Angeklagter im Grazer Böller-Prozess von Anschlag bedroht

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Im Grazer Straflandesgericht hat es am Mittwoch beim Böller-Prozess zunächst einige Aufregung wegen eines offensichtlich missglückten Anschlags auf den Hauptbeschuldigten gegeben. Der 33-Jährige entdeckte in der Früh vor seinem Wohnhaus neben seinen Autos einen Benzinkanister mit Zündschnur. Die Folge war eine verschärfte Sicherheitskontrolle bei Gericht. Der Prozess wurde am Nachmittag vertagt.

Eigentlich hätte die Verhandlung um 9.00 Uhr starten sollen, doch Richterin Barbara Schwarz sprach von einem Zwischenfall betreffend der Hauptangeklagten und verschob den Beginn auf 10.30 Uhr. Erst dann erfuhren die Wartenden, warum es beim Saaleingang plötzlich strengste Sicherheitskontrollen gegeben hatte. Der Hauptbeschuldigte hatte zwischen seinen Autos einen Benzinkanister mit teilweise abgebrannter grüner Zündschnur entdeckt. “Irgendwer will mich wegtun”, war er überzeugt. “Waren Sie das selbst?”, fragte die Richterin, woraufhin der Angeklagte unter Tränen beteuerte: “Das würde ich nie tun, meine Kinder waren im Haus.”

Bei dem Verfahren, in dem mittlerweile noch acht Personen angeklagt sind, geht es um die tödliche Explosion bei einer illegalen Böllerproduktion in Kapfenstein, bei der am 17. November 2014 zwei Männer – Vater und Sohn – ums Leben gekommen sind. Die Hauptschuld soll bei dem 33-Jährigen liegen, der heute offenbar einem Anschlag entgangen ist. Er ist der Chef einer Pyrotechnik-Firma und soll die illegale Produktion von Sprengkörpern in Auftrag gegeben haben. Ebenfalls angeklagt sind der Bruder und Sohn der Toten, Händler und eine Hilfskraft. Die restlichen Beschuldigten müssen sich wegen Falschaussage verantworten.

Unter den Zeugen befand sich am Mittwoch der Betreiber eines Pyrotechnikfachgeschäfts. Er habe vom Hauptbeschuldigten Ware angeboten bekommen, diese aber abgelehnt: “Er war mir als Bastler bekannt”, begründete der Zeuge seine Bedenken.

Der Sprengstoffsachverständige John Josef Eberhardt erklärte, die private Sprengstoffproduktion habe “jede sicherheitstechnische Grundlage” überschritten. Die Detonation sei so gewaltig gewesen, dass Körperteile der beiden getöteten Männer bis zu 40 Meter weit weggeschleudert wurden. Am Ort des Unglücks wurde eine Art Fertigungsstraße entdeckt, auf der die Metallknallsätze, sogenannte Blitzknaller, hergestellt wurden.

Hauptbestandteile waren Aluminiumpulver und Kaliumperchlorat, was an sich schon ein “sehr zündfreudiges” Gemisch ergebe, so Eberhardt. Offenbar wurde auch Schwefel beigemischt, was die Knallkörper noch empfindlicher macht und die Zündungsfreudigkeit erhöht. “Bereits 50 Gramm dieser Mischung sind bei freier Schüttung detonativ”, führte der Sachverständige aus. Das bedeutet, ein kleines Häufchen dieser Mischung kann bereits beim Ausschütten auf einen Tisch explodieren. Gemischt wurden die Chemikalien in einem Art Maischefass, und zwar immer fünf Kilogramm auf einmal. “Sogar bei ferngesteuerter Produktion darf ein Kilogramm nicht überschritten werden”, betonte Eberhardt.

Der Prozess wurde vertagt. Ein neuer Termin stand noch nicht fest, da einige Zeugen erkrankt waren.

(APA)

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