Bruck kämpft um Flüchtlingsfamilie

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Viele Brucker setzen sich für die Israelijans ein.
Viele Brucker setzen sich für die Israelijans ein. - © Neumayr/Archiv
Fünf Jahre lang lebt Familie Israelijan in Bruck an der Glocknerstraße (Pinzgau). Am Sonntagmorgen nimmt das ein jähes Ende, die fünfköpfige Familie aus Armenien wird von der Fremdenpolizei abgeholt. Für viele Brucker ist das eine menschliche Katastrophe, sie kämpfen gegen die Abschiebung an.




Am Sonntagmorgen taucht die Fremdenpolizei in Bruck an der Glocknerstraße auf. Sie sind da, um Familie Israelijan abzuholen. Dramatische Momente spielen sich laut Sieglinde Gassner ab, die mit Mutter Lily, Vater Simon, den Söhnen Marat und Mjas sowie der Tochter Elen befreundet ist. Dem Vater seien Handschellen angelegt worden, die Mutter war aufgelöst rief sofort bei Gassner um Hilfe, wie sie im Gespräch mit SALZBURG24 erklärt. Es sei „relativ heftig gewesen“ sagt Gassner. Für viele Brucker ist die Abschiebung der Asylwerber-Familie unverständlich. Bürgermeister, Pfarrer, Feuerwehrkommandant: Sie alle haben sich für die katholische Familie ausgesprochen und eingesetzt. Derzeit besteht wenig Hoffnung, dass sie noch was ändern können.

Familie Israelijan: Gut integriert und trotzdem abgeschoben

Vor allem der Brucker Bürgermeister Herbert Burgschwaiger (SPÖ) und Gassner versuchten alle Hebel in Gang zu setzen. Burgschwaiger rief im Sekretariat von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, im Innenministerium und vielen anderen Stellen an, wurde immer weiterverwiesen. In der Salzburger Dienststelle des Bundesamts für Fremdenrecht und Asyl (BFA) sagt man ihm schließlich, dass man den Fall kenne und er rechtskräftig sei, so Burgschwaiger gegenüber S24. Von Sonntagabend bis Montagnachmittag sei er in der Sache aktiv gewesen. Er stellt klar: „Ich gehe davon aus, dass alle zuständigen Stellen richtig gehandelt haben.“ Aber: „Ich verstehe das nicht.“ Die Familie sei im Ort und gut integriert gewesen.

Vater Simon und die Söhne Marat und Mjas waren in der Feuerwehr aktiv. Marat und Mjas machen gerade eine Lehre, laut Burgschwaiger und Gassner stehen die Arbeitgeber voll hinter den beiden Burschen. Tochter Elen besucht das Gymnasium Zell am See. Deutsch mache ihnen keine Probleme mehr, hieß es in einem Facebook-Post der SPÖ Bruck. Mutter Lily hilft in einem Lernkaffee Kindern anderer Flüchtlingsfamilien bei den Hausaufgaben. Im Herbst nahm die Familie an einem Friedenskonzert in der örtlichen Kirche teil. Gerade wurde ihnen eine Wohnung zugeteilt, mit Freunden aus dem Ort wurden Möbel organisiert. Redet man mit den Beteiligten, wird klar: Man kennt und mag die Israelijans in Bruck. Aber ihre Asylanträge sind durch alle Instanzen abgelehnt worden, ein humanitäres Bleiberecht ist verwehrt geblieben. Das Innenministerium will den Fall auf S24-Anfrage nicht bestätigen, man gebe keine Auskünfte zu individuellen Fällen.

Bruck gibt die Flüchtlingsfamilie nicht auf

Dass die Familie Israelijan jetzt nicht mehr Teil der Gemeinde Bruck sein sollen, sorgt für Fassungslosigkeit. „Für mich bricht fast eine Welt zusammen“, sagt Bürgermeister Burgschwaiger. „Bruck ist entsetzt“, schreibt ein Feuerwehrmitglied an S24. Eine Petition gegen die Abschiebung wurde gestartet. Sieglinde Gassner ringt während des ganzen Gesprächs mit den Emotionen, ihre Stimme zittert. Und sie kämpft trotzdem bis zum letzten Moment. Familie Isrealijan wurde am Dienstagvormittag laut Gassner zum Flughafen gebracht, zu Mittag soll der Flug gehen. Mit Hilfe einer Anwältin versucht sie das zu verhindern. Auch wenn die Israelijans in Armenien landen, wolle man schauen, was man tun kann, meint Burgschwaiger. Um sie wieder in ihre neue Heimat zu holen: Nach Bruck.

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