BP-Wahl: Letztes TV-Duell für Van der Bellen und Hofer

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Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu
Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu - © APA
Vor einem Millionenpublikum treffen die Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer am Donnerstag im ORF zum letzten TV-Duell vor der Wahl am Sonntag aufeinander. 1,2 Millionen Österreicher verfolgten vor der Stichwahl im Mai das ORF-Duell, ähnlich viele dürften morgen vor den TV-Geräten sitzen. Einen Einfluss auf den Wahlausgang erwarten Experten aber nicht.

Der ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen hofft, dass es in der letzten Diskussion mit Hofer um Zukunftsfragen geht, und es zu einer “sachlichen Diskussion über die unterschiedlichen Konzepte und zu keinen rhetorischen und persönlichen Untergriffen durch Hofer” kommt, wie sein Wahlkampfleiter Lothar Lockl der APA sagte. Der Kandidat werde am Donnerstag seine Termine reduzieren, mit seinem engsten Team noch einmal Zahlen, Daten und Fakten durchgehen und mit einzelnen Bürgermeistern telefonieren, um einen “frischen Eindruck zu bekommen, wo in den Gemeinden und Regionen der Schuh drückt und was die Bevölkerung erwartet”. Im ORF-Duell will Van der Bellen dann vor allem seinen “4-Punkte-Plan für Österreich” bekannt machen. Wichtigster Punkt: Van der Bellen will der Regierung den Auftrag geben, die Arbeitslosigkeit in Österreich drastisch zu reduzieren, so Lockl.

Der FPÖ-Kandidat Hofer wird sich auf die Konfrontation mit Van der Bellen “wie immer”, nämlich “gar nicht” vorbereiten. “Ein, zwei Stunden in der frischen Luft, in der Natur, Zeit mit der Familie und Politik komplett ausblenden. Damit ist der Kopf frei”, erklärte Hofer gegenüber der APA. Sein Ziel: “Einfach authentisch bleiben, und die Fragen so ehrlich und gut beantworten wie nur irgendwie möglich.” Überraschungen à la Tempelberg erwartet Hofer diesmal vom ORF nicht. Dass das Duell noch Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnte, glaubt er ebenfalls nicht. “Für einige wenige Stimmen ja, aber insgesamt glaube ich, dass sich viele Menschen in Österreich schon entschieden haben. Nach zehn Monaten Wahlkampf weiß man, wen man wählen wird”, so Hofer.

Ähnlich sieht dies der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer. “Die Bedeutung der Kommunikation in den sozialen Medien ist ja inzwischen fast ebenso groß, wenn nicht sogar bedeutender als in den klassischen Medien. Die Direktkontakte in den sozialen Medien haben mindestens eine ebenso hohe Beeinflussungskraft wie die elektronischen und die Printmedien”, sagte Bachmayer im Gespräch mit der APA. So gesehen könnte das Millionen Mal geklickte Facebook-Video der Holocaust-Überlebenden Gertrude mehr Einfluss haben als ein ORF-Duell.

Bachmayer rät den beiden Kandidaten für ihren letzten TV-Auftritt Zurückhaltung: “Jede Gefahr auf einen Fehler vermeiden, und nur nicht in die eine oder andere Richtung zu sehr auffallen. Keine neuen Themen, keine neuen Inhalte. Vielleicht ein bisschen an die wenigen Themen, die sich in den letzten zwei Wochen noch ergeben haben, anknüpfen.” Der OGM-Chef erwartet aber ohnehin, dass beide Bewerber staatstragend auftreten werden. “Der von den Medien zitierte schmutzige Wahlkampf ist ja eine falsche Beschreibung. Der Schmutz kommt ja aus den Tiefen der sozialen Netzwerke. Die Kandidaten selbst geben sich dem Amt entsprechend sehr korrekt und zurückhaltend.”

Moderiert wird die Debatte am Donnerstag wieder von Ingrid Thurnher. Der ORF, der nach dem Mai-Duell wegen des Disputs um die Erlebnisse des FPÖ-Kandidaten während einer Israel-Reise heftiger Kritik der Freiheitlichen ausgesetzt war, will sich in diesem Duell “vor allem mit jenen Themen beschäftigen, die dem tatsächlichen Aufgabenbereich eines Bundespräsidenten entsprechen”, so Fernsehchefredakteur Fritz Dittlbacher. “Wir sind uns unserer Verantwortung als wichtige Entscheidungsgrundlage für vieler Wähler bewusst und werden alles versuchen, um zu einer ruhigen und sachlichen Debatte beizutragen.”

(APA)

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