Birgit Nilsson Preis für Wiener Philharmoniker

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Auszeichnung für das weltbekannte Orchester
Auszeichnung für das weltbekannte Orchester
Die Wiener Philharmoniker werden am Mittwoch in Stockholm mit dem Birgit Nilsson Preis ausgezeichnet. Die mit einer Million Dollar (rund 730.000 Euro) dotierte Auszeichnung wurde von der weltberühmten schwedischen Sopranistin Birgit Nilsson (1918-2005) gestiftet. Bei der Preisverleihung im Stockholmer Konzerthaus werden die Wiener Philharmoniker unter Dirigent Riccardo Muti ein Konzert geben.


Das Konzert wird in Anwesenheit von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia gegeben – auch Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer wird an der Zeremonie teilnehmen. Fischer hat sich am Mittwoch in Stockholm “außerordentlich stolz” über die Verleihung des Birgit-Nilsson-Preises an die Wiener Philharmoniker gezeigt. Die Ehrung des Orchesters mit dem “Nobelpreis der Musik” sei äußerst “erfreulich”, erklärte Fischer nach einem Besuch beim schwedischen Königspaar Carl XVI. Gustav und Silvia.

Der König selbst drückte bei einem gemeinsamen Essen in der schwedischen Hauptstadt ebenfalls seine Freude darüber aus, den Award am Abend an die Philharmoniker überreichen zu dürfen. “Das Neujahrskonzert kennt man in aller Welt.” Fischer erinnerte daran, dass die Stifterin des Preises, die schwedische Sopranistin Birgit Nilsson (1918-2005), mit der Wiener Staatsoper sehr eng verbunden gewesen sei. “Sie ist 1954 das erste Mal aufgetreten, und ich habe sie selbst einige Male gesehen.”

Den Preis werden Wiener Philharmoniker für ihr Historisches Archiv verwenden. Dieses soll einen neuen, größeren Standort bekommen und besser öffentlich zugänglich werden. Die mit einer Million Dollar (rund 730.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am Abend in Stockholm in Anwesenheit von König Carl XVI. Gustaf, Königin Silvia und Bundespräsident Heinz Fischer überreicht.

Das seit der Orchester-Gründung 1842 existierende Philharmoniker-Archiv war lange im Musikvereinsgebäude untergebracht und befindet sich seit dem Jahr 2000 im “Haus der Musik” in der Wiener Innenstadt. “Wir platzen dort aus allen Nähten”, sagte der neue Philharmoniker-Vorstand Andreas Großbauer am Mittwoch Vormittag im Rahmen der internationalen Pressekonferenz im Gespräch mit Journalisten. Die Zusammenarbeit mit dem “Haus der Musik” sei jedoch ausgezeichnet, das Philharmoniker-Museum werde an diesem Standort verbleiben.

“Für das Archiv machen wir uns auf die Suche nach einem neuen Quartier”, so Großbauer. Dabei gäbe es u.a. auch Überlegungen, eine Philharmoniker-Immobilie im vierten Bezirk dafür zu nützen. “Wir möchten uns noch mehr öffnen. Das Ganze soll digitalisiert werden, und es sollen Plätze geschaffen werden, an denen man das Archivmaterial studieren kann.” Damit soll das heute vom Philharmoniker-Oboisten Wolfgang Plank geleitete Archiv transparenter und zudem das Umfeld für wissenschaftliche Forschung verbessert werden.

Auch an Online-Zugang wird gedacht, schließlich sei das Orchester mittlerweile auch in Sozialen Medien wie Facebook vertreten, meinte Großbauer: “Aber zunächst wird die Digitalisierung eine Weile brauchen. In manchen Dingen braucht es bei den Wiener Philharmonikern eben eine gewisse Zeit.” Dasselbe gelte auch für die Erhöhung der Frauenquote des Orchesters, unterstrich Hellsberg in der Pressekonferenz: “Wir können ja die männlichen Orchestermitglieder nicht umbringen…” Neuaufnahmen fänden ausschließlich qualitätsbezogen ohne Rücksicht auf das jeweilige Geschlecht der Kandidaten statt. Mit Albena Danailova verfügten die Philharmoniker mittlerweile auch über eine Konzertmeisterin.

“Es ist der höchstdotierte Preis, den wir je bekommen haben. Wir sind alle hoch erfreut. Für mich als neuer Vorstand ist das ein außergewöhnliches Ereignis, das mir viel Kraft und Motivation für meine künftige Arbeit gibt”, sagte Großbauer. Es habe für die Verwendung des Preisgeldes viele ambitionierte Vorschläge gegeben, von einer Ausweitung der Jugendprogramme bis zur Investition in Instrumente, sagte Großbauers Vorgänger Clemens Hellsberg, der 1979 zum ersten offiziellen Archivar der Philharmoniker ernannt worden war. “Besonders hat mich gefreut: Nicht ein einziger Vorschlag ging in die Richtung, das Geld aufzuteilen.” Letztlich sei die Investition in das Historische Archiv vom Orchester einstimmig beschlossen worden.

Hellsberg und Großbauer würdigten die Preis-Stifterin, die schwedische Sopranistin Birgit Nilsson (1918-2005), die dem Orchester über Jahrzehnte eng verbunden war. Sie sei nicht nur eine ausgezeichnete Sängerin gewesen, so Hellsberg, der Nilsson als Zehnjähriger bei seinem ersten Staatsopern-Besuch in “Siegfried” zum ersten Mal gehört hatte. “Sie war Mittelpunkt, aber keine Diva. Sie hat das ganze Haus verändert, wenn sie da war. Es hat bei uns aber niemand von ‘der Nilsson’ gesprochen, sondern immer nur von ‘der Birgit’.” Großbauer (Jahrgang 1974) bedauerte, die Sängerin nicht aus der persönlichen Zusammenarbeit zu kennen. “Wenn man sich aber die Aufnahmen ansieht und anhört: Sie ist wie die Sonne! Sie ist einfach da und strahlt!”

Die Zeremonie findet heute Abend im Stockholmer Konzerthaus statt, jenem markanten blauen Gebäude aus den 1920er-Jahren, in dem alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, die Nobelpreise überreicht werden. Zudem findet die Überreichung des Birgit Nilsson Preises ausgerechnet in der “Nobelpreis-Woche” statt, in der die diesjährigen Laureaten bekannt gegeben werden. “Für uns ist der Nilsson Preis der Nobelpreis”, strahlte Hellsberg.

Die abendliche Gala wird von einem Konzert der Wiener Philharmoniker unter dem Dirigat des vorangegangenen Preisträgers Riccardo Muti begleitet. Mit diesem musiziere man seit 45 Jahren, sagte Hellsberg. Muti hatte kürzlich das Amt des Musikdirektors an der römischen Oper zurückgelegt, ebenso wie kurz davor Franz Welser-Möst seinen Leitungsposten an der Wiener Staatsoper. “Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Muti künftig häufiger an der Staatsoper sehen würden”, meinte Hellsberg und setzte schmunzelnd hinzu: “Er müsste ja jetzt mehr Zeit haben.”

Der Birgit Nilsson Preis ist nach Stiftungsangaben die höchstdotierte Auszeichnung im Bereich klassischer Musik und wird im Abstand von rund drei Jahren an einen aktiven Sänger bzw. Sängerin (im Bereich Oper, Konzert, Oratorium oder Lied), einen Dirigenten bzw. Dirigentin (im Bereich Oper oder Konzert) oder eine Institution aus der Musikwelt für herausragende Leistungen vergeben. Bisherige Preisträger waren der spanische Tenor und Dirigent Placido Domingo (2009) sowie der italienische Dirigent Riccardo Muti (2011).

Nilsson hatte in den Jahren 1954 bis 1982 an 232 Abenden an der Wiener Staatsoper gesungen sowie drei Konzerte und zahlreiche Schallplattenaufnahmen gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern bestritten. 1999 wurde sie zum Ehrenmitglied des Orchesters ernannt.

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