Betriebe in Gewerbe und Handwerk verdienen zu wenig

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Preiskonkurrenz soll entschärft werden
Preiskonkurrenz soll entschärft werden - © APA (dpa)
Das dritte Quartal 2016 brachte den Betrieben in Gewerbe und Handwerk leichte Erholung, dem Jahresendspurt stehen die Unternehmer im Vergleich zum Vorjahr relativ zuversichtlich gegenüber. “Ein preisbereinigtes Wachstum wäre jedenfalls dringend notwendig, um die Preiskonkurrenz zu entschärfen und die Ertragslage zu verbessern”, so die KMU Forschung Austria. Die Gewinne seien zu niedrig.

Die österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe müssten an ihrer Ertragslage arbeiten, die Umsatzrenditen seien mit durchschnittlich 3,5 Prozent mager. “Angesichts des enormen unternehmerischen Risikos ist das kein zufriedenstellendes Niveau”, so Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria am Montag per Aussendung. Unterm Strich bleiben den Unternehmern nach Steuern lediglich 2,9 Prozent des Umsatzes.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der KMU Forschung Austria, die die Ertragslage der heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe unter die Lupe genommen und die Jahresabschlüsse 2014/2015 von 22.630 Unternehmen ausgewertet wurden.

Gleich 34 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe schreiben demnach rote Zahlen, weitere 34 Prozent weisen eine Umsatzrendite zwischen 0 und 5 Prozent aus und bilanzieren damit immerhin positiv. 16 Prozent der Unternehmen berichten ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zwischen 5 und 10 Prozent des Umsatzes. Auf eine Umsatzrentabilität von mehr als 10 Prozent kommen lediglich 16 Prozent der Betriebe.

“Negative Jahresergebnisse können auch auf ‘Einmalereignisse’ zurückzuführen sein (z.B. Zahlungsausfall durch Insolvenz eines Kunden). Anhaltende Ertragsprobleme wurzeln aber in der Regel in einer schlechten Marktposition”, heißt es von den Forschern.

Um die betriebswirtschaftliche Position der Betriebe zu bestimmen, wurden die Kennzahlen Umsatzrentabilität (als Maßstab für die Ertragslage) und die Eigenkapitalquote (als Indikator für die Qualität der Finanzierung) verknüpft. 13 Prozent der Betriebe sind demnach Sanierungsfälle und können ihre Kosten nicht decken. Die “Zuführung von Eigenkapital, Reduzierung der Fixkosten, strategische Neuausrichtung des Unternehmens” seien notwendig.

Ein Fünftel der Gewerbe- und Handwerksbetriebe muss sowohl bei der Finanzierung als auch bei der Ertragslage nachjustieren (Gewinne zwischen 0 und 5 Prozent, Eigenkapitalausstattung 0 bis 15 Prozent). “Um diese Situation zu verbessern, muss die Erhöhung der nicht entnommenen Gewinne (z.B. durch Verbesserung der Auslastung, Überprüfung der Kalkulation und Preispolitik) oberste Priorität haben”, rät die KMU Forschung Austria.

36 Prozent der Betriebe verdienen laut dem Forschungsinstitut zu wenig: Zwar liegt ihre Eigenkapitalquote über 15 Prozent, jedoch erzielen sie lediglich magere Gewinne zwischen 0 und 5 Prozent des Umsatzes beziehungsweise werden sogar Verluste erwirtschaftet. 7 Prozent der Unternehmen verdienen mit Gewinnen über 5 Prozent des Umsatzes zwar ausreichend, haben aber zu wenig Eigenkapital (bis 15 Prozent des Gesamtkapitals).

Nur 11 Prozent der heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe zählt laut KMU Forschung Austria zur “betriebswirtschaftlichen Elite”. Sie finanzieren über 30 Prozent des Vermögens mit Eigenkapital und kommen auf eine Umsatzrendite von über 10 Prozent. 13 Prozent der Betriebe hätten gute Voraussetzungen (Umsatzrendite über 5 Prozent, Eigenkapitalquote über 15 Prozent).

(APA)

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