Bisherige Parteiabspaltungen in Österreich: Von der DFP bis zur Liste Fritz

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Als Jörg Haider (✝) von der FPÖ genug hatte, gründete er das BZÖ.
Als Jörg Haider (✝) von der FPÖ genug hatte, gründete er das BZÖ. - © APA/Artinger/Archiv
DFP, Liberales Forum, BZÖ und Liste Martin: Peter Pilz (Grüne) wäre nicht der erste Politiker, der sich von seiner Partei abspaltet. Und: Bisher blieb fast keine Partei von solchen Ereignissen verschont. Ein Überblick mit teils längst vergessenen Listen und Parteien.


Der Grüne Nationalratsabgeordnete Peter Pilz überlegt nach seiner Abwahl von der Grünen Bundesliste für die Nationalratswahl die Gründung einer eigenen Liste und Bewegung. Pilz ist nicht der erste Politiker, der auf eine solche Idee kommt. Die Liste der Parteiabspaltungen in Österreich ist lang, und fast alle Parteien waren davon schon betroffen.

DFP: Die rechtspopulistische SPÖ-Abspaltung

1965 führten etwa schwere Konflikte innerhalb der SPÖ zur Gründung der Demokratischen Fortschrittlichen Partei (DFP). Parteigründer war der langjährige SPÖ-Politiker Franz Olah, der bei den Sozialisten in Ungnade gefallen war. Olah war Präsident des ÖGB und Innenminister. Er leistete Hans Dichand bei der Gründung der “Kronen Zeitung” finanzielle Starthilfe mit Gewerkschaftsgeldern und arbeitete auf eine kleine Koalition zwischen SPÖ und FPÖ hin. Die SPÖ schloss Olah schließlich aus, und dieser gründete die rechtspopulistische DFP.

Bei der anschließenden Nationalratswahl 1966 verpasste Olahs Partei zwar mit 3 Prozent der Stimmen, die vor allem von SPÖ-Wählern kamen, den Einzug ins Parlament, verhalf der ÖVP aber indirekt zum Wahlsieg, weil diese mit 48,3 Prozent der Wählerstimmen die absolute Mandatsmehrheit erzielte. 1969 konnte Olahs DFP bei der Wiener Gemeinderatswahl immerhin mit drei Mandaten ins Rathaus einziehen.

Liberales Forum nabelt sich von FPÖ ab

1993 spaltete sich das Liberale Forum (LIF) von der FPÖ ab. Den Ausschlag für das Zerwürfnis gab das von FPÖ-Chef Jörg Haider initiierte Anti-Ausländer-Volksbegehren “Österreich zuerst”. Die dritte Nationalratspräsidentin und Haider-Stellvertreterin Heide Schmidt verließ mit weiteren vier Abgeordneten aus Protest gegen die ausländerfeindliche Linie Haiders die FPÖ und gründete ihren eigenen Parlamentsklub.

Das Liberale Forum brachte es bei der Nationalratswahl 1994 auf 6 Prozent und sicherte sich den Einzug ins Parlament. Den Siegeszug Haiders und der FPÖ konnte man nicht stoppen, die Blauen errangen 22,5 Prozent der Stimmen. Bei der Neuwahl 1995 zog das LIF mit 5,5 Prozent neuerlich ins Parlament ein, vier Jahre später scheiterte die Partei schließlich mit 3,7 Prozent an der 4-Prozent-Hürde und flog aus dem Hohen Haus.

Wieder FPÖ: Haider wird mit BZÖ orange

2005 sind es erneut die Freiheitlichen, die von der Spaltung betroffen sind. Diesmal ist es Jörg Haider selbst, der seine Partei hinter sich lässt. Aufgerieben von der Regierungsarbeit in der schwarz-blauen Koalition und von einem monatelangen Richtungsstreit gründet Haider eine neue Bewegung namens “Bündnis Zukunft Österreich”.

Bei der Nationalratswahl 2006 kommt das BZÖ mit 4,1 Prozent gerade mal ins Parlament. Die FPÖ, die seit damals von Heinz-Christian Strache angeführt wird, kam auf 11 Prozent. Bei der Nationalratswahl 2008 kam das BZÖ, das seine Basis vor allem in Kärnten hatte und dort auch den Landeshauptmann stellte, kurz vor Haiders Unfalltod auf 10,7 Prozent. Bei der Wahl 2013 war die Geschichte des BZÖ dann auch schon wieder zu Ende. Noch vor dem Urnengang wechselten etliche Abgeordnete zum neu gegründeten Team Stronach. 3,5 Prozent der Stimmen reichten schließlich nicht mehr für den Einzug in den Nationalrat.

SPÖ, Martin und Unterstützung von der “Krone”

Ein Sonderfall ist der langjährige EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin. Martin eroberte 1999 als unabhängiger SPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl den ersten Platz. Schon nach kurzer Zeit überwarf sich der streitbare Alemanne allerdings mit den Mitgliedern seiner Delegation und zog fortan sein eigenes Ding durch. Bei der Europawahl 2004 kam Martin mit seiner Liste Dr. Martin auf 14 Prozent. Nie zuvor in der Zweiten Republik hat eine Partei bei ihrem ersten Antreten auf Bundesebene einen höheren Stimmanteil erreicht. 2009 legte Martin nach und erzielte – kräftig unterstützt von der “Kronen Zeitung” – sogar 17,76 Prozent. Schiffbruch erlitt er freilich bei der ebenfalls angesteuerten Nationalratswahl 2006. Martins “Liste Matin” kam nur auf 2,8 Prozent.

Aus dem ÖVP-Mann wird “Liste Fritz”

Auf Landesebene war die zumindest kurzfristig erfolgreichste Parteiabspaltung ein Tiroler Projekt. Der langjährige Arbeiterkammerpräsident und ÖVP-Mann Fritz Dinkhauser gründete aus Ärger über seine Partei im Vorfeld der Landtagswahl 2008 die Liste Fritz Dinkhauser. Der ÖVP-Dissident und Tiroler Volkstribun erzielte auf Anhieb 18,35 Prozent der Stimmen. Bei der darauffolgenden Nationalratswahl im Herbst 2008 scheiterte freilich auch Dinkhauser mit nur 1,76 Prozent der Stimmen. Bei der Tiroler Landtagswahl 2013 kam die Liste Fritz nur mehr auf 5,6 Prozent der Wählerstimmen.

Team Stronach und seine Nachfolger

Im weiteren Sinn kann man zu dieser Liste auch die Ableger des de facto aufgelösten Team Stronach (TS) zählen. Robert Lugar, Klubobmann im Nationalrat, will ebenso weitermachen wie der Salzburger TS-Landtagsabgeordnete Helmut Naderer. Naderer will unter neuem Namen weitermachen, wie er SALZBURG24 verriet.

(APA/SALZBURG24)

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