Bob Dylan-Festspiel in Salzburg

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Nobelpreisträger begeisterte in Salzburg
Nobelpreisträger begeisterte in Salzburg - © APA (AFP/Archiv)
Bob Dylan stampft am Ende seines ersten von zwei Österreichgastspielen am Freitag mit den Beinen, hämmert ins Piano, stellt mit Inbrunst die berühmte Frage “Do you, Mr. Jones?”, während Ordner mit weißen Handschuhen in der Salzburgarena (“Zurück auf die Plätze!”) den Kampf gegen an den Bühnenrand strömende Fans verlieren. Welch ein Finale eines fantastischen Konzertes mit vielen Höhepunkten!

Ein furioses “Ballad Of A Thin Man” war der Schlusspunkt des Auftritts von Dylan und seiner seit Jahren verlässlichen Band in Salzburg. Begonnen hatte der Abend mit “Things Have Changed” – oder besser mit einer Art Einspielen der Musiker, so als würde man im Proberaum stehen und erst den richtigen Zugang zu den Liedern finden müssen. Das sollte sich zwischen den Songs wiederholen, was eine lockere Session-Atmosphäre vorgaukelte. Denn so lässig Mr. D. und seine Mitstreiter zur Sache gingen, so perfekt und gleichzeitig gediegen präsentierten sie das Programm, das sich seit dem Tourstart nun bei 20 Nummern eingependelt hat.

Bob Dylan zelebriert Klassiker in Salzburg

Also “Things Have Changed”: das perfekte Motto für Dylans gesamte Karriere, diesmal sehr getrieben und rhythmisch vorgetragen. Dass der Literaturnobelpreisträger ganze fünf Stücke aus den 60er-Jahren und zwei vom grandiosen 1975er-Album “Blood On The Tracks” auf der Setlist stehen hat, sprach sich bereits herum. Aber “Don’t Think Twice, It’s All Right” überraschte dennoch, so wunderbar arrangiert zelebrierte man den Klassiker: Tony Garnier, das Rückgrat der Gruppe, war tief über seinen Contrabass gebeugt, sein Chef raunte fast zärtlich die Zeilen “Look out your window and I’ll be gone, you’re the reason I’m traveling on”, während sich das Stück zu einem mitreißenden Jive aufbaute.

Dylan “klingt wie ein Hund, der sich mit dem Fuß im Stacheldraht verfangen hat”, unkte ein namhafter Folksänger schon vor Jahrzehnten. Man versteht ihn nicht, seine Stimme ist kaputt, hört und liest man heute oft. Oh ja, Dylans Stimme hat Prellungen, ist rau und kratzig, aber authentisch und immer noch melodisch. “Tryin’ To Get To Heaven” sang Dylan etwa in der Mozartstadt mit viel Gefühl, den begeistert aufgenommenen Blues-Kracher “Early Roman Kings” mit Kraft und Verve, drei Coverversionen aus dem amerikanischen Songbook, “Melancholy Mood”, “Come Rain Or Come Shine” und “Autumn Leaves” (vom aktuellen Album “Triplicate” kam gar nichts), croonte er mit Leidenschaft. Da wagte His Bobness sogar ein Tänzeln mit dem Mikroständer. Und von wegen nicht verstehen: Jedes Wort vom melancholischen “Long And Wasted Years” konnte man vernehmen, zumindest fast jedes.

Bob Dylan mittlerweile ein leidenschaftlicher Pianist

Eines führte der Abend klar vor Augen: Dylan ist mittlerweile ein toller Pianist, der sein leidenschaftliches Tastenspiel meisterhaft in die Songs integriert hat. Das kann zurückhaltend sein, wenn er bei “Simple Twist Of Fate” feine Zwischentöne unter die schwelgende Pedal Steel Gitarre von Donnie Herron legt, oder entfesselt, wenn er sich mit dem Lead-Gitarristen Charlie Sexton bei “Thunder On The Mountain” duelliert. Letzteres war übrigens der einzige lupenreine Rock and Roll gestern, dafür in bester Chuck Berry Manier, wild und roh, rockend und rollend. Wo soll man aber Dylan mittlerweile stilistisch ansiedeln, seine Melange aus Blues, Folk, Country, Western Swing, Boogie, Jazz, Rhythm and Blues? Am besten nirgendwo, sondern einfach die zeitlose und aus der Zeit gefallene Musik genießen – zum Beispiel das geisterhaft hereinschwebende, brodelnde “Love Sick” oder als Kontrast das harte, unnachgiebige “Pay In Blood”.

Kurz genoss Dylan den verdienten Abschiedsapplaus, mit einem Lächeln verabschiedete sich der 76-Jährige in Richtung Brünn, von wo es weiter nach Wien geht. Am Montag wird in der Stadthalle das Ordnungspersonal wohl auch spätestens bei der ersten Zugabe “Blowin’ In The Wind”, heuer im Geigen-Outfit, mit einer Spur von Rebellion konfrontiert werden. Verdenken kann man es den Fans nicht, so einen wie Bob Dylan wird es nie mehr geben, man will ihm nahe sein, die Vibes einer Persönlichkeit spüren, die Seele und Dringlichkeit statt Kalkül und Klischees in die Musiksäle bringt.

(APA)

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