Besser getaktete innere Uhr hebt Bewusstsein von Wachkoma-Patienten

Salzburger Forscher entdeckten, wie sich die innere Uhr auf Wachkoma-Patienten auswirkt. (Themenbild)
Salzburger Forscher entdeckten, wie sich die innere Uhr auf Wachkoma-Patienten auswirkt. (Themenbild) - © APA/Fohringer/Archiv
Das Bewusstseinsniveau von Wachkoma-Patienten steigt, je besser die innere Uhr im 24-Stunden-Rhythmus getaktet ist. Das fanden Salzburger Psychologen in einer Studie heraus, deren Ergebnisse im Fachjournal “Neurology” veröffentlicht wurden. Zudem zeigten sich in der Untersuchung bei einem Teil der Patienten positive Effekte von täglicher Stimulation mit hellem Licht mit höherem Blauanteil.


Die innere Uhr steuert im 24-Stunden-Rhythmus viele Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Hormonabgabe, Hungergefühl, Blutdruck, Körpertemperatur und Schlaf-Wach-Rhythmus. Die zentrale Schaltstelle dieser “zirkadianen Uhr” befindet sich im Gehirn, konkret im “Nucleus suprachiasmaticus”. Gesteuert wird sie vor allem durch Licht.

Bedeutung der inneren Uhr macht sich bei Jetlag bemerkbar

“Welch grundlegenden Einfluss dieser zirkadiane Rhythmus auf biologische und psychologische Körperfunktionen hat, merkt man etwa beim Jetlag nach Langstreckenflügen”, sagte die Psychologin Christine Blume vom Centre for Cognitive Neuroscience der Universität Salzburg gegenüber der APA. Dennoch würde man die Bedeutung der inneren Uhr oft ignorieren, auch im medizinischen Bereich.

Blume hat sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Manuel Schabus und einem Team aus Ärzten und Psychologen erstmals die Bedeutung der zirkadianen Uhr für das Bewusstsein bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen nach schweren Hirnschäden untersucht. Konkret waren das Patienten im Wachkoma – sie wirken wach, haben ihre Augen teilweise geöffnet, verfügen aber aller Wahrscheinlichkeit nach über kein Bewusstsein – und solche im Zustand minimalen Bewusstseins. Bei diesen finden sich Hinweise auf das Vorhandensein von Bewusstsein, sie können etwa einen sich bewegenden Gegenstand fixieren oder eine Bewegung auf Kommando ausführen.

Körpertemperatur hängt mit Leistungsfähigkeit zusammen

Bei gesunden Menschen folgen die täglichen Schwankungen der Körpertemperatur einem ziemlich exakten 24-Stunden-Rhythmus. Meist ist sie am frühen Morgen am niedrigsten und gegen 16.00 Uhr am höchsten, der Unterschied kann bis zu zwei Grad Celsius ausmachen. Dabei gilt: je höher die Körpertemperatur, desto höher auch die kognitive Leistungsfähigkeit.

So erkennen Forscher Genesungschance bei Wachkoma-Patienten

Bei den von den Salzburger Forschern untersuchten 18 Patienten im Wachkoma oder im Zustand minimalen Bewusstseins variierte die Länge der Temperaturrhythmen zwischen 23,5 und 26,3 Stunden. Zudem haben die Forscher das Bewusstheitsniveau jedes Patienten mit einem bestimmten Test untersucht, der Hinweise auf eine mögliche Genesung nach einem Koma gibt. Dabei werden u.a. die Reaktionen auf Geräusche geprüft und die Fähigkeit, die Augen mit oder ohne Stimulation durch den Untersucher zu öffnen. Es zeigte sich, dass jene Patienten bessere Testergebnisse erreichten, deren Körpertemperatur-Schwankungen eher jenen von gesunden Menschen mit relativ exaktem 24-Stunden-Rhythmus entsprachen, so Blume.

Großer Einfluss der Tageszeit der Untersuchung

Die Psychologin empfiehlt daher Ärzten, zirkadiane Rhythmen im diagnostischen Prozess nicht außer Acht zu lassen. “Die Tageszeit, zu der Patienten untersucht werden, könnte entscheidend dafür sein, wie eine Diagnose ausfällt und damit auch die Therapieoptionen”, so Blume.

Zudem sollte für Patienten eine Umgebung geschaffen werden, die das natürliche Muster von Licht und Dunkelheit nachahmt, um einen normalen Schlaf-Wach Rhythmus zu unterstützen. “Während ausreichende Dunkelheit in der Nacht meist weniger ein Problem ist, könnte insbesondere eine unzureichende Lichtexposition während des Tages kritisch sein. Denn oft ist die Beleuchtungsstärke in Patientenzimmern aufgrund architektonischer Gegebenheiten auch untertags gering”, sagte Blume.

Licht wirkt sich positiv aus

Bei acht Wachkoma-Patienten haben die Wissenschafter die Wirkung von täglicher Stimulation mit hellem Licht mit einem erhöhten Blauanteil untersucht. Bei zwei Patienten zeigten sich nach einer Woche positive Effekte. Aus diesem Grund empfehlen die Forscher größere Studien mit höheren Patientenzahlen, um die positive Wirkung von Lichtstimulation tatsächlich nachzuweisen.

(APA)

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