Biografie beleuchtet Sebastian Kurz’ Jugend und Aufstieg

Kurz mit seinem wohl zukünftigen Regierungspartner H.C. Strache.
Kurz mit seinem wohl zukünftigen Regierungspartner H.C. Strache. - © APA/Fohringer
Sebastian Kurz darf sich über seine erste – unautorisierte – Biografie freuen. Die Journalistinnen Nina Horaczek und Barbara Toth haben in ihrem Werk mit dem Titel “Sebastian Kurz. Österreichs neues Wunderkind?” den Aufstieg des wahrscheinlich künftigen Bundeskanzlers umrissen. Auch die private Seite des ÖVP-Chefs wird beleuchtet und es wird auch versucht, dessen Politverständnis einzufangen.


In sechs Kapiteln wird der Weg von Kurz in dem im Residenz-Verlag erschienenen Buch beschrieben. Der erste Abschnitt (“Macht”) beschäftigt sich mit der Übernahme der ÖVP durch Kurz und der geschlagenen Nationalratswahl. Dabei wird auch ein Blick zurück geworfen, etwa in die Ära von Ex-VP-Chef Josef Pröll.

Kurz-Biografie beleuchtet das “türkise Heldenepos”

Zugleich wird die Taktik des ÖVP-Chefs und seines jungen Kampagnen-Teams recht akribisch beleuchtet, inklusive der geleakten Strategiepapiere zur geplanten Übernahme der Partei. Kurz und sein Team werden als gewiefte Strategen gezeichnet, denen es gelungen ist, einen “türkisen Heldenepos” zu stricken.

“Morgenmuffel” und praktizierenden Katholik

Das zweite Kapitel (“Familie”) beschäftigt sich mit dem Privatleben des ÖVP-Obmannes, welches dieser weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushält. Man erfährt, dass Kurz ein ausgesprochener Familienmensch ist, der Weihnachten nach wie vor mit Freundin gemeinsam mit den Eltern bei der Oma feiert und der nach wie vor recht bodenständige Urlaube – etwa an der italienischen Riviera oder in Griechenland macht. Auch wird Kurz als praktizierender Katholik porträtiert, der als “bekennender Morgenmuffel” aber lieber die Abend- statt die Morgenmesse besucht. Auch ein Blick zurück auf seine Jugend im Wiener Bezirk Meidling, dem Kurz bis zuletzt treu geblieben ist, bieten die Autorinnen – und lassen Weggefährten des Parteichefs zu Wort kommen.

Von den Schuljahren bis zum “Geil-o-mobil”

Das dritten Kapitel (“Freiheit”) beleuchtet ein wenig den ideologischen Unterbau von Kurz. Von seinem ehemaligem Geografielehrer erfährt man etwa, dass die politische Prägung des damaligen Schülers wohl in der Kirche “und in seinem guten Elternhaus” stattgefunden habe. Kurz selbst wird damit zitiert, die ÖVP habe ihm schon als Junger gefallen, weil ihm Eigenverantwortung “immer wichtig” gewesen sei.

Auch ein Blick zurück auf die “Wendejahre” unter Kanzler Wolfgang Schüssel und dem nach 2002 erfolgten Eintritt von Kurz in die Junge ÖVP (JVP) wird geboten, deren Chef der Jungpolitiker schließlich wurde – Erinnerungen an seine inzwischen belächelte “Geil-o-mobil”-Werbekampagne (“Schwarz macht geil”) inklusive. Dabei erfährt man unter anderem, dass bereits damals Philipp Maderthaner seine Finger im Spiel hatte – dieser war 2017 für den erfolgreichen Nationalratswahlkampf der ÖVP mitverantwortlich.

Aufstieg und scharfer Gegenwind

Thematisiert (im Kapitel “Leistung”) wird auch der scharfe Gegenwind, der dem damals erst 24 Jahre jungen Jusstudenten Kurz nach seiner Kür zum Staatssekretär im Jahr 2011 entgegenschlug. Und man erfährt, dass heute noch wesentliche Player bereits damals an seiner Seite standen: Pressesprecher Gerald Fleischmann und der nunmehrige ÖVP-Generalsekretär Stefan Steiner, den Kurz damals aus der Parteizentrale als seinen Kabinettschef mitgenommen hatte.

Seinen Aufstieg ins Außenamt und den Schwenk hin zu einer restriktiveren Asyl- und Migrationspolitik beschreiben die Autorinnen im Kapitel fünf (“Sicherheit”). Mit der Parteiübernahme durch Kurz, den Ereignissen davor und danach beschäftigt sich auch das Kapitel “Veränderung”.

Wofür steht Kurz? “Kein einheitliches Urteil”

Ein Urteil, wofür Kurz politisch wirklich steht, wollen die “Falter”-Journalistinnen nicht liefern: Darüber herrsche “bis heute kein einheitliches Urteil”. Kurz funktioniere als “Projektionsfläche für seine Kritiker und Bewunderer gleichermaßen”. Sein Erfolg sei auch darauf zurückzuführen, dass er nicht konkretisiert habe, wie die von ihm postulierte “Veränderung” genau ausschauen soll.

Das Buch offenbart zwar keine Neuigkeiten, bietet dem Leser auf 128 Seiten aber einen recht umfangreichen Überblick über das “Phänomen Kurz” – gewürzt mit zahlreichen Zitaten aus Zeitungsmeldungen, journalistischen Kommentaren aus dem Archiv und Wortspenden von Wegbegleitern.

(APA)

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