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Behinderte offenbar bei Pflege vernachlässigt: Pongauer vor Gericht

Ein 60-jähriger Pongauer stand am Montag wegen Vernachlässigens einer wehrloser Personen vor Gericht. Ein 60-jähriger Pongauer stand am Montag wegen Vernachlässigens einer wehrloser Personen vor Gericht. - © Neumayr/Archic
Ein 60-jähriger Pongauer, der seine geistig und körperlich beeinträchtigte Schwester jahrelang gepflegt hatte, ist am Montag wegen Vernachlässigens wehrloser Personen in Salzburg vor einem Einzelrichter gestanden.

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Der Frühpensionist soll laut Anklage keine ärztliche Hilfe geholt haben, obwohl die Frau massive Druckgeschwüre an den Oberschenkeln erlitten und aufgrund einer fortgeschrittenen Augenentzündung die Sehkraft des rechten Auges verloren hatte. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld. Er habe seine Schwester nach bestem Wissen und Gewissen aufopfernd und mit viel Liebe gepflegt, schilderte er.

Angeklagter wurde freigesprochen

Der Pongauer ist am Montagnachmittag bei dem Prozess am Landesgericht Salzburg nicht rechtskräftig freigesprochen worden. Eine grobe Vernachlässigung in der Pflege der Schwester über einen längeren Zeitraum habe das gerichtsmedizinische Gutachten nicht nachweisen können, hieß es in der Urteilsbegründung. Auch sei ein grobes, vorsätzliches Unterlassen nicht erkennbar gewesen. Staatsanwalt Andreas Winkler gab keine Erklärung ab.

60-Jähriger kümmerte sich um seine jüngere Schwester

Bei der mittlerweile 51-jährigen Schwester lag aufgrund einer Chromosomenstörung “Trisomie” vor. Seit dem Tod der Mutter im Jahr 2001 kümmerte sich der Pongauer bis November 2010 in seinem Haus nahezu alleine um seine Angehörige. Manchmal schaute eine Nachbarin vorbei. “Er hat bis zuletzt nicht daran gedacht, dass er seine Schwester irgendwie gefährdet”, betonte Verteidiger Siegfried Berger. Das Delikt “Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen” erfordere ein vorsätzliches Handeln, “das hatte er aber nicht eine Sekunde lang getan. Das Wohl der Schwester stand immer im Vordergrund”, erklärte der Anwalt.

“Ich habe sogar auf eine eigene Familie verzichtet”

Als “Tatzeitraum” gab die Staatsanwaltschaft 2002 bis Mitte November 2010 an. Der Pongauer schilderte Richter Roland Finster ausführlich und emotional, wie anstrengend die Pflege der Schwester war, die aggressiv geworden sei, wenn ihr etwas nicht gepasst hätte, und wie hingebungsvoll er sich um sie gekümmert habe, nachdem sie gleich nach dem Tod der Mutter bettlägerig geworden ist. “Ich habe sogar auf eine eigene Familie verzichtet.” Als sich der Zustand der Schwester im Frühjahr 2010 verschlechtert und er im September 2010 eine Rötung im Brust- und Lendenbereich bemerkt habe, fragte er den Hausarzt um Rat. Der habe eine Salbe verschrieben. Als dann aber eine Wunde entstanden sei, habe er mehrmals den Arzt kontaktiert und ein Desinfektionsmittel und ein Spezialpflaster bekommen. “Ich habe auch versucht, sie im Bett umzulagern, sie ist aber sofort zurück in die Ausgangslage. Einen Schmerz hat sie nie geäußert”, rechtfertigte sich der Angeklagte.

Frau Mitte November 2010 ins Spital gebracht

Mitte November 2010 hat sich die Wunde so verschlechtert, dass die Frau ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Ärzte stellten zudem eine schwere Sehschädigung fest. Warum er denn nicht schon zuvor den Arzt nach Hause kommen ließ, fragte der Richter. Seine Schwester hätte einen “Schock” bekommen, wenn sie jemand anderer behandelt hätte, meinte der Pensionist. Außerdem habe ihm der Arzt auch keinen Hausbesuch angeboten. “Und ich habe ihn nicht danach gefragt”, sagte der Beschuldigte. Ein Urteil stand noch aus. (APA)



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