Bangen um Nordamerika-Rennen, Levi will nie wieder absagen

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So weiß war es in Beaver Creek 2015
So weiß war es in Beaver Creek 2015 - © APA (Archiv/AFP/Getty)
Verkehrte Ski-Welt. Nach insgesamt bereits drei Absagen gingen 2016 die beiden Levi-Slaloms in Finnland auf perfekter Piste über die Bühne. Dafür bangt der Weltcup-Zirkus nun um die folgenden Übersee-Rennen. Am betrüblichsten sieht es derzeit in Beaver Creek aus, wo das komplette Skigebiet schneelos ist.

Die Entscheidung über die drei vom 2. bis 4. Dezember auf der Birds of Prey geplanten Herrenrennen fällt kommenden Freitag und ist endgültig, erklärte Herren-Renndirektor Markus Waldner. Das komplette Beaver-Programm würde stattdessen in Europa gefahren werden. Wo genau, wollte der Südtiroler trotz intensiver Arbeit am “Plan B” vorerst noch nicht verraten.

Bescheiden ist auch die Situation im kanadischen Lake Louise, wo am 26. und 27. November zwei Herren- und eine Woche später drei Damen-Spedrennen angesetzt sind. Die Schneekontrolle für den Herren-Event wurde wie angekündigt auf kommenden Dienstag, allerspätestens Mittwoch verschoben. “Derzeit sind wir dort aber weit weg von einer rennfertigen Piste”, war Waldner wenig optimistisch. Bezüglich der Damenrennen hat man noch etwas mehr Zeit.

Dort wie da hofft man noch auf sinkende Temperaturen. Fallen die Herrenbewerbe in Lake Louise aber aus, gibt es an diesem Wochenende keine Rennen. Das soll den bereits in Übersee weilenden Teams ermöglichen, weiter vor Ort trainieren und eventuell erst für die Beaver-Ersatzrennen nach Europa zurückkommen zu können. Man werde die Kanada-Rennen aber später im Winter an bestehende Bewerbe anhängen, sagte Waldner und nannte Garmisch oder Kvitfjell als mögliche Optionen.

Die besten Chancen auf Nordamerika-Rennen hat man offenbar in Killington und damit ausgerechnet im am niedrigsten gelegenen Nordamerika-Ressort an der US-Ostküste. Dort nützt man jede kalte Stunde zum Beschneien der Piste “Superstar”, wo ebenfalls am 26. und 27. November zwei Damen-Technikrennen angesetzt sind.

In Levi hat man nach den bereits drei Renn-Ausfällen erkannt, dass so etwas nicht gut ist für das Image und das Geschäft. 2016 kamen deutlich weniger Besucher in die beliebte Touristen-Station in Finnland. Deshalb hat man weiter investiert und glaubt nun versprechen zu können, dass es zumindest aus Schneemangel nie wieder Absagen am Polarkreis geben wird.

Die Lösung heißt auch hier “Snowfarming”. Bereits diesen Winter werden auf dem Weltcup-Hang erstmals zusätzlich 50.000 Kubikmeter Schnee produziert und in drei großen Häufen so deponiert und abgedeckt, dass sie auch den Sommer überdauern. Die Menge reicht, um im Herbst darauf eine Rennpiste präparieren zu können.

Diese Vorgehensweise ist in vielen Wintersportorten längst üblich. Auch auf dem Söldener Rettenbachgletscher war unlängst beim Weltcup-Opening die meterhohen “Schnee-Farmen” unübersehbar gewesen.

Auf der Resterhöhe bei Kitzbühel haben die ÖSV-Damen dank dieser Konservierungsmethode, bei der man über den Sommer lediglich 20 Prozent Schnee verliert, im Oktober auf einer gut 600 Meter langen Piste gut trainieren können. Der Saisonstart am Pass Thurn konnte bereits am 22. Oktober erfolgen.

In Levi sieht man sich lediglich als alpiner Nachahmer. “Man kennt die Methode längst auch aus dem Langlauf”, sagte etwa Rennleiter Petri Tuomikoski.

In Finnland hat man außerdem 650.000 Euro in zusätzliche Leitungen für die Schneekanonen-Anlage investiert. In den kommenden drei Jahren soll auch eine drei Millionen Euro teure Mittelstation auf dem Levitunturi gebaut werden, damit man mit der Gondel auch bei Wind den Slalomstart problemlos erreichen kann.

“Wir sind im Moment bis 2020/2021 im Kalender und der Ski-Weltcup ist sehr wichtig für uns”, erklärte Tuomikoski. “Das ist ein Hochsaisons-Wochenende im November, da geht es um sehr viel Geld.”

(APA)

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