Barbara Hansel im Sonntags-Talk: “Derweil mag ich nicht mal einen Beachvolleyball sehen”

Von Thomas Pfeifer
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Barbara Hansel stand im SALZBURG24-Interview Rede und Antwort.
Barbara Hansel stand im SALZBURG24-Interview Rede und Antwort. - © Michael Török
Länger als ein ganzes Jahrzehnt war Barbara Hansel im Mittelpunkt der österreichischen Beachvolleyballszene. Nun ist die 33-Jährige in Sportler-Pension. Im Sonntags-Talk spricht die gebürtige Neumarkterin über ihre bemerkenswerte Karriere, Beachvolleyball in Österreich und die persönliche Zukunft.




Die siebenfache Beachvolleyball-Staatsmeisterin Barbara Hansel hat mit dem letzten nationalem Bewerb am Litzlberg Ende August ihre erfolgreiche Karriere beendet. Eigentlich wollte sie bereits im Jahr 2014 aufhören, aber mit Stefanie Schwaiger ging sie nochmals die Mission Olympia-Quali an. Mit den Olympischen Spielen in Rio hat Hansel ihren größten Traum zwar um Haaresbreite verpasst, dennoch blickt die 1,86 Meter große Athletin mehr als positiv auf ihre Karriere zurück. Wir haben die studierte Bildungswissenschaftlerin zum Interview getroffen.

SALZBURG24: War der Staatsmeistertitel das i-Tüpfelchen deiner bemerkenswerten Karriere?

BARBARA HANSEL: Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen als mit einem Titel aufzuhören. Jetzt kommt die Demut, denn es war das letzte Mal. Aber meine Entscheidung zum Karriereende stand schon länger fest – diesen Abschluss empfinde ich als große Ehre, ich hatte richtig Gänsehaut.

War es zu erwarten, dass ihr bei den Staatsmeisterschaften so durchmarschiert?

Ich wusste, dass wir Favoriten auf den Titel sind, wenn wir unsere Leistung bringen. Ich habe es aber überhaupt nicht erwartet, weil wir uns auch nicht so lange auf das Turnier vorbereitet haben.

Wie geht man mit der Favoritenrolle um?

Ich bin da eher vorsichtig. Man muss immer das spielen, was man auch kann. Jeder will dich schlagen, jeder riskiert alles gegen dich, wenn du der Favorit bist. Man muss sich auf seine eigenen Stärken besinnen und darf keinesfalls denken, dass man es eh packt. Es sind aber große Sprünge: International waren wir immer Außenseiter, national der große Favorit. Daran gewöhnt man sich aber über die Jahre und kann sich mental darauf einstellen.

Warum war Salzburg mit vier von sechs möglichen Medaillen so dominant?

Gute Frage! Es kann sein, dass die beiden Herren-Teams, die bei Olympia waren, einfach ausgelaugt waren. Alle haben verschiedene Trainer und sind in unterschiedlichen Bundesländern stationiert. Die Salzburger hatten möglicherweise einen kleinen Heimvorteil und haben sich offenbar gewissenhaft vorbereitet. Dass wir so dominant waren, hat mich aber sehr überrascht.

Wie schnell konntest du die Olympia-Enttäuschung im Sommer abhaken?

Die ersten Tage waren sehr hart, man überlegt extrem viel. Am Ende lag es am allerletzten Satz – das ist natürlich bitter. Wir haben uns dann eine Trainingspause verordnet und versucht mit Familie und Freunden abzuschalten, um einfach auf andere Gedanken zu kommen.

Wie bewertest du den sogenannten Rio-Fördertopf?

2015 waren wir noch in der höchsten Förderstufe dieses Topfes. Nachdem es in der Saison nicht optimal lief, wurden sofort die Förderungen runtergeschraubt, obwohl wir noch alle Chancen für eine Qualifikation hatten. Das ist für einen Athleten unverständlich, weil wir ja auch den Trainer selbst finanzieren müssen – das geht eigentlich nur über Fördergelder und nicht ausschließlich über Sponsoren. Dennoch war das Rio-Projekt eine große Hilfe für uns – ohne die Förderung wären wir nie so weit gekommen. Es würde aber mehr Sinn machen, Teams länger damit zu betreuen. Man darf aber bloß nicht davon ausgehen, dass Medaillen rausspringen, wenn man nur genug Geld reinpumpt.

Was waren die Top- und Flop-Momente deiner Karriere?

Die Highlights waren ganz klar die Halbfinals beim Grand Slam 2009 und 2010 in Klagenfurt sowie der Vize-Europameistertitel 2011. Hinzu kommt das erste Finale auf der World Tour 2016 zusammen mit Steffi Schwaiger – das bleibt für immer in Erinnerung. Die Negativpunkte sind die beiden nur knapp verpassten Olympia-Qualifikationen – es ist aber im Nachhinein wichtig zu wissen, dass man alles gegeben hat und das sich was weiterentwickelt hat.

Und wo gibt es eigentlich den besten Sand zum Beachen?

Weil die Heim-Events immer sehr speziell sind, findet man die Bedingungen dort auch oft passend. Ob das nun in Klagenfurt, Litzlberg oder sonst wo ist, ist eigentlich egal. Wenn man aber im Kopf einen gewissen Sand präferiert, dann hat man schon verloren. Als Profi muss man überall spielen können.

Du hattest in deiner Karriere sieben Spielpartnerinnen. Wie ist der Kontakt nach einer Trennung zueinander?

Das ist unterschiedlich. Bei manchen ist die Partnerschaft nur auf den Job bezogen, bei anderen macht man auch privat sehr viel miteinander. Die wohl speziellste Beach-Partnerschaft ging über vier Jahre mit Christina Gschweidl. Wir hatten kein professionelles Umfeld, sind durch die Welt gegondelt und haben hauptsächlich verloren, aber dennoch zusammengehalten – es war ein kleines Abenteuer.

Am Anfang nach einer Trennung braucht jeder erstmal eine Auszeit vom anderen. Schließlich hat man enorm viel Zeit gemeinsam verbracht, sei es im Hotelzimmer, beim Training oder natürlich auch beim Essen. Ich hoffe, dass Steffi (Schwaiger, Anm.) schnell eine neue Partnerin findet, denn das ist nicht so leicht in Österreich.

Wie bleibst du nach deinem Karriereende eigentlich in Form?

Die ersten Tage habe ich gar nichts gemacht (lacht). Den gesamten Umfang habe ich deutlich reduziert, jetzt mache ich eher Sportarten, die ich während des Leistungssports wegen der Verletzungsgefahr nicht ausüben konnte bzw. sollte. Das sind zum Beispiel in den Bergen wandern, Skifahren oder Tennis.

Wie beurteilst du den Beachvolleyball in Salzburg?

Das kann ich schwierig beurteilen, weil ich selbst die letzten Jahre kaum in Salzburg trainiert habe. Es kommt immer auf das Umfeld an: Vom Partner über die Trainer bis zum Physio zählt alles. Und im Beachvolleyball bist du dafür selbstverantwortlich – es ist in Österreich schwierig, dass dieses Angebot überhaupt da ist.

Na, wer erkennt diese überaus erfolgreiche Athletin? #Salzburg24stunden #Beachvolleyball #Interview #barbarahansel

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Was ist die größte Beachvolleyball-Baustelle in Österreich?

Die Infrastruktur ist ein Problem. In Wien ist das sehr gut gelöst worden, im restlichen Österreich muss noch einiges gemacht werden. Generell kann man aber sagen, dass wir gute Landestrainer haben und besonders die Arbeit im Nachwuchs super funktioniert. Die Zusammenarbeit zwischen Hallen- und Beachvolleyball muss jedoch in jedem Fall besser werden.

Kannst du dir vorstellen nun in die Funktionärs- und Verbandsarbeit einzusteigen?

Nein, derzeit kann ich das gar nicht sagen. In nächster Zeit will ich mich auch nicht mit dem Volleyball beschäftigen – derweil mag ich nicht mal einen Beachvolleyball sehen (lacht). Später kann ich mir aber eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich vorstellen.

Was machst du jetzt?

Ich nutze noch die Berufsförderung, die mir nach dem Ausscheiden als Heeressportlerin vom Bundesheer ermöglicht wird. In diesem Zuge schließe ich mein bereits angefangenes BWL-Fernstudium ab und blättere schon die Jobanzeigen durch. Natürlich genieße ich auch ein bisschen die Freizeit.

Du bist nun wieder zurück in Neumarkt. Warum?

Ich bin in Neumarkt am Wallsersee aufgewachsen und habe natürlich viele Erinnerungen. In die Berge ist es nicht weit, man kann draußen viel Sport machen. Außerdem gibt’s bei uns die Pizzeria Francesco (lacht). Es ist einfach die Heimat und dadurch etwas ganz Spezielles.

Was sind für dich die schönsten Orte in Salzburg?

Ich war über zehn Jahre lang in der Welt unterwegs, habe in Wien und Innsbruck gelebt. Aber ich genieße die unterschiedlichen Seen und Berge in Salzburg oder auch mal einen Spaziergang durch die Altstadt. Ich entdecke Salzburg eigentlich gerade neu (lacht).

Wie schaut es aus mit der Familienplanung?

Klar möchte ich Kinder in näherer Zukunft haben, mindestens zwei sollten es sein. Ich bin selbst mit einem Bruder und einer Schwester aufgewachsen. Das hat Spaß gemacht in der Kindheit.

Danke für das Interview, Babsi. Bist du bereit für ein paar abschließende Entweder-oder-Fragen?

Klar, schieß los!

Süß oder sauer? Süß

Kino oder Netflix? Kino

CD oder Spotify? Radio (lacht)

Süßwasser oder Salzwasser? Süßwasser

Berg oder Meer? Beides

Sachertorte oder Salzburger Nockerl? Sachertorte

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