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BRK-Wasserwacht leistet Eisdienst an heimischen Seen

Die Wasserwacht des BRK leistete am Wochenende Eisdienst an den heimischen Seen. Die Wasserwacht des BRK leistete am Wochenende Eisdienst an den heimischen Seen. - © BRK
Aufgrund der anhaltend tiefen Temperaturen bilden derzeit viele Gewässer im Landkreis eine mehr oder weniger tragende Eisschicht aus, die Wagemutige zu Spaziergängen und sportlichen Aktivitäten einlädt. Einsatzkräfte der BRK-Wasserwacht standen am Wochenende an mehreren Seen für Notfälle aller Art bereit.

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„Auf dem schneebedeckten Eis des Hintersees war bisher zu wenig los und der Königssee fängt nur langsam an, zuzufrieren, weshalb wir bisher keinen Wachdienst stellen mussten“, berichtet der Technische Leiter der Ortsgruppe Berchtesgaden, Franz Kurz.

Gewässer werden nicht freigegeben

„Bis auf den Königssee, wo eine Eiskommission gebildet wird, werden die Gewässer im Landkreis nicht freigegeben. Wer sich aufs Eis wagt, tut dies generell auf eigene Gefahr, auch wenn wir vor Ort sind und Wachdienst leisten“, erklärt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer. „Von außen, also ohne Bohrung kann man die Eisdicke überhaupt nicht bestimmen“, weiß der Technische Leiter der BRK-Wasserwacht im Landkreis, Siegfried Hauber. Die Retter warnen daher ausdrücklich vor den Risiken und appellieren an die Eigenverantwortung der Menschen: Die Eisschicht muss mindestens zehn Zentimeter dick sein, um eine Einzelperson sicher zu tragen, bei mehreren Menschen 15 bis 20 Zentimeter. Da die Stärke der Eisdecke aufgrund von Strömung und wechselndem Wasserstand variieren kann, sollte man sich im Zweifelsfall gegen Aktivitäten auf zugefrorenen Gewässern entscheiden. Vor allem Kinder müssen über die Gefahren des Eises aufgeklärt und zum richtigen Verhalten angeleitet werden. Erst wenn es über einen längeren Zeitraum richtig kalt bleibt, bildet sich eine dicke Schicht aus, die auch mehrere Menschen trägt.

Zu einem Eiseinbruch musste die BRK-Wasserwacht heuer glücklicherweise noch nicht ausrücken, dafür waren die Retter bei anderen Notfällen gefordert: Am Samstag gegen 15.45 Uhr stürzte ein 76-jähriger einheimischer Eisstockschütze auf dem Abtsee und verletzte sich am Kopf. Die Wasserwacht war rasch zur Stelle und versorgte den Mann, der danach mit einem Rettungswagen in die Kreisklinik Bad Reichenhall gebracht wurde. Am Sonntagmittag gegen 12.30 Uhr musste die Wasserwacht eine 63-jährige Urlauberin aus Franken versorgen, die am Fußweg entlang des Thumsees gestürzt war und sich die Schulter ausgekugelt hatte. Sie wurde danach mit einem Rettungswagen des Roten Kreuzes ebenfalls zur Kreisklinik Bad Reichenhall gebracht.

Eistauchen: Rettungstaucher suchen nach Eingebrochenen

Können Eingebrochene nicht sofort gerettet werden, dann müssen die Taucher der Wasserwacht unter der Eisdecke nach ihnen suchen; regelmäßig finden Übungen für die nicht ungefährliche Arbeit statt; jüngst auch am Obinger See: Die kleine Angelina steht auf Schlittschuhen neben einem Loch und schaut wie gebannt auf die kleine Wasserfläche mitten im Eis. Plötzlich steigen Luftblasen auf, die immer mehr werden und kurz darauf erscheint die schwarze Gesichtsmaske eines Tauchers. Das Mädchen strahlt und winkt eifrig, als sie ihren Vater im Eiswasser erkennt, der sie durch seine Brille anlächelt. Mario Schachinger zählt zu den zwölf Einsatztauchern des Traunsteiner BRK-Kreisverbandes. Zusammen mit mehreren Wasserwacht-Kameraden, darunter auch Heidi Herzog und Günther Holler aus Freilassing, trainiert er bei zweistelligen Minusgraden alle Abläufe für den Ernstfall. Mit dabei ist auch Gerhard Bankosegger, Ausbilder für Einsatztaucher bei der Wasserwacht des Roten Kreuzes im Berchtesgadener Land. „Für jeden von uns ist eine jährliche Übung in Eisrettung und unter Eis tauchen vorgeschrieben“, erläutert der Freilassinger, der sich als „alter Tauchhase“ bezeichnet - immerhin ist er seit mehr als 20 Jahren Einsatztaucher. „Wobei das Eistauchen eine stark psychische Sache ist“, erklärt er, „denn hier können wir nicht einfach auftauchen.“ Neben dem „normalen“ Tauchen komme das Nachttauchen und die „Krönung“ sei das Eistauchen. „Hier ist es absolut wichtig, sich auf das Team verlassen zu können.“

Doppelte Sicherheit: Dreier-Team im Einsatz

Bei jedem Einsatz – ob Übung oder Ernstfall – gibt es ein Dreier-Team: Neben dem Taucher, der ins Wasser geht, steht ein zweiter Sicherheitstaucher bereit, der im Ernstfall sofort dem in Not geratenen Tauchkameraden hilft. Wichtig ist der Leinenführer, der dem Einsatztaucher als Partner zur Seite steht. „Er ist das A und O für den Taucher“, erklärt Bankosegger. Der Partner bleibt an Land, hilft dem Taucher beim Anlegen der umfangreichen Ausrüstung, kontrolliert alle technischen Funktionen und ist schließlich nur durch eine Leine mit dem Taucher verbunden. Mit verschiedenen Leinenzeichen kommunizieren die beiden miteinander. Mario Schachinger hatte bei seinem Eistauchen einen besonderen Service, denn er war mit seinem Leinenführer per Tauchtelefon verbunden, dessen Verbindung sich in der Leine zwischen Taucher und Partner befindet. Probleme beim Eistauchen gibt es immer wieder mit dem Material, denn klirrende Kälte lässt empfindliche Geräte vereisen, wie etwa die Ventile in der Pressluftflasche. „Deshalb ist jeder Eistaucher, sobald er aus dem Wasser kommt, nicht mehr einsatzfähig“, erklärt Bankosegger. „Erst wenn er seine Ausrüstung komplett gewechselt hat, darf er weitermachen.“

Der besondere Kick unter Wasser

Zum Einsatz kommen die BRK-Eistaucher meist, wenn Freizeitsportler einbrechen. „Oft waren sie leichtsinnig und unvernünftig“, urteilt Bankosegger. „Vielen fehlt das Gefühl für die Natur. Sie gehen einfach aufs Eis, obwohl sie den See gar nicht genau kennen.“ Deshalb würde die Wasserwacht niemals eine Eisfläche freigeben. „Auch jetzt, trotz der Kälte, kann ich nur eindringlich davor warnen, jedes Eis zu betreten!“ Vor allem im Bereich von Zuflüssen sei die Eisdecke oft nur sehr dünn. Als Heidi Herzog aus dem Eiswasser klettert, strahlen ihre Augen. „Beim Eistauchen ist viel Nervenkitzel dabei, weil du ja als Taucher nicht mehr raus kommst, wenn du das Loch nicht findest – das ist der besondere Kick unter Wasser!“



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